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Bauverein entfernt Asbest

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Die Anlage in der Kurt-Schuhmacher-Straße 5 wird von Schadstoffen befreit.
Die Anlage in der Kurt-Schuhmacher-Straße 5 wird von Schadstoffen befreit. © Guido Schiek

Hochhaus in Eberstadt wird saniert und modernisiert / Mieter können bleiben.

In den Sechzigern wurde sorglos mit asbesthaltigem Material gebaut und PCB-haltige Fugendichtung verwendet. Für ein achtstöckiges, 1966 errichtetes Wohngebäude des Bauvereins in Eberstadt ist jetzt eine Schadstoffsanierung fällig. Das Besondere daran: Die Mieter können während der Bauphase wohnen bleiben.

Die 48 Wohnungen im achtstöckigen Hochhaus in der Kurt-Schumacher-Straße 5 sollen nicht nur modernisiert, sondern auch energetisch saniert und von allen schadstoffhaltigen Materialien aus den sechziger Jahren befreit werden. Etwa 100 000 Euro lässt sich die Bauverein AG die Sanierung pro Wohnung kosten.

Die knapp 120 Mieter wurden in Gesprächen und Versammlungen über die Belastungen informiert, die ab April auf sie zukommen. Etwa ein Jahr lang müssen sie mit Lärm und Einschränkungen rechnen. Danach soll das Hochhaus wärmegedämmt und rundum erneuert sein. Dafür wendet der Bauverein etwa fünf Millionen Euro auf. Die Alternative wäre der Abriss und Neubau gewesen.

Die Schadstoffsanierung dauert pro Wohnung etwa zwei Wochen. Sechs weitere Wochen sind für den Einbau neuer Fenster und den Umbau von Bad und Küche veranschlagt. Während der Bauphase können die Mieter in ihren Wohnungen bleiben. Sybille Wegerich vom Bauvereins-Vorstand nennt die Methode eine „Modernisierung am lebendigen Leib“. Denn eine auf fachgerechte Entsorgung von Schadstoffen spezialisierte Frankfurter Firma sorgt für umfassende Schutzmaßnahmen.

Die Mieter wurden auf den Anblick von Arbeitern mit weißen Schutzanzügen und Mundschutz vorbereitet. Sie werden ihnen aber nicht in die Quere kommen, weil Trennwände in die Wohnungen – im Flur, im Bad und der Küche – eingezogen werden.

Aber was geschieht, wenn sich lebhafte Kinder über diese Abgrenzung hinwegsetzen? Einer Mutter, die diese Befürchtung äußerte, wurde eine Blechverstärkung zugesagt. Schleusen mit einem Abluftsystem sollen verhindern, dass freigesetzte Schadstoffe die Gesundheit der Mieter gefährden könnten. Die Partikel werden mit Unterdruck abgesaugt. Außerdem wird die Luft ständig kontrolliert.

Ersatzbäder auf jeder Etage

In gebundener Form gilt Asbest, das für die Abwasser- und Abluftkanäle des Eberstädter Wohngebäudes verwendet wurde, als ungefährlich. Erst wenn die langen Asbestfasern freigesetzt werden, greifen sie die Lunge an. Die alten Kanäle werden durch neue aus Stahlblech ersetzt.

Saniert werden jeweils vier Wohnungen, die an einem Versorgungsstrang liegen, zur gleichen Zeit. Eine Wohnung pro Strang wurde leergeräumt und mit abschließbaren Ersatzbädern ausgestattet, damit alle Mieter sich dort duschen und eine eigene Toilette benutzen können.

Während der Bauzeit verringert sich die Miete. Auch nach der Modernisierung, die eine Erneuerung der Balkone und der Elektroversorgung mit einschließt, bleiben die Mieten moderat, obwohl der Quadratmeterpreis eigentlich knapp unter dem für Neubauten liegen müsste. Die 48 Wohnungen sollen jedoch erneut in eine Belegungsbindung übernommen werden.

Da sie „barrierefreundlich“ – wenn auch nicht nach DIN-Norm barrierefrei – sind, eignen sie sich gut für ältere Menschen. Bis 2030 soll die Zahl der barrierefreundlichen Wohnungen des Bauvereins von 13 bis 20 Prozent steigen, kündigte Bauvereinschef Hans-Jürgen Braun an.

Seine Vorstandskollegin Wegerich spricht vom „Anfang der Lernkurve“. Denn die Erfahrungen, die jetzt gemacht werden, sollen bei der Überarbeitung von weiteren Gebäuden des Bauvereins berücksichtigt werden. (pyp)

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