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Für die Bestandsaufnahme im Komponistenviertel werden Häuser, Mauern, Tore und Bäume erfasst.
Für die Bestandsaufnahme im Komponistenviertel werden Häuser, Mauern, Tore und Bäume erfasst. © andré hirtz

Stadt erstellt Bebauungsplan für das Komponistenviertel / Nachverdichtung geplant.

Zu den Eigentümlichkeiten Darmstadts gehört, dass es für den größten Teil des Stadtgebiets keine Bebauungspläne gibt. Stück für Stück arbeitet die Stadt die Versäumnisse vergangener Jahrzehnte auf. „Wir sind dabei, einen Bebauungsplan für das südwestliche Komponistenviertel zu erstellen“, erklärt Sigrid Dreiseitel, Pressesprecherin der Stadt. Ziel sei, den Charakter des Quartiers im Wesentlichen zu wahren und gleichzeitig eine maßvolle Nachverdichtung zu ermöglichen – aber in geregelter Form. „Wir spüren, dass der Druck auch auf dieses Gebiet wächst.“

Was heute Komponistenviertel ist, war bis in die frühe Nachkriegszeit der Breitwiesenberg – über ein Jahrhundert hinweg eine der größten privaten Liegenschaften Darmstadts, ein eleganter Landschaftspark, gekrönt von einer schlossähnlichen Villa.

In der Zwischenkriegszeit siedelten sich an den Rändern erste Villen an, auf immer noch respektablen Grundstücken. Nach 1945 setzte dann der bis in die 80er Jahre währende Prozess der Parzellierung ein. Am Ende blieb vom ursprünglichen Park gar nichts mehr übrig; stattdessen klettern nun Reihenhausketten die Flanken des Breitwiesenbergs hinauf. „Bisher galt dort eben allein der berüchtigte Paragraf 34 des Bundesbaugesetztes“, erläutert Dreiseitel. Ein Gummiparagraf, der jede Bausünde erlaubt, wenn nur vorher schon eine begangenen wurde.

Nachdem es sich in einer letzten Welle bis zur Gichtmauer ausgedehnt hatte, galt das Komponistenviertel eigentlich als fertig. Zum Umdenken sieht sich die Stadt nun durch das Bevölkerungswachstum gezwungen. Innerhalb weniger Jahre stieg Darmstadts Einwohnerzahl von 140 000 auf 150 000, und sie soll weiter steigen – schnell.

„In Anbetracht der attraktiven Lage des Wohngebietes und des knappen Baulandes in der Wissenschaftsstadt Darmstadt sowie bedingt durch den bevorstehenden Generations- und Eigentumswechsel ist absehbar, dass vermehrt ein Nachverdichtungsdruck auf das Planungsgebiet zukommen wird.“ So steht es in der Begründung des ebenfalls noch jungen Bebauungsplans O 21, der das benachbarte Wohngebiet zwischen Dieburger Straße und Seitersweg umfasst.

Charakter soll erhalten bleiben

Die Gegend vom Löwentor bis zum Molkenbach fußt zwar nicht auf einem großbürgerlichen Park, doch weist sie eine dem Breitwiesenberg in Teilen vergleichbare Struktur auf, die das Stadtplanungsamt erhalten will. Dazu gehören typische Einfamilienhäuser der 50er Jahre, anderthalbgeschossig, mit Gaupen unterm Satteldach. Im Vergleich zu den kleinen Häusern sind die Grundstücke groß; oft hält die Bebauung mit einem Vorgarten Abstand zur Straße; mit erfreulich vielen Bäumen – vor allem Birken – ist das Löwentorviertel durchsetzt.

In der Begründung des O 21 lässt sich der Spagat erkennen, der auch beim neuen Bebauungsplan für das Komponistenviertel zu leisten sein wird. Charakteristika wie die Durchgrünung etwa gilt es zu schützen, ebenso kleinteilige Bebauung, wo sie noch vorhanden ist. Verdichtung durch moderate Anbauten ist erwünscht, die Eröffnung neuer Baufelder eher nicht. Vorgärten dürfen nicht zur Gänze Carports weichen.

In diesen Tagen schließen die Mitarbeiter des von der Stadt beauftragten Planungsbüros ihre Bestandsaufnahme im Komponistenviertel ab. Häuserhöhe, Häuserbreite, Dächer, Mauern, Tore, Bäume, Büsche – daraus formt sich dann die detaillierte Beschreibung des Vorhandenen und des Möglichen. Bürgerbeteiligung und Offenlage schließen sich an, bevor das Parlament den Plan als Satzung beschließt.

„Es wird ein relativ großer Bebauungsplan“, kündigt Dreiseitel an. „Ein Jahr wird das Verfahren noch dauern. Mindestens.“ (ers)

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