+
Stabile Doppelstockbetten statt Pritschen stehen in der neuen Flüchtlingsunterkunft an der Staudingerstraße.

Darmstadt

Mehr Privatsphäre

Heute geht die neue Notunterkunft für Flüchtlinge in der Waldkolonie in Betrieb. Sie bietet einen höheren Standard als die bisherigen beiden.

In der Waldkolonie nimmt die Stadt Darmstadt eine weitere Notunterkunft für Flüchtlinge in Betrieb. Zu diesem Zweck ist in den vergangenen Wochen eine Industriehalle an der Staudingerstraße hergerichtet worden, in die am heutigen Dienstag zunächst 140 Menschen einziehen.

Insgesamt bietet die Halle Platz für 500 Menschen. Die Flüchtlinge, die heute kommen, waren zuvor in Wixhausen und Eberstadt untergebracht. Den vorübergehenden Leerstand im Bürgermeister-Pohl-Haus und in der Hirtengrundhalle will die Stadt für Renovierungsarbeiten nutzen. Unter anderem müssen dort die Böden erneuert werden, zudem sollen die Feld- durch Doppelstockbetten ersetzt werden.

Mit den bequemeren Betten ist auch die Halle in der Waldkolonie ausgestattet. Überhaupt biete die Notunterkunft einen höheren Standard als die bisherigen beiden, sagte Bürgermeister Rafael Reißer (CDU) am Montag. Das ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass die Stadt sich länger auf die Situation einstellen konnte. Schon im Dezember hatte das Land Hessen die Verantwortlichen darüber informiert, dass die Stadt weitere 1000 Flüchtlinge in Notunterkünften unterbringen muss. „Wir hatten genügend Zeit, die Halle vernünftig herzurichten“, sagt der künftige Leiter der Einrichtung, Tobias Soppart vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).

Das war auch nötig, denn die 4000 Quadratmeter große Gewerbehalle verfügte weder über Toiletten noch Duschen. Entsprechende Container sowie die Küche mussten erst einmal aufgebaut werden, sagte der Leiter der Darmstädter Feuerwehr, Johann Braxenthaler. Für die Arbeiten seien Fachfirmen beauftragt worden, der Aufbau gelang diesmal ohne die Hilfe von Ehrenamtlichen.

Größere Intimsphäre

Zum besseren Standard gehört, dass die Hallenbewohner mehr Platz und somit eine größere Intimsphäre haben. Zwölf Betten kommen pro Abteilung zusammen, die Nischen für Familien beziehungsweise Frauen und Kinder sind etwas größer, „damit man auch ein Kinderbett dazustellen kann“, so Soppart. Auch Rückzugsräume für Frauen und Kinder sind vorhanden, die blickdicht abgetrennt sind.

Durch den längeren Vorlauf sind beim Aufbau der neuen Unterkunft Erfahrungen eingeflossen, die die Helfer in den anderen Unterkünften gemacht haben. „Wir haben zum Beispiel mit Holzleisten die Waschbecken verstärkt“, erklärt Soppart. In der Vergangenheit seien diese schon mal runtergebrochen, weil die Menschen sich darin die Füße gewaschen haben. LED-Schläuche, die von der Decke hängen, sorgen für ein gedimmtes, warmes Licht in der Nacht.

Zudem gibt es zwei Kleiderkammern, die in den kommenden Tagen in Betrieb genommen werden sollen. Sie sind getrennt nach Kleidung für Frauen und Kinder sowie Männer. „Dadurch erhoffen wir uns mehr Ruhe und Ordnung“, sagt Soppart.

Trotz aller Verbesserungen: „Es bleibt eine Notunterkunft“, sagt Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne). Die Menschen sollen sich dort so kurz wie möglich aufhalten und rasch auf die Kommunen verteilt werden. (ers)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare