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Beleidigungen belasten zusätzlich

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Auch Inge Mitterschaider muss derzeit viel Aushalten.
Auch Inge Mitterschaider muss derzeit viel Aushalten. © Hans Dieter Erlenbach

Bei den noch verbliebenen Fahrern von Bus-Werner ist der Krankenstand hoch. Die Nachricht der Insolvenz hat die Mitarbeiter des Unternehmens hart getroffen. Die Fahrer müssen sich zudem von Fahrgästen Beschimpfungen anhören.

Inge Mitterschaider ist eine taffe Frau, die so leicht nichts aus der Bahn wirf. Bei der Verkehrsgesellschaft Werner, im Volksmund auch „Bus-Werner“ genannt, ist sie Disponentin, fährt auch selbst mal einen der Busse und hält Schulungen für neue Fahrer ab. Seit 25 Jahren ist sie dem Unternehmen verbunden.

Die Nachricht der Insolvenz hat sie und die rund 150 Fahrer des Unternehmens hart getroffen. Immer mehr Fahrer melden sich krank, Linien fallen aus und Busse haben Verspätung. Das müssen jetzt jene Busfahrer ausbaden, die die Fahne des Unternehmens noch hochhalten und trotz aller Widrigkeiten hinter dem Steuer sitzen.

Engpässe beim Personal

„Du fauler Hund. Statt zu fressen solltest du lieber fahren“, musste sich ein Busfahrer jüngst von einem Passanten anhören. Der Fahrer hatte am Darmstädter Mathildenplatz die vorgeschriebene Pause gemacht und sein Brot gegessen. Der aufgebrachte Passant spuckte noch gegen den Bus und verschwand. Den Fahrer hat dieses Erlebnis arg mitgenommen.

Und er ist nicht der Einzige. Immer wieder kämen derbe Beleidigungen vor, berichtet Inge Mitterschaider, der die Busfahrer von ihren Erlebnissen erzählen. Alleine am Montag hatte sie drei Anrufe von ihren Fahrern, die ihr von Anfeindungen berichteten.

Natürlich sei das Unternehmen schuld an der Misere der vergangenen Jahre, als immer öfter Busse ausgefallen sind und die Fahrgäste vergebens an den Haltestellen standen. Sie versäumten den rechtzeitigen Arbeitsbeginn, Schüler kamen zu spät zur Schule. „Daran ist nichts zu beschönigen“, gibt Mitterschaider zu. Doch die Schuld hätten nicht die Fahrer.

Die würden alles geben, um ihren Job gut zu machen. Dass Busfahrer auf dem Arbeitsmarkt derzeit kaum zu bekommen und Engpässe deshalb nicht abzufedern seien, könne nicht den Fahrern angelastet werden. Dass sich viele andere Jobs suchen, weil 11,65 Euro Stundenlohn kaum reichen, um eine Familie zu ernähren, trage sicher mit zum Fahrermangel bei, wie auch Betriebsratsvorsitzender Werner Wittich sagt.

Und dann komme noch die Ungewissheit über die Zukunft des Unternehmens. Insider gehen davon aus, dass die Verkehrsgesellschaft Werner spätestens zum Jahresende die Tore schließt. Teilstrecken haben bereits Subunternehmer übernommen, die Linien im benachbarten Baden- Württemberg, die vom Firmensitz in Wiesloch aus betreut werden, gehen Ende dieses Monats an ein anderes Unternehmen über. In diesem Fall haben die Fahrer sogar Glück, denn sie werden übernommen. Da in Baden-Württemberg ein anderer Tarif gilt, verdienen sie in Zukunft sogar 12,50 Euro pro Stunde.

In der Niederlassung Weiterstadt, von wo aus der Nahverkehr aus dem Kreis in Richtung Darmstadt organsiert wird, seien die Hälfte der 50 Fahrer derzeit krank, berichtet Inge Mitterschaider. Deshalb sei es schwer, alle Strecken zu bedienen.

Ungewisse Zukunft

Mitterschaider und Betriebsratsvorsitzender Werner Wittich haben zudem eine gewisse Absetzbewegung ausgemacht. Sobald ein Busfahrer irgendwo einen anderen Job bekommt, ist er weg. Auch diese Lücken lassen sich nicht immer stopfen. Dennoch dürfe diese Misere nicht an jenen Fahrern ausgelassen werden, die jetzt noch hinter dem Steuer sitzen. „Nicht jeder ist so robust, dass er das aushält“, sagt der Betriebsratsvositzende. (hde)

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