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Asylbewerber sollen in der Disco schlafen

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Im Jugendzentrum wird ein Schlafsaal eingerichtet / „Nicht vertretbare Unterbringung“.

Empört zeigt sich Hülya Lehr über die Zwischenlösung, die in Münster für die Unterbringung von sechs aus Gießen eingetroffenen Flüchtlingen gefunden worden ist. Die Vorsitzende des Ausländerbeirats hat das Gremium deshalb für Montag, 23. März, zu einer Sondersitzung zusammengerufen.

Anlass ist die kurzfristige Umwandlung der Disco im Jugendzentrum (JUZ) zum Schlafsaal – bei fehlenden Aufenthaltsräumen, einem nächtlichen Heizungsausfall und vor allem ohne Dusche im Gebäude. „Wir sind dabei, eine mobile Dusche beizuschaffen“, versichert Olaf Salg-Burmeister, Leiter der Fachabteilung Soziales, am Freitagvormittag beim Ortstermin.

Ansonsten sei die Zwischenlösung so mit der Abteilung Zuwanderer und Flüchtlinge beim Landkreis abgesprochen. Gespräche habe es gegeben, bestätigt Kreissozialdezernentin Rosemarie Lück (SPD), aber keine Zustimmung der Fachabteilung zu einer Unterbringung in einem Gebäude ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen.

Das entspricht der Haltung des Kreises zu einem Vorschlag aus Groß-Zimmern, wo die Gemeinde das Kulturzentrum Glöckelchen offeriert hatte, das ebenfalls nicht über Duschen verfügt. Lück nennt eine solche Unterbringung „nicht vertretbar“. Dabei schien in Münster für die Menschen aus Somalia und Afghanistan zunächst eine andere Lösung gefunden – im Hotel am Rathausplatz.

Im Gespräch mit Bürgermeister Gerald Frank (SPD) stellte sich jedoch heraus, dass dies nur eine Übergangslösung sein sollte, um das JUZ für die „Rivernight“ am vergangenen Samstag offenzuhalten.

66 weitere Flüchtlinge

„Eine weitere Unterbringung im Hotel scheitert an finanziellen Fragen“, erklärte der Bürgermeister und meint damit die erhebliche Differenz zwischen dem Preis eines Hotelzimmers und dem vom Kreis akzeptierten Tagessatz für die Unterbringung. Bei Kenntnis der Vorgeschichte kommt es nicht überraschend, dass die Gemeinde Münster auf ein Provisorium zurückgreifen muss.

Frank erklärt, er habe das Problem „geerbt“. Jedenfalls waren 2014 in Münster nur 24 Flüchtlinge untergebracht – deutlich weniger, als es nach der auf die Bevölkerungszahl bezogenen Ortsquote hätten sein müssen. Und dass dieses Jahr 66 weitere Flüchtlinge hinzukommen sollen, ist seit einigen Monaten bekannt. Der private Wohnungsmarkt sei weitgehend ausgereizt, sagte Salg-Burmeister von der Fachabteilung Soziales, schon vor Monaten. Und damit war klar, dass kein Weg an einer Sammelunterkunft vorbeiführt. (eda)

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