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Auschwitz-Gedenken: Opfer und Täter aus Darmstadt und Umgebung

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Von: Claudia Kabel

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Die neue Synagoge in Dieburg.
Die neue Synagoge in Dieburg. © Stadt Dieburg

Einer von Himmlers höchsten SS-Führern kam aus Darmstadt. In Mörfelden-Walldorf wurden Auschwitz-Überlebende für den Flughafenbau interniert.

Darmstadt war eine Hochburg der Nazis. Nicht nur der SS-Mann Werner Best, der in den 1931 aufgedeckten Boxheimer Dokumenten schon eine gewaltsame NSDAP-Machtübernahme skizzierte und später Gestapo-Organisator und -Ideologe war, stammte von hier.

Auch Karl Wolff – die rechte Hand Heinrich Himmlers – war ein Darmstädter. Die Historikerin Kerstin von Lingen hielt kürzlich einen Vortrag über ihn. Er war unter anderem verantwortlich für die Deportation von italienischen Juden in das Konzentrationslager Auschwitz. In den Nürnberger Prozessen wurde Wolff 1948 zunächst zu nur fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Erst als er 1961 in einer Illustrierten einen Bericht über seinen früheren Chef veröffentlichte, wurde er 1962 verhaftet und wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen vom Münchner Schwurgericht zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1969 erhielt er Haftverschonung, wie die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK) Darmstadt berichtet.

Darmstadt: Geburtstagswünsche von Leibgardisten

Danach lebte Wolff offenbar zeitweise unbescholten weiter in Darmstadt, erhielt 1982 noch Geburtstagsgrüße von der Kameradschaft der Darmstädter Leibgardisten. 1984 starb er in Rosenheim.

In Darmstadt und andernorts wird am Freitag, 27. Januar, dem Tag der Befreiung des KZ Auschwitz, der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. An diesem Tag im Jahr 1945 wurden die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes, befreit.

Veranstaltungen

Nina Grünfeld stellt um 10 Uhr im Horváth-Zentrum, Familie-Jürges-Weg 1, Mörfelden-Walldorf ihr Buch „Frida“ vor.

Über „Schriftsteller:innen im Widerstand“ , berichten Schüler:innen berichten in der Centralstation in Darmstadt, 11 Uhr. Anmeldung unter 06151/132314 oder E-Mail an epraesentationen@darmstadt.de.

Eine Stadtführung „Jüdisches Leben in Dieburg“ bietet das Museum Schloss Fechenbach an Treffpunkt 17 Uhr, Eulengasse.

Autor Igal Avidan liest aus seinem Buch „Mod Helmy – Wie ein arabischer Arzt in Berlin Juden vor der Gestapo rettete“, 19 Uhr Rathaus Walldorf.

Um „Die Juden vom Altrhein“ geht es um 19.30 Uhr in der Bürgerhalle Eppertshausen. cka

Der Magistrat lädt zu einer öffentlichen Veranstaltung in die Centralstation ein. Bürgermeisterin Barbara Akdeniz (Grüne) wird Schüler:innen der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule begrüßen, die die Ergebnisse ihrer Arbeiten zum Thema „Schriftsteller:innen im Widerstand“ präsentieren. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung vom Staatsorchester Darmstadt.

KZ-Außenstelle Walldorf: Suche nach der Großmutter

Auch in Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) wird der Gedenktag begangen. In der ehemaligen KZ-Außenstelle Walldorf wurden Überlebende aus Auschwitz für den Arbeitseinsatz am Frankfurter Flughafen interniert. Eine von ihnen war Frida Grünfeld (1908–1945). Die Prostituierte wurde 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und kam von dort nach Walldorf, um erste betonierte Rollbahnen zu bauen, wie Cornelia Rühlig, Vorsitzende der Margit-Horváth-Stiftung, mitteilte.

Reproduktion eines Fingerabdruckts von Frida Grünfeld auf der Glaswand des Horváth-Zentrums in Mörfelden-Walldorf. Nach einem Foto sucht ihre Enkelin bis heute.
Reproduktion eines Fingerabdruckts von Frida Grünfeld auf der Glaswand des Horváth-Zentrums in Mörfelden-Walldorf. Nach einem Foto sucht ihre Enkelin bis heute. © Horváth-Zentrum

Fridas Enkelin, die norwegische Filmemacherin Nina Grünfeld, recherchierte mehr als 20 Jahre lang nach ihrer Großmutter, von der sie nichts wusste – außer, dass sie Jüdin war. Nicht einmal ein Foto hat sie bis heute. Am Freitag stellt sie im Horváth-Zentrum im ehemaligen Lagerbereich ihr Buch über Frida Grünfeld vor. Der Frankfurter Rabbiner Zalman Gurevitch liest ein Totengebet.

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