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Baustopp an der Felsnase

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Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch hat das umstrittene Verkehrsprojekt abgesagt.
Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch hat das umstrittene Verkehrsprojekt abgesagt. © imago stock&people

Der umstrittene Radweg zwischen Eberstadt und Nieder-Ramstadt wird nicht weiter verfolgt. Die Bauarbeiten wereden aus Sicht von Verkehrsminister Florian Rentsch zu teuer und zu langwierig. Er kündigt die Prüfung von Alternativen an.

„An dieser Stelle wird kein Radweg gebaut.“ Mit sieben Worten beendete Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) am Montagmittag an der Felsnase das umstrittene Verkehrsprojekt zwischen Eberstadt und Nieder-Ramstadt. Er stoppt damit die Arbeiten, die er noch vor zwei Monaten trotz einer Klage der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald per Sofortvollzug angeordnet hatte, aber vor sechs Wochen vorläufig aussetzen ließ. Die zu hohe natürliche Asbestbelastung der Böschung ist der Grund für das endgültige Aus des Wegs direkt neben der Bundesstraße 426.

Die Bauarbeiten werden aus Sicht des Ministers zu teuer und zu langwierig. Um eine Gesundheitsgefährdung für Anwohner und Verkehrsteilnehmer auszuschließen, wären aufwendige Schutzmaßnahmen zu treffen. Nach Angaben Rentschs müsste die komplette, mehrere Hundert Meter lange Baustelle eingehaust und mit Schleusen für Arbeiter und Gerät versehen werden. Der Minister rechnet mit einem Mehraufwand von rund drei Millionen Euro. Damit stiegen die Gesamtkosten auf 6,4 Millionen Euro. „Diese Kostenexplosion ist für mich nicht mehr vertretbar“, begründete Rentsch seine Entscheidung.

Hinzu kommt die Bauzeit. Bislang waren 40 Wochen veranschlagt. Mit den Schutzmaßnahmen veranschlagt das Ministerium gut eineinhalb Jahre. Doch schon seit Wochen gibt es Tag für Tag lange Staus im Berufsverkehr – in Darmstadt wie in Mühltal. Eine Bauzeit von eineinhalb Jahren hält der Minister aber für nicht zumutbar. Finanziell und planerisch – „das Projekt ist aus dem Ruder gelaufen“, sagt Rentsch.

Alternativen sollen geprüft werden

An einem Radweg an der von täglich 17 000 Autos genutzten Straße will der Minister gleichwohl festhalten. Am Montag kündigte er die Prüfung von Alternativen an. Ob damit der vor Jahren schon einmal beschlossene Ausbau des Waldwegs entlang der Modau gemeint sei, wollte er nicht bestätigen: „Es gibt keine Vorfestlegung.“

2006 hatte der damalige Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) den Waldweg ausbauen wollen. Dagegen gab es unter anderem Protest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC). Er verwies darauf, dass auch dabei Bäume gefällt werden müssten. Zudem sorgte sich der Club um den Winterdienst und kritisierte, dass der Weg zu abgelegen sei, sodass bei einem Unfall Hilfe zu spät kommen könnte. Das Asbestproblem stellt sich dabei jedoch nicht. Rentsch und auch Vertreter der Straßenbauverwaltung Hessen-Mobil bestätigten, dass nach den Voruntersuchungen eine Asbestbelastung bekannt gewesen sei. Doch sei diese deutlich niedriger gewesen als die Ergebnisse von Bohrungen zu Baubeginn im Juli. Dadurch wurden Grenzwerte überschritten, sodass das Ministerium Anfang August den vorläufigen Baustopp verfügte.

Baustelle bis zum 3.Oktober

Während das Ministerium in den folgenden Wochen prüfen ließ, „ob und inwieweit unter diesen Umständen der Bau des Rad- und Gehweges wie planfestgestellt umgesetzt werden kann“, wurde die Böschung versiegelt, indem Nasssaat aufgespritzt wurde. Dadurch sollten Gräser und Kräuter schnell wachsen und so verhindern, dass Asbestfasern aufgewirbelt werden. Parallel dazu montieren Arbeiter auf halber Höhe einen Fangzaun, um die Verkehrsteilnehmer vor herabfallenden Ästen oder Steinen zu schützen.

Auf rund 900 000 Euro beziffert Arno Krämer, Dezernent Bau bei Hessen Mobil, die Sicherungsmaßnahmen: „Doch die Ausgaben waren ohnehin vorgesehen.“ Bis zum 3. Oktober sollen diese Arbeiten abgeschlossen und die Baustelle beseitigt sein. Dann herrscht auf der B 426 wieder freie Fahrt. Zuvor – Ende dieser Woche – wird nach Angaben von Hessen-Mobil zunächst einmal die einspurige Sperrung aufgehoben. Dann gibt es Verkehr in beiden Richtungen, aber mit einer Ampelregelung im westlichen Bauabschnitt. (rf)

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