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Besitzer schaffen alte Tiere ab

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Tierpflegerin Anna Würtz mit Mops-Dame Frozia.
Tierpflegerin Anna Würtz mit Mops-Dame Frozia. © Claus Völker

Rund um die Feiertage werden viele kranke Vierbeiner im Heim abgegeben.

An Weihnachten rückt die Familie dicht zusammen, sollte man meinen. Für einige Vierbeiner gilt das aber leider nicht. Und das, obwohl sie oft schon seit Jahren treuer Begleiter und festes Familienmitglied sind. „Wir beobachten in den letzten Jahren den Trend, dass gehäuft vor Weihnachten alte, kranke Hunde abgegeben werden“, sagt Tierarzt Christian Zentgraf, Leiter des Darmstädter Tierheims. „Manche wünschen sich zu Weihnachten einen neuen Fernseher, andere ein neues Tier. Nach dem Motto: Alles muss raus.“

Auch Mops-Dame Frozia ist so ein Fall. Die achtjährige Hündin wurde vergangene Woche von ihren Besitzern abgegeben. „Sie sagten, Frozia wäre plötzlich unsauber und könnte nicht mehr allein bleiben“, sagt Mitarbeiterin Claudia Kadow. Bei der Untersuchung habe sich aber herausgestellt, dass Frozia seit Jahren nicht mehr geimpft wurde, dass sie eine chronische Bindehautentzündung und wahrscheinlich eine Blasenentzündung hat und außerdem fast blind ist. „Man kann natürlich nur spekulieren, aber es sieht so aus, als sei sie ihren Besitzern plötzlich einfach zu teuer geworden“, sagt Kadow.

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Abgabewellen in den Ferien

Am gleichen Tag brachten Tierhalter eine 13 Jahre alte, kranke Mischlingshündin ins Tierheim – mit einer ähnlichen Begründung. Derzeit warten 40 Hunde, 67 Katzen und 115 Kleintiere auf neue Herrchen oder Frauchen, außerdem einige Exoten, die erfahrungsgemäß schwer zu vermitteln seien. Und möglicherweise werden es bis zu den Feiertagen sogar noch mehr.

„Immer, wenn Ferien sind, beobachten wir richtige Abgabewellen“, berichtet Kadow. Manchmal werden Hunde sogar nur deshalb abgegeben, weil die Halter in Urlaub fahren wollen. So einen Fall gab es dieses Jahr in den Sommerferien. „Da habe ich den Haltern angeboten: Wir haben eine Tierpension. Da hieß es aber nur: Nein, die ist uns zu teuer, wir holen uns nach dem Urlaub lieber einen neuen Hund.“ Solche Erlebnisse machten einen einfach nur fassungslos, sagt Kadow.

Um Hunden, Katzen und Co. solch ein Leid zu ersparen, sollte die Anschaffung eines Vierbeiners wohlüberlegt sein, rät die Tierheim-Mitarbeiterin. „Einem Kind ein Kaninchen zu schenken, nur weil es sich das gerade wünscht und vielleicht in ein paar Monaten keine Lust mehr darauf hat, davon raten wir ab.“

Silvester bedeutet Stress

Erfreulicherweise sei der Trend, an Weihnachten Tiere zu verschenken, in letzter Zeit rückläufig, schildert Kadow. „Noch vor zwei, drei Jahren gab es das viel öfter. Da wurden Tiere kurz vor Weihnachten abgeholt und landeten drei Monate später doch wieder bei uns.“ Um so etwas zu verhindern, rät Kadow dazu, sich erst einmal langsam an die Vierbeiner heranzutasten. „Man kann etwa eine Tier-Patenschaft übernehmen, zum Gassigehen kommen oder auch eine Katze im Tierheim öfter mal besuchen, bevor man sie aufnimmt.“ Dann könne man besser einschätzen, was auf einen zukommt.

Apropos Stress: Die Feiertage können nicht nur für die Findlinge im Tierheim, sondern auch für glückliche Vierbeiner zu Hause ganz schön nervenaufreibend sein. Vor allem an Silvester. „Da sollte man schon darauf achten, dass selbst Freigänger-Katzen mal lieber zu Hause bleiben und Hunde nur an der Leine nach draußen gehen“, sagt Kadow. mmi

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