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Barriere vor dem Beuys-Block

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Auch zwischen diesen Vitrinen wird es für Rollstuhlfahrer schwierig.
Auch zwischen diesen Vitrinen wird es für Rollstuhlfahrer schwierig. © Guido Schiek

Trotz teurer Sanierung ist das Landesmuseum noch nicht überall behindertengerecht. Dabei war Barrierefreiheit gerade eines der Ziele, die durch den 80 Millionen Euro teuren Umbau erreicht werden sollten.

Mit diesem Satz hatte Ritula Fränkel nicht gerechnet: „Hier können Sie nicht rein“. Doch es waren diese Worte, mit der ein Aufseher des Landesmuseums der Darmstädter Künstlerin den Zutritt zum Beuys-Block verwehrte. Begründung: „Sie sitzen ja in einem Rollstuhl. Das geht hier nicht.“ Wie die meisten Darmstädter hatte sich Fränkel auf die Wiedereröffnung des Landesmuseums gefreut – das Haus war immerhin sieben Jahre lang wegen Umbaus geschlossen. Und wie die meisten Darmstädter ist auch Fränkel von der Verjüngungskur begeistert: „Toll. Das ist richtig schön geworden.“ Dass man sie jedoch, weil sie auf den Rollstuhl angewiesen ist, ausgerechnet von jenen Räumen fernhält, die nach Ansicht der Kunstfreunde die größte Kostbarkeit des Landesmuseums bergen, lässt die Besucherin den Kopf schütteln.

Dabei war Barrierefreiheit doch gerade eines der Ziele, die durch den 80 Millionen Euro teuren Umbau erreicht werden sollten. Und auch erreicht wurden – nur eben nicht überall. Anton Mulzer, Projektleiter bei der Baumanagementfirma „gfb“, zählt auf: „Auf der Westseite wurde ein eigener Eingang für Behinderte geschaffen. Der Weg führt durch den Museumsshop, von dort geht es mit einem Aufzug in die Foyerhalle. Mit einem weiteren Aufzug können alle Ausstellungsetagen erreicht werden. In Abteilungen mit besonderen klimatischen Bedingungen haben wir Türen eingebaut, die sich automatisch öffnen, wenn sich ein Besucher nähert. Und natürlich wurden Behindertentoiletten eingebaut.“

Und Beuys? Die Zugänglichkeit dieser vom Künstler zwischen 1970 und 1984 eigenhändig gestalteten Rauminstallation war, so sagt Mulzer, keine Frage der Bauplanung und -überwachung. „Die Exponate waren zwar zeitweilig ausgelagert. Doch ein Vermessungsingenieur hat vorher jedes Stück ausgemessen, und nach Sanierung der Räume wurde alles millimetergenau so aufgestellt, wie es zuvor gestanden hatte.“

Das bestätigt auch Gabriele Gruber, die stellvertretende Direktorin des Museums. Schließlich handelt es sich beim Darmstädter Block, der aus sieben Räumen mit rund 300 Exponaten besteht, um den weltweit einzigen original und am originalen Ort erhaltenen Werkkomplex des Großkünstlers. 1989 hatten das Land Hessen, die Hessische Kulturstiftung und die Kulturstiftung der Länder den „Block“ für 16 Millionen Mark erworben. Heute ist sein Wert unschätzbar.

Aber es ist nicht die Sorge um die Kunst, die dem Landesmuseum bei der Visite von Rollstuhlfahrern Sorge macht. „Uns geht es in erster Linie um die Sicherheit der Besucher“, erklärt Gruber. „Das steht alles sehr, sehr eng, und es gibt scharfe Ecken und Kanten, an denen sich gerade ein Rollstuhlfahrer leicht verletzen kann.“

Sorge um die Sicherheit

Was tun? „Wir werden uns des Problems annehmen und eine Lösung finden“, sagt Gruber. Dass der Aufseher Besucher im Rollstuhl einfach aussperrt, sei jedenfalls keine. Gruber verweist aber auch auf andere Abteilungen, die mit Rollstuhl nicht zugänglich sind. Etwa die „Laaxer Spange“, ein Zwischengeschoss, in dem Kunsthandwerk gezeigt wird und das mit Rücksicht auf die historischen Gegebenheiten des Messelbaus nicht durch einen Aufzug erschlossen werden konnte. „Da stellen wir die Ausstellung in digitaler Form zur Verfügung – die Kunstwerke können so wenigstens am Bildschirm betrachtet werden.“ Ähnliches wäre auch beim Beuys-Block möglich.

Ritula Fränkel wurde übrigens beim Verlassen des Museums angesprochen. Von einem Mann, der sich so vorstellte: „Sie sind Rollstuhlfahrerin? Ich gehöre zu den Leuten, die den Umbau geplant haben. Wie fanden Sie es denn jetzt da drin?“ Die Antwort ist nicht überliefert. ers

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