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Im Auftrag der Patienten

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Marion Rodehau im Gespräch mit Patient Edmund Ries.
Marion Rodehau im Gespräch mit Patient Edmund Ries. © André Hirtz

Die gelernte Hotelfachfrau Marion Rodehau kümmert sich im Darmstädter Klinikum um die Sauberkeit und das richtige Ambiente. Sie setzt auf die Mithilfe von Patienten, denn auch sie sieht trotz geschultem Hotellerieauge nicht jeden Makel.

Ein Besucher hat sich in den vielen Gängen des Darmstädter Klinikums verlaufen und fragt die adrett gekleidete Frau nach dem Weg zur Kantine. Ohne Zögern erklärt Marion Rodehau ihm den Weg. „Wenn ich etwas nicht weiß, dann begleite ich die Person und wir fragen uns gemeinsam durch“, sagt die Hausdame mit einem Lächeln.

Seit August inspiziert die 48 Jahre alte Mutter von zwei Töchtern Sauberkeit und Wohlfühlambiente in den Gebäuden. Immer mit dabei: Block und Stift, Fotoapparat, Telefon und ein blauer Gummihandschuh. „Der Handschuh ist zu meinem Markenzeichen geworden“, sagt sie. Zum Einsatz kommt er, „wenn im Flur zum Beispiel ein Keks rumliegt und ich ihn in den Müll befördern muss“.

Die Spannbreite ihrer eigentlichen Aufgaben reicht von der Wandgestaltung in den Fluren über organisatorische Abläufe bis hin zur Toiletten- und Zimmervisite.

Um sich ein unverfälschtes Bild machen zu können, ist Rodehau zu „Unzeiten“ im Haus unterwegs – auch am Wochenende. „Wenn die Stationen wissen, dass ich komme, könnten sie vorher alles herrichten. Das ist nicht Sinn der Sache“, merkt sie an. Während ihrer Arbeit tauscht sich die gelernte Hotelfachfrau mit dem Patienten-Beschwerdemanagement, den ehrenamtlichen Patientenfürsprechern, den Stationsleitern und dem Reinigungspersonal aus.

Handschuh immer dabei

„Sie sagen mir, wo aus ihrer Sicht Nachbesserungsbedarf besteht und ich gebe meine Eindrücke an sie weiter“, erklärt Rodehau. Gemeinsam werde dann nach Lösungen gesucht. Eine Neuerung: Alle ungenutzten und auf den Fluren geparkten Betten müssen aus hygienischen Gründen abgedeckt werden.

Die Hausdame setzt zudem auf die Mithilfe von Patienten, denn auch sie sehe trotz geschultem Hotellerieauge nicht jeden Makel: „Ich kann nur etwas ändern, wenn die Leute mir ihre Anliegen mitteilen.“ Ein persönliches Gespräch sei ihr dabei hilfreicher als ein anonym ausgefüllter Beurteilungszettel. Missverständnisse könnten so gleich aus dem Weg geräumt werden.

Eine ihrer Runden führt Rodehau auch in die Kardiologie. Patient Edmund Ries erzählt ihr, dass das Essen oft nicht warm ankäme. „Da muss ich in der Küche nachforschen, woran das liegt“, erklärt sie ihm. Meist handelt es sich bei den Anliegen um Ausstattungswünsche: einheitliche Kleiderbügel im Schrank, an den Wänden mehr Aufhänger oder am Waschbecken ein Sichtschutzvorhang. „Lob notiere ich mir natürlich auch und gebe es an das Personal weiter“, sagt Rodehau, während Edmund Ries ihr von der vorbildlichen Arbeit einer Krankenschwester berichtet.

Ihre Devise bei Kritik: Sofort Abhilfe schaffen. „Wenn es Kleinigkeiten sind, dann versuche ich, die Probleme direkt zu lösen.“ Unterstützt wird sie bei der Umsetzung von Haustechnik und Logistik. Dauern Erledigungen länger, wird die Hausdame schnell ungeduldig. „Ich muss dann hartnäckig am Ball bleiben, sonst gerät das wieder in Vergessenheit“, sagt sie ernst.

Andreas Donner, Stationsleiter der Kardiologie, ist froh, dass es die Hausdame gibt. „Sie sieht Dinge, die uns schon gar nicht mehr auffallen“, gesteht er. Wie ist die Hausdame erreichbar? Spezielle Sprechzeiten hat sie nicht. „Entweder dem Stationspersonal Bescheid sagen, dass ich vorbeikommen soll, oder über mein Telefon“, sagt sie. Die Nummer kann an der Klinikpforte erfragt werden. Edmund Ries hat sich jedenfalls über den Besuch von Marion Rodehau gefreut und hofft, dass seine Kritik umgesetzt wird. Über eines sollten sich die Patienten aber stets bewusst sein: „Wir sind kein Hotel, sondern ein Krankenhaus.“ ers

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