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Berufsschule wird neu gedacht

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Entwicklungsplan für Stadt und Umland verzögert sich / Mehr Kreise im Boot.

Der Anfang 2014 angekündigte, von Schulleitern und Wirtschaftsvertretern dringend geforderte gemeinsame Berufsschulentwicklungsplan von der Stadt Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg kommt vorerst nicht. Stattdessen soll über einen neuen Plan unter Einbeziehung der Kreise Odenwald und Bergstraße beraten werden.

Die Berufsschullandschaft in Südhessen solle „noch mal genauer angeguckt werden“, sagte der Darmstädter Schuldezernent Rafael Reißer (CDU) bei den Etatberatungen im Haushalts- und Finanzausschuss. Und ergänzte mit Blick auf den im Februar 2014 angekündigten gemeinsamen Berufsschulentwicklungsplan der Stadt mit dem Kreis Darmstadt-Dieburg: „Manchmal ist der Erfolg nicht sofort greifbar. Dann muss man nochmal eine Schleife drehen.“

Zuvor hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Hanno Benz nach dem Planungsstand gefragt. Eigentlich sei angekündigt worden, der Plan werde zum Ende der Sommerpause beschlussreif vorliegen, merkte er an. Und das sei schon eine Weile her. Stadt und Umland seien zu dem Schluss gekommen, das Verfahren noch einmal neu aufzurollen, antwortete Reißer: unter Einbeziehung der Landkreise Bergstraße und Odenwald. Die dortigen Berufsschulen seien wegen geringer Schülerzahlen in Existenznot. „Im Odenwald sitzen in manchen Klassen nur noch fünf Schüler.“ Auch mit dem Kreis Groß-Gerau sei man im Gespräch.

Zudem wolle er die Handwerkskammern einbinden, sagte der Schuldezernent. Auf Nachfrage räumte er ein, dass sich dadurch die Erstellung des Berufsschulentwicklungsplans um bis zu zwei Jahre verzögern werde. „Aber das lohnt sich.“

Im ersten Quartal 2016 sollten Basisdaten für einen gemeinsamen Plan vorliegen. „Ende nächsten Jahres wollen wir ein deutliches Stück weiter sein.“ Der CDU-Politiker rechnete vor, dass von den mehr als 12 000 Schülern an den sechs Darmstädter Berufsschulen nur etwa 20 Prozent aus der Stadt kämen. Die Hälfte stamme aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg, weitere 30 Prozent kämen aus den Kreisen Bergstraße und Odenwald. Die Stadt fordert seit Jahren eine finanzielle Beteiligung von Darmstadt-Dieburg am Betrieb der Berufsschulen.

Der Schuldezernent des Landkreises, Christel Fleischmann (Grüne), bestätigte, die vorgesehene Ausweitung des Berufsschulentwicklungsplans sei zwischen Stadt und Kreis abgesprochen.

Der gültige Entwicklungsplan für die sechs Darmstädter Berufsschulen stammt aus 2006. Zwei Jahre später beklagten die Schulleiter, dass von den Planzielen bis dahin nichts umgesetzt worden sei. Es folgten weitere Beschwerden, bis Reißer und Fleischmann im Februar 2014 einen gemeinsamen Entwicklungsplan ankündigten. Dies wurde zunächst begrüßt. Als jedoch bekannt wurde, dass Teile der Alice-Eleonoren-Schule nach Dieburg verlagert werden sollten, gab es Proteste. Daraufhin wurde der Plan zunächst auf Eis gelegt. Im März kritisierte der frühere Berufsschuldezernent im Staatlichen Schulamt, Thomas Geisel, in der Darmstädter Berufsschullandschaft herrsche „seit 30 Jahren Stillstand, sowohl pädagogisch als auch baulich“.

Im Sommer kündigte die Stadt an, 70 Millionen Euro für die Sanierung des Berufsschulzentrums Nord bereitzustellen. Weitere rund 30 Millionen Euro würden in die Berufsschulen an der Mornewegstraße investiert, erklärte Reißer am Freitag.

Im April hatte die IHK Darmstadt Rhein Main Neckar eine „zügige“ Fertigstellung des Berufsschulentwicklungsplans angemahnt. Die schlechte konzeptionelle und bauliche Situation der Schulen schlage sich bereits bei den Ergebnissen in Abschlussprüfungen nieder. Die IHK befürworte einen gemeinsamen Plan, sagte Hans-Heinrich Benda, Leiter des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung. Es sei nicht sinnvoll, jeden einzelnen Standort zu erhalten, zumal die Schülerzahlen zurückgingen. (bad)

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