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Bauernmarkt und Gewächshaus

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Für die ehemalige Stadtgärtnerei an der Orangerie liegt ein neues Konzept vor.
Für die ehemalige Stadtgärtnerei an der Orangerie liegt ein neues Konzept vor. © andré hirtz

Seit Jahresbeginn ist die Stadtgärtnerei geschlossen. Die künftige Nutzung des am Orangeriegarten liegenden Geländes ist offen. Die Stadt prüft ein „Vorzeige-Pilotprojekt energetisches Gewächshaus“.

Keine Maßliebchen, keine Stiefmütterchen mehr. Die Anzucht-Häuser auf dem Stadtgärtnereigelände bieten ein trostloses Bild. Denn: Seit dem 1. Januar ist die Stadtgärtnerei geschlossen. So hatte es das Stadtparlament 2012 beschlossen. „Der Betrieb der Stadtgärtnerei ist unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht wirtschaftlich“, lautete die Begründung in der Beschlussvorlage.

Im Zuge der Haushaltskonsolidierung sollte auf die pro Jahr (ohne Personalkosten) rund 250 000 Euro verschlingende Aufzucht von zirka 60 000 Pflanzen für die Bepflanzung des Orangeriegartens verzichtet werden. Die kauft die Stadt jetzt zu – für jährlich 40 000 Euro.

Auf Basis verschiedener Vorschläge aus der Bürgerschaft und eigener Anforderungen (Aufenthaltsräume für die mit der Pflege des Orangeriegartens betrauten Mitarbeiter, Überwinterungshaus für kleinere, nicht winterharte Pflanzen, Zwischenlagerung von Pflanzen, das Abstellen von Geräten und Fahrzeugen – summa summarum ein Flächenbedarf von 1200 bis 1500 Quadratmetern) hat das Grünflächenamt ein vom Magistrat gebilligtes Strukturkonzept vorgelegt, in dem unterschiedliche Nutzungsbereiche definiert werden.

Danach bestünde in einer grundsätzlich bebaubaren Zone entlang der Klappacher Straße Raum für gartenbauliche, kulturelle, pädagogische und gastronomische Nutzungen. Westlich davon soll Platz für Bauernmarkt, Kerb sowie Bürgergärten entstehen. Der südliche, direkt an den historischen Orangeriegarten angrenzende Teil kann von Schulen, Kitas und als Spielfläche genutzt werden.

Bei den baulichen Anlagen, zu denen neben dem Sozialtrakt die Gewächshäuser gehören, hat die Stadt konkrete Vorgaben formuliert. So müsse ein zukünftiger Träger „zwingend die Pflanzenproduktion für den Orangeriegarten einbeziehen“. Nach Angaben der städtischen Pressesprecherin Sigrid Dreiseitel ist „aus fachlichen und wirtschaftlichen Gründen eine Pflanzenproduktion die sinnvollste Lösung“.

Einen Widerspruch zu der gerade aus wirtschaftlichen Gründen erfolgten Schließung der Stadtgärtnerei sehe man dabei nur, „wenn die Stadt bei einem Weiterbetrieb nicht die erhofften Einsparungen erzielen würde“. Derzeit werden mit Unterstützung von Wissenschaftlern der Technischen Universität verschiedene Denkmodelle durchgespielt.

Konkrete Vorgaben der Stadt

Der Fokus ist dabei auf energetisch optimierte Gewächshausanlagen gerichtet. Ob die dafür notwendigen Investitionen und der Betrieb durch ein oder mehrere Betreiber oder die Stadt selbst vorgenommen werden soll, sei – so betont die Stadt – noch offen. Doch die gleichzeitig formulierte Vorgabe, ein zukünftiger Betreiber dürfe aus „Konkurrenzschutzgründen zur Erhaltung der Bessunger Gärtnereien und Blumengeschäfte“ keinen Pflanzenverkauf betreiben, könnte es potenziellen Investoren eher schwer machen. Die Verwaltung selbst empfiehlt die Sanierungs- und Baumaßnahmen „in Verantwortung der Stadt“ umzusetzen.

Dazu passt, dass das Stadtgärtnereigelände bereits in das Konzept zur Bewerbung zur Landesgartenschau 2022 einbezogen worden ist. Zusätzlich zum Kernbereich Mathilden-/Rosenhöhe, Oberfeld, Botanischer Garten und Rudolf-Müller-Anlage soll das Bessunger Areal „mit dem Thema „Energieeffizienz, Innovation/Beteiligung und Klimaschutz“ ein „Zeichen für Klimaschutzbemühungen und Bürgerbeteiligung“ setzen. Die für eine Bewerbung notwendige Machbarkeitsstudie soll nun erstellt werden.

Parallel dazu wird die Verwaltung ihre Vorstellungen zur Nutzung des Stadtgärtnereigeländes konkretisieren und ein Finanzierungsmodell erarbeiten. Dann wird sich auch zeigen, ob die mit der Schließung der Stadtgärtnerei erhofften Einsparungen langfristig tatsächlich realisiert werden können. (wka)

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