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Autowerkstätten als Carsharing-Anbieter in Darmstadt

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Von: Annette Schlegl

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Natürlich können auch neue E-Autos ausgeliehen werden, aber Grubauer denkt beim „Carsharing für alle“ hauptsächlich an ältere, aber gut erhaltene und gewartete Modelle.
Natürlich können auch neue E-Autos ausgeliehen werden, aber Grubauer denkt beim „Carsharing für alle“ hauptsächlich an ältere, aber gut erhaltene und gewartete Modelle. © Michael Schick

Der Soziologe Franz Grubauer hat die Idee, dass Autobesitzer in Darmstadt ihre Fahrzeuge an Autowerkstätten verkaufen, die ein erschwingliches Carsharing organisieren.

Das Auto als Statussymbol - diese Zeiten sind vorbei. Für viele ist es einfach nur Mittel zum Zweck, und so mancher hat gar kein Auto mehr. Die Autohäuser und -werkstätten machen nicht mehr das Geschäft wie früher, stehen vor einer unsicheren Zukunft. Der Soziologe Franz Grubauer, ehrenamtlicher Direktor der Evangelischen Stadtakademie Darmstadt, will sie deshalb in ein Konzept einbinden, das „Darmstädter Carsharing für alle“ heißt, und das er entwickelt hat. Die Werkstätten sollen einen lokalen Carsharing-Pool aufbauen – mit Gebrauchtwagen, die Privatpersonen bei ihnen in Zahlung geben. Die Ausleih-Preise wären dann günstiger als die heute gängigen Carsharing-Angebote. Grubauer sucht nun „größere Motoren“ für seine Idee.

Aufschlussreiche Umfrage für die Idee des „Carsharing für alle“ in Darmstadt

Das Konzept ist schnell erklärt: Privatpersonen in Darmstadt und der Region sollen ihr gut erhaltenes und abgeschriebenes Auto für den Aufbau eines Carsharing-Pools an ihr Autohaus oder ihre Werkstatt verkaufen oder gegen Vergütung abgeben. Die Kfz-Betriebe, die den Zustand und Lebenszyklus dieser Autos kennen, sollen die private Fahrzeugflotte betreuen und als Mobilitätsagentur fürs „Carsharing für alle“ fungieren.

Grubauer war viele Jahre Chefsoziologe und Leiter der Statistikabteilung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Deshalb hat er seine Idee nicht ins Blaue hinein entwickelt, sondern hat eine Umfrage nach wissenschaftlichen Maßstäben gestartet. Rund 1000 Personen aus der Adressdatenbank der Evangelischen Stadtakademie und weiteren Netzwerken bekamen eine webbasierte Umfrage zugesandt. 150 Personen im Alter von 30 bis über 80 Jahre beteiligten sich daran, 112 füllten den Fragebogen komplett aus.

60 Prozent würden ihr Fahrzeug fürs Carsharing an Autohäuser in Darmstadt abgeben

Die Umfrage war laut Grubauer zwar nur eingeschränkt repräsentativ, aber durchaus ermutigend. Demnach haben 72 Prozent der Befragten schon einmal mit dem Gedanken gespielt, Carsharing auszuprobieren. Fast 75 Prozent würden auf ihr Auto verzichten, wenn die räumliche Verfügbarkeit in Wohnortnähe gewährleistet wäre, 59 Prozent, wenn eine kurzfristige und spontane Verfügbarkeit gegeben wäre.

60 Prozent wären bereit, ihr Fahrzeug gegen irgendeine Form der Vergütung ihrem Darmstädter Kfz-Betrieb für den Aufbau eines professionellen Carsharing-Pools abzugeben. Die Hälfte aller Befragten traut ihrer Autowerkstatt die Kompetenz zu, Carsharing anzubieten. „Hier besteht eine langjährige Kundenbindung und damit ein Vertrauenskapital“, stellt der 69-Jährige fest.

Befragte würden bis zu 300 Euro für ein ausgeliehenes Auto zahlen

In seiner Studie wollte der Soziologe auch wissen, welchen Preis die Bürger und Bürgerinnen fürs Carsharing als erschwinglich ansehen. 47 Prozent der Befragten würden bei monatlichen Kosten bis maximal 200 Euro ein solches Angebot nutzen, weitere 37 Prozent bei Kosten von bis zu 300 Euro.

„Das alles muss aber noch betriebswirtschaftlich durchgerechnet werden, damit es sich für die Autohäuser und -werkstätten auch lohnt“, sagt Grubauer. Die IHK, Mobilitätsdezernent Michael Kolmer (Grüne), Heag-Vorstand Klaus Michael Arend und Harald Holzer, Geschäftsführer von Highest für Wissenstransfer an der TU Darmstadt, fänden sein „Carsharing für alle“-Konzept aber schon mal „interessant und wichtig“, berichtet Grubauer. Auch mit Karl Schwerer, Innungsmeister der Kfz-Innung, habe er bereits gesprochen.

Der Darmstädter Soziologe sucht jetzt Macher für seine Carsharing-Idee

„Es gibt eine ganze Reihe von Kontakten, aber jemand muss den nächsten Schritt machen“, sagt er. Um die Idee zum Leben zu bringen, brauche es „drei bis vier Start-Ups und flankierend große Institutionen“. Geld werde von der Heag und vom Ministerium fließen, ist er optimistisch. Software gebe es schon längst, sie könne auch auf der Plattform der Stadt angesiedelt werden.

Franz Grubauer hofft, dass sich Start-Ups oder Institutionen jetzt seiner Carsharing-Idee annehmen.
Franz Grubauer hofft, dass sich Start-Ups oder Institutionen jetzt seiner Carsharing-Idee annehmen. © Stadtakademie Darmstadt

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