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Doppelmord in Babenhausen: Andreas D. muss Schadensersatz zahlen

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Von: Claudia Kabel

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Will weiterkämpfen: Anja D. nach dem Prozess in Darmstadt. Sie glaubt fest an die Unschuld ihres Ehemannes.
Will weiterkämpfen: Anja D. nach dem Prozess in Darmstadt. Sie glaubt fest an die Unschuld ihres Ehemannes. © Claudia Kabel

Das Landgericht Darmstadt sieht die Schuld von Doppelmörder Andreas D. aus Babenhausen (Landkreis Darmstadt-Dieburg) als erneut erwiesen an.

Darmstadt – Keine Chance auf ein neues Verfahren: Das Landgericht Darmstadt ist überzeugt, dass Andreas D. 2009 seine Nachbarn erschossen hat. Jetzt soll er für die Unterbringung der Tochter zahlen.

Im Fall des Babenhäuser Doppelmords wird es keine Wiederaufnahme der Beweise geben. Die vorsitzende Richterin der 29. Zivilkammer des Landgerichts Darmstadt verkündete am Mittwoch, dass keine Zweifel daran bestünden, dass Andreas D. sein Nachbarsehepaar 2009 wegen andauernder Lärmbelästigung erschossen und deren Tochter durch Schüsse verletzt habe. In dem jetzigen Verfahren war es um eine Schadensersatzklage des Landes Hessen gegen D. gegangen. Dieser gab das Gericht statt und verurteilte D. zu einer Zahlung von fast 70 000 Euro für die Unterbringung der autistischen Tochter.

Das Verfahren

Andreas D. wurde vom Landgericht Darmstadt am Juli 2011 unter anderem wegen Mordes an den Eheleuten T. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Weil die besondere Schwere seiner Schuld festgestellt wurde, wird er voraussichtlich nicht nach 15 Jahren entlassen.

Alle Versuche , D.s Schuld vor Gericht zu widerlegen, scheiterten bisher.

Die Revision zum Bundesgerichtshof genauso wie eine Petition an den Landtag.

Ein Wiederaufnahmeverfahren wurde 2019 vom LG Kassel abgelehnt, und das OLG Frankfurt verwarf 2020 die Beschwerde dagegen.

Das Bundesverfassungsgericht lehnte 2020 eine Verfassungsbeschwerde ab.

Im aktuellen Zivilprozess um eine Schadensersatzklage 2022 hat das LG Darmstadt erneut D.s Schuld festgestellt. (cka)

Doppelmörder Andreas D. führt privates Gutachten an: Landgericht in Darmstadt sieht keinen Zweifel

Die Kammer sei aufgrund einer „eigenen, freien Beweiswürdigung“ von D.s Täterschaft überzeugt, begründete die vorsitzende Richterin. Diese Überzeugung beruhe im Wesentlichen auf den Feststellungen des Strafurteils von 2011. Die von D. vorgebrachten Einwendungen dagegen hätten dessen Beweiswert „nicht zu erschüttern“ vermocht.

Die eingebrachten Privatgutachten zu dem bei der Tat verwendeten selbstgebauten Schalldämpfer seien nicht geeignet, die Feststellungen des Schwurgerichts in Zweifel zu ziehen. Die Richterin führte weitere Indizien auf, etwa Schmauchspuren an D.s Hose, Gartenhandschuhen und Pulsmesser. Auch habe er versucht, seinen Dienst-PC mit dem er die Bauanleitung des Schalldämpfers recherchiert haben soll, zu manipulieren und er soll sich über Ruhestörungen durch die Nachbarn beklagt haben. „In der Gesamtschau der Indizien ergeben sich keine Zweifel an seiner Täterschaft“, so die Richterin.

Die Ehefrau des 52-jährigen D., der derzeit seine lebenslange Haftstrafe verbüßt, zeigte sich enttäuscht. Sie kündigte an, mit neuen Hinweisen und Gutachten einen erneuten Anlauf für ein Wiederaufnahmeverfahren zu starten. Jetzt wisse man, worauf es ankomme. Ein kurzfristig eingereichtes Gutachten, das widerlege, dass ihr Mann den Schalldämpfer recherchiert habe, sei offenbar zu spät gekommen. Prozesszuschauer aus D.s Bekanntenkreis zeigten sich schockiert. „Es ist, als falle man in ein tiefes Loch“, sagte ein Mitglied des Vereins Monte Christo. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden. (Claudia Kabel)

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