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Aufgeschreckt von Benaissa

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Kondome schützen einfach und wirkungsvoll.
Kondome schützen einfach und wirkungsvoll. © Pixelio/Tomizak

Der Prozess um die HIV-Infektion von No-Angels-Sängerin sensibilisiert für Aids: Plötzlich haben wieder deutlich mehr Männer und Frauen beim Darmstädter Gesundheitsamt einen Aids-Test machen lassen als sonst.

Der Fall Nadja Benaissa zeigt Wirkung. Die No-Angels-Sängerin hat einen Mann mit dem HI-Virus angesteckt. Ihre Infektion wurde bekannt, als sie im Frühjahr 2009 in aller Öffentlichkeit in einem Frankfurter Club festgenommen wurde. Plötzlich haben wieder deutlich mehr Männer und Frauen beim Darmstädter Gesundheitsamt einen Aids-Test machen lassen als sonst. Es scheint, als ob sich viele durch das Gerichtsverfahren um Benaissa an die Gefährlichkeit der Krankheit Aids und die hohe Ansteckungsgefahr durch Infizierte erinnert haben.

Die freiwilligen Tests werden im Gesundheitsamt anonym gemacht, die Blutproben im Labor des Klinikums untersucht. Der Test kostet 14,80 Euro, für Auszubildende und Arbeitslose ist er kostenlos. Die Zahl der Infizierten wird an das Robert-Koch-Institut in Berlin gemeldet, das seit Jahren eine deutliche Verlangsamung der HIV-Neudiagnosen feststellt. Pro Jahr werden rund 3000 neue Ansteckungen mit HIV erfasst, unverändert die größte Gruppe sind dabei homosexuelle Männer (67 Prozent), der Anteil der Personen, die eine HIV-Infektion über Drogengebrauch erworben haben, ging auf 3,5 Prozent zurück.

Viele wollen sich testen lassen

Die Testergebnisse werden niemals telefonisch, sondern immer persönlich im Gesundheitsamt übermittelt. Oft blickt Ärztin Christine Bernhard dabei in ungläubige Gesichter. „Die meisten rechnen nicht damit.“ Dann folgen Verzweiflungsausbrüche, oft fließen Tränen. Bernhard erklärt den Betroffenen, wo sie Hilfe und Unterstützung finden können: bei der Aids-Hilfe, im Klinikum und in der Uniklinik Frankfurt, in denen HIV-Patienten nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch betreut werden.

Medikamente können heute so kombiniert werden, dass Nebenwirkungen wie Durchfall oder Übelkeit gering sind. Allerdings müssen sie lebenslang gewissenhaft genommen werden. Ohne Behandlung bricht Aids nach etwa zehn Jahren aus, mit Behandlung kann ein Ausbruch manchmal ganz verhindert werden. An einem Impfstoff wird gearbeitet. Über die Gefahren ungeschützten Geschlechtsverkehrs klärt Bernhard bevorzugt Neuntklässler mit Hilfe ihres Aids-Infomobils auf. Auf spielerische Weise sollen die Jugendlichen an die Problematik herangeführt werden. Die Ärztin macht auch auf andere Geschlechtskrankheiten aufmerksam, die durch Kondome verhindert werden können. An erster Stelle nennt sie die von Bakterien verursachte Chlamydien-Infektion, die zu Erblindung und Unfruchtbarkeit führen, aber durch Antibiotika geheilt werden kann. Die Zahl der jährlichen Neuinfektionen durch ungeschützten Sex wird auf 300?000 geschätzt. ( pyp)

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