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Das Atomkraftwerk Biblis wird abgebaut. (Archivbild). Foto: Archiv
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Das Atomkraftwerk Biblis wird abgebaut. (Archivbild).

Hessen

Atomkraft: Kritik an Entsorgung von Biblis-Müll

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Der Abbau des südhessischen Atomkraftwerks Biblis geht voran. Kritik gibt es an der geplanten Entsorgung von freigemessenem Material auf Deponien in der Region.

Der Abbau des südhessischen Atomkraftwerks Biblis läuft seit 2017. Inzwischen wurden 51 Castorbehälter mit Brennstoff aus den Reaktorgebäuden in ein Zwischenlager gebracht, Hauptkühlmittelleitungen demontiert und Dampferzeuger teilweise abgebaut. Ein Schwerpunkt liegt derzeit in der Errichtung einer sogenannten „Abbaufabrik“: In Block A des Kraftwerks sollen die abgebauten Materialien behandelt und dekontaminiert werden. Das teilte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) auf eine kleine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Gerald Kummer mit. Dieser hatte sich im Oktober an das hessische Umweltministerium gewandt, um Klarheit über das weitere Vorgehen zu gewinnen.

Problematisch ist aus seiner Sicht, dass bei der Abwicklung der Anlage insgesamt 330 000 Tonnen Müll anfallen sollen, der mit radioaktiven Substanzen verunreinigt sei, aber trotzdem auf gewöhnlichen Deponien in der Region landen soll. Darunter seien alleine 270 000 Tonnen Betonabriss von Gebäuden.

Dekontamination

Das Kraftwerk Biblis hat im 2011 die Berechtigung zur Stromerzeugung verloren. Seit 2017 liegt die Abbaugenehmigung vor.

Der Abbau soll 15 Jahre dauern.


Im Zuge des Abbaus werden die Anlagenteile des Atomkraftwerks demontiert. Laut Betreiber RWE kann die noch vorhandene Strahlung des radioaktiv belasteten Inventars der Anlagen und die Anlagenteile durch Dekontamination reduziert werden.

So sollen 63 000 Tonnen Material – ohne Gebäude – abgebaut und dekontaminiert werden. Davon sollen 55 000 Tonnen als freigegebenes Material in den Wertstoffkreislauf gehen. cka

Laut Ministerin Hinz ist die Radioaktivität dieser Abfälle „so gering, dass sie entsprechend den Vorgaben der Strahlenschutzverordnung spezifisch freigegeben und nach den Regelungen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes wie regulärer Abfall auf einer Deponie entsorgt werden können“. Die Dosis liege im Bereich von 10 Mikrosievert im Jahr für Einzelpersonen, die direkt mit diesen Stoffen zu tun hätten – etwa Deponiemitarbeitende. Laut Hinz könne dieser Wert auch durch einen Flug auf die kanarischen Inseln entstehen. Die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland liege bei 1000 bis 4000 Mikrosievert.

Kummer kritisiert, dass die Grenzwerte von der Internationalen Atomenergieagentur stammten, die im Interesse der Atomwirtschaft arbeite und Risiken ausblende. Studien wiesen auf größere Gesundheitsschäden hin, als man früher genommen habe. „Die Landesregierung sollte die Sicherheit der Bevölkerung und der beteiligten Arbeiter an die erste Stelle setzen“, mahnt Kummer. Auch BUND-Atomexperte Werner Neumann kritisiert, „jegliche radioaktive Belastung stellt ein Risiko dar, das minimiert werden muss“. Die Verteilung strahlenden Materials auf Deponien und Müllverbrennungsanlagen sei das genaue Gegenteil.

Kummer befürchtet zudem, dass sich das Land aus der Verantwortung ziehen wolle. Da der für die Entsorgung zuständige Kreis Bergstraße weder über eine geeignete Deponie noch eine Müllverbrennungsanlage verfüge, müsse er nun „einen Abnehmer suchen, zu dem der strahlende Müll dann durch die Region gefahren wird“.

Der Kreis teilte der FR mit, es gehe hier um „freigemessene Abfälle (Stahl und sonstige Baustoffe), also Abfälle ohne atomrechtliche Einschränkungen“. Für die Entsorgung sei der Zweckverband Abfallwirtschaft (ZAKB) zuständig. Für den Fall, dass dieser die Entsorgung nicht sicherstellen könne, könne das Regierungspräsidium Darmstadt eingebunden werden.

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