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Aufräumen unter Wasser

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Ein kleines Plastik-Schlauchboot dient zum Abtransport der letzten Fuhre Unrat.
Ein kleines Plastik-Schlauchboot dient zum Abtransport der letzten Fuhre Unrat. © André Hirtz

Ein Tauchverein befreit Badeseen vom Müll der Sommermonat. Neben Flaschen und Sonnebrillen finden die Froschmänner auch gefüllte Portemonnaies und einen kompletten Grill.

Am Sonntag um die Mittagszeit zählt die Darmstädter Grube Prinz von Hessen lediglich zwei Badegäste: Um kurz nach 12 Uhr geht ein älterer Herr bedächtig Schritt für Schritt ins 15 Grad kalte Wasser. Außerdem badet Jovi, ein schwarz-weißer Hirtenhund. Unter Wasser ist da mehr Betrieb: Der Darmstädter Tauchclub Submariner ist mit etwa 20 Mitgliedern seit 10.30 Uhr dabei, die Grube von dem Müll zu befreien, den die Badegäste über die Sommermonate hinterlassen haben. Die Aktion ist Bestandteil des überregionalen Projekts „Beach-clean-up-day“, das zum Ziel hat, Naturbadeseen und deren Strände zu reinigen.

Nach und nach kommen die Taucher aus dem Wasser. Rund 20 Säcke mit Unrat haben sie in eineinhalb Stunden schon gesammelt, die letzte Fuhre wird mit einem kleinen Plastik-Schlauchboot an Land gezogen. Der mobile Abfalleimer ist gefüllt mit Tüten, Flaschen, Dosen, zerfetzten Wasserbällen, Metallteilen – und einem rund einen Meter breiten Verbotshinweis der Stadt Darmstadt: „Angelbereich – Baden nicht gestattet“ steht auf dem einst grünen, jetzt rostigen und mit Muscheln bewachsenen Schild.

Tückische Nylonschnüre

„Es ist schon erstaunlich, was man da alles rausholt“, sagt Alex Böhm, Vorsitzender der Submariner. Seit Jahren ist der Club am Woog im Einsatz. Regelmäßig räumen die Mitglieder im Mai vor Beginn der Badesaison dort auf – laut Böhm eine ehrenamtliche Umweltschutzmaßnahme, der sich der Darmstädter Verein verpflichtet fühlt. Neben Fahrrädern und Bierfässern haben sie dabei schon Mofas, Einkaufswagen, Absperrgitter, Stühle und Fahrräder gefunden.

An der maximal 13 Meter tiefen Grube sind die Taucher jetzt zum ersten Mal im Einsatz. Entsprechend groß ist die Ausbeute: Da blinkt eine Sonnenbrille der Badesaison 2013, ansonsten aber sind die Säcke voll mit bemoostem Unrat – Eimer, Plastik-Spielzeug, Kleidung, Flaschen, Frisbeescheiben, ein kompletter Grill, ein Portemonnaie mit Scheckkarten und Geld, Angelhaken, meterweise Nylonschnüre. Die sind nicht ganz ungefährlich, schließlich könne man sich darin leicht verheddern, erklärt Böhm.

Ab drei Metern Tiefe wird es mit der Sicht schwierig, ab fünf Metern sei es rabenschwarz – ganz gleich, ob Woog oder Grube, sagt Böhm. Daher konzentrieren sich die Taucher auf den Bereich in der Nähe des Strands, wo auch die meisten Badegäste ins Wasser gehen.

Schwerelos bizarre Formen

Einen etwa 300 Meter langen Streifen haben die Taucher zwei Stunden lang abgesucht. Neun sind draußen, bei ihnen zwei Sicherheitstaucher, andere tragen Wathosen und bleiben in Ufernähe. Die Taucher sind alle guter Dinge, wenn sie aus dem Wasser kommen. Schließlich haben sie nicht nur Müll gesammelt, sondern in der Grube auch Flusskrebse, Hechte, handtellergroße Teichmuscheln und kleine Schwärme mit Fluss- und Sommerbarschen entdeckt.

„Es gibt viel mehr zu sehen, als man von außen denkt“, sagt Xenia Kuzelka. Sie sei immer wieder fasziniert von der Schwerelosigkeit und der Ruhe unter Wasser. Thomas König schwärmt von den bizarren Formen eines Baumes am Grund der Grube und den Reflektionen des einfallenden Sonnenlichts.

Nach getaner Arbeit stärken sich die Taucher und Helfer mit Hotdogs und Kuchen, es wird gefachsimpelt und am Schluss von der ganzen Gruppe ein Foto vor den Müllsäcken gemacht. „Das wird an den Verband geschickt“, sagt Böhm – um zu zeigen, dass die Submariner nicht nur zum Spaß, sondern auch für einen guten Zweck tauchen.

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