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Bäume fallen für Windräder

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Für die gerodeten Bäume wird  Ausgleich an anderer Stelle versprochen.
Für die gerodeten Bäume wird Ausgleich an anderer Stelle versprochen. © Karl-Heinz Bärtl

Kahlschlag auf dem Binselberg: Für die zwei neuen Windkraftanlagen wird eine 8400 Quadratmeter große Fläche gerodet. Die Anlage soll einmal 3000 Haushalte mit Strom versorgen.

Für zwei 179 Meter hohe neue Windkraftanlagen auf dem Binselberg bei Groß-Umstadt sind in diesen Tagen hunderte Bäume gefallen, eine 8400 Quadratmeter große Fläche wurde gerodet. "Viel Jungwuchs ist es gewesen, zudem einige ältere Kiefern", sagt Stefan Rickert, stellvertretender Leiter des Forstamts Dieburg. Seiner Einschätzung nach kein allzu wertvoller Bestand.

Hessen Forst gab den Auftrag zum Kahlschlag, da das Baurecht für die umstrittene Windanlage inzwischen von Behörden und Gerichten bestätigt wurde. Neben den bisherigen zwei Windrädern soll die neue Anlage etwa doppelt so hoch aufragen und Strom für den Jahresverbrauch von 3000 Haushalten liefern. Es wäre der größte Windpark im Landkreis Darmstadt-Dieburg.

"Solch einen Kahlschlag macht man ja in der Forstwirtschaft nicht mehr; deshalb sind die Leute und Spaziergänger den Anblick nicht gewöhnt", sagt Rickert. Die Hälfte des geschlagenen Areals werde außerdem lediglich für die Baustelle benötigt und wieder aufgeforstet, sobald die Windräder stehen. Für den Rest gebe es einen Öko-Ausgleich an anderer Stelle. Alles sei korrekt gelaufen. "Wir wissen schließlich, wie brisant das dort oben ist."

Emotionen kochen hoch

Die Emotionen kochen hoch, in und um Umstadt. Gegner der Anlage führen viele Argumente an: das Landschaftsbild werde verschandelt. Die Windenergie rentiere sich nur dank übergroßer staatlicher Förderung. Und schließlich befürchten Anwohner Beeinträchtigungen, sei es durch Schlagschatten, Geräusche, herabfallendes Eis oder andere Einwirkungen. Doch alle Einwände bis hin zum Widerstand einer Bürgerinitiative und der Nachbargemeinde Schaafheim konnten Behörden und Gerichte nicht überzeugen. Auch, weil das Gebiet im Regionalplan als mögliche Windkraftfläche ausgewiesen ist.

Initiator des Windkraftprojekts sind drei Umstädter. Anders als bei den zwei schon stehenden Windrädern auf dem Binselberg, die von einer größeren Anzahl kleiner Investoren finanziert wurden, haben sie nun einen Großinvestor gewonnen: die Heag Südhessische Energie AG (HSE). Der regionale Stromversorger aus Darmstadt hat gerne zugestimmt, will man dort doch in den kommenden Jahren eine Milliarde Euro in den Ausbau ökologischer Energien investieren. "Bis zum Jahr 2015 wollen wir 20 Prozent Ökostromanteil erreichen", sagte Firmensprecher Jürgen Hein-Benz gestern auf Anfrage.

Neben Off-shore-Windparks auf See sowie Anlagen in Brandenburg oder Schlüchtern in Osthessen "suchen wir natürlich gerade in der Region nach Standorten, denn die dezentrale Erzeugung ist wichtig." Deshalb trage HSE derzeit 100 Prozent der Investitionskosten in Groß-Umstadt. "Aber es ist vereinbart, dass sich später Bürger bis zu einem bestimmten Anteil noch einkaufen können", ergänzt Jochen Ohl, einer der Groß-Umstädter Initiatoren und Projektentwickler. "Bei acht Millionen Euro wäre es schwierig gewesen, das Geld über einzelne Bürger aufzubringen, die meist zwischen 5000 und 10 000 Euro anlegen möchten", schildert Ohl.

Dass die Umstädter Windräder viel Wirbel auslösen, die Diskussion immer wieder emotional wird - erst recht jetzt nach der Baumfällung - und sich Gegner und Befürworter scheinbar unversöhnlich gegenüber stehen, bedauert er. Eine Frage, so Jochen Ohl, solle sich dabei jeder stellen: "Will ich Kohlekraftwerke, Atomkraftwerke, oder will ich alternativen Strom? Und darf der nicht vor meiner Haustür sein?" (piz)

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