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Benimmkurs für Taxifahrer

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Höflichkeit ist ein wesentlicher Faktor im Umgang mit den Fahrgästen.
Höflichkeit ist ein wesentlicher Faktor im Umgang mit den Fahrgästen. © Guido Schiek

Ein bundesweit einmaliges Projekt hat mehr Servicequalität als Ziel: 21 Darmstädter Taxifahrer haben sich während eines Wochenend-Seminars zum Qualitätscoach weiterbilden lassen.

Das Image der Taxifahrer ist nicht das beste: Sie rasen oder kommen gar nicht, sie sind unfreundlich oder wissen nicht, wo’s lang geht. Auch in den Medien sind Taxifahrer daher gelegentlich Thema. 2005 ging es zum Beispiel um die Wartezeit; zuvor sorgte ein vor die Autotür gesetzter Rollstuhlfahrer für einen Skandal.

Auch wenn diese Fälle natürlich schwarze Schafe der Branche betrifft und keineswegs alle Fahrer so handeln: „Reibungspunkte gibt es immer wieder“, sagt Stefan Böhm aus dem Vorstand der Taxi Funk Darmstadt, dem Zusammenschluss von Darmstädter Unternehmen. „Dafür stehen wir in der Kritik. Diese Fehler haben wir erkannt und wollen sie jetzt ausmerzen.“

Das ist das Ergebnis der Arbeitsgruppe „Taxi und Tourismus“, in der seit Mai 2014 die Stadt Darmstadt, das Darmstadt Marketing, Taxi Funk und Dehoga gemeinsam die Servicequalität für die Fahrgäste verbessern wollen. Der erste Schritt: 21 Darmstädter Taxifahrer haben sich im vergangenen Monat während eines Wochenend-Seminars zum Qualitätscoach weiterbilden lassen. Auch Fahrer Stefan Böhm war dabei. Höflich und nett sein, dem Fahrgast die Autotür öffnen und das Gepäck einladen, ein gepflegter Fahrer und ein sauberes Auto: Darum ging es im Seminar, berichtet Böhm.

Das klingt schlicht nach guter Kinderstube. „Für manche Kollegen ist es trotzdem befremdlich“, sagt Böhm. Die Servicekette – wie es im Fachjargon heißt – noch einmal näher zu behandeln, mag vielleicht auch deshalb sinnvoll sein, weil Taxifahrer kein Ausbildungsberuf ist; entsprechend unterschiedlich sind die Biografien der Fahrer.

Noch keine Rückmeldung

In Darmstadt sei diese Anstrengung bundesweit einzigartig, sagt Böhm: Nur die Darmstädter Taxifahrer ließen sich über „Service Qualität Deutschland“ weiterbilden. Auch für andere Branchen bietet dieser Verein ein Qualitätsmanagement an. In Darmstadt sind etwa der Bauverein, Heag und das Darmstadt Marketing zertifiziert.

Mit dem zum Januar eingeführten Mindestlohn, der die Taxibranche ordentlich aufgemischt und in anderen Städten schon zu gestiegenen Gebühren geführt hat, habe das Bestreben zu besserem Service „überhaupt nichts zu tun“, wie Böhm betont. „Wir wollen eine gleichbleibend hohe Qualität im Taxigewerbe schaffen“, lautet das Ziel von Taxi Funk.

Daran hat auch die Stadt Interesse. Bürgermeister und Ordnungsdezernent Rafael Reißer (CDU) verspricht sich von der Initiative, „die Willkommenskultur der Stadt zu stärken“. Ob es zuvor Beschwerden von Fahrgästen gab, lässt Anja Herdel, die Geschäftsführerin vom Darmstadt Marketing, unbeantwortet.

Man wolle „aktiv die Rahmenbedingungen für die Gäste verbessern“, heißt es stattdessen. Herdel: „Die Q-Zertifizierung bietet klare Maßstäbe für gemeinsames Handeln.“ Bis diese Zertifizierung in Form eines dreidimensionalen „Q“ mit integrierter Deutschlandfahne aber tatsächlich an Windschutzscheiben von Darmstädter Taxen klebt, ist noch ein weiterer Schritt zu gehen. Die nun ausgebildeten Qualitätscoaches müssen die Kenntnisse in ihren Unternehmen weitergeben. Erst wenn ein Unternehmen sich dann per Internet an Maßnahmen beteiligt, gibt es das Siegel, erklärt Böhm. „Das kann auch noch dauern, denn die Unternehmen scheuen die Kosten von 300 Euro.“

Ob denn immerhin die Fahrgäste schon zufriedener sind? Böhm: „Bisher gab es noch keine Rückmeldung.“ (ers)

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