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Für die Anwohner wird es eng

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Auch in der Roßdörfer Straße stehen viele auswärtige Autos.
Auch in der Roßdörfer Straße stehen viele auswärtige Autos. © Claus Völker

Seit das Parken auf der Lichtwiese an der Technischen Universität Geld kostet, stehen immer mehr Autos in den Wohnstraßen. Anwohner haben kaum noch eine Chance, einen Parkplatz zu den Stoßzeiten zu ergattern.

Seit 1. Oktober kostet das Parken auf der Lichtwiese Geld. Damit will die Technische Universität Darmstadt Studenten und Mitarbeiter der TU an den Kosten für die Erhaltung der Parkplätze beteiligen. Nun stellen viele ihr Fahrzeug im Umfeld der Lichtwiese ab. Anwohner klagen, sie fänden tagsüber kaum noch einen Parkplatz. Von Park-Chaos keine Spur ist in der Roßdörfer Straße. Ganz ordentlich stehen die Autos vor den Ein- und Mehrfamilienhäusern. Nur wer auf die Kennzeichen sieht, ahnt die Problematik.

Untergebutterte Anwohner

Eine Stichprobe kurz vorm Breslauer Platz ergibt sieben Autos aus Offenbach, fünf aus Aschaffenburg. Vier kommen aus dem Main-Taunus-Kreis, je zwei aus dem Main-Kinzig-Kreis und dem Kreis Groß-Gerau. Auch die Bundeshauptstadt ist zweimal vertreten. Je ein Auto stammt aus Heppenheim, Kassel, Bad-Kreuznach, Friedberg und Heidelberg. Im Waldmühlenweg hat ein Autofahrer aus Simmern (Hunsrück) ein freies Plätzchen gefunden. Zwischen all diesen Auswärtigen ist ab und zu auch ein „DA“ zu entdecken. „Zwischen 11 und 17 Uhr hat keiner von uns eine Chance, hier zu parken“, klagt Claudia Walter aus der Roßdörfer Straße. Oft ragten die Autos auch halb in Einfahrten hinein. „Ich habe eine gehbehinderte Mutter. Der kann ich nicht zumuten, vom Haus zum weit entfernten Auto zu laufen, wenn wir Besorgungen machen“, sagt die 46-Jährige. Auch der Bus sei keine Alternative: „Der K-Bus ist doch immer so voll, dass da keiner mehr reinpasst.“

Jetzt, in der unwirtlichen Jahreszeit, fahre kaum ein Student noch mit dem Fahrrad, das könne sie ja verstehen. Aber die hätten doch alle ein Semesterticket und könnten den ÖPNV nutzen. „Wir Anwohner werden untergebuttert“, sagt sie bitter. Ihre Briefe an die TU und die Stadt seien unbeantwortet geblieben. Auch weiter östlich zeigt sich das gleiche Bild: Auf dem Parkplatz („Nur für Besucher des Vivariums“) dominieren auswärtige Kennzeichen: OF (fünf), F und HP (je zwei), HG, MZ, ERB, MZ, MA, KIB, WI, MA, SWA und DÜW. Kaum anzunehmen, dass deren Fahrer oder Fahrerinnen sich gerade im Vivarium Tapire und Schopfmakaken ansehen.

Stadt beobachtet Entwicklung

Auf der anderen Seite der Heinrichstraße, Richtung Botanischer Garten, parken zwar ebenfalls viele Studenten in einem abgesperrten Bereich im Wald, aber mit Parkticket der TU. Darüber wacht täglich bis 16.30 Uhr Horst Schuller, angestellt bei einem von der TU beauftragten Unternehmen. Ein Dauerjob ist das nicht: „Demnächst soll hier eine Einfahrtschranke installiert werden. Dann bin ich weg.“

Auch westlich der Lichtwiese zeigen sich Auswirkungen der neuen Parkregelung. „Unser Parkplatz vor der Schule ist voller als sonst. Aber es gibt kein Chaos“, berichtet eine Sekretärin des Georg-Büchner-Gymnasiums, „wenn man sich die Kennzeichen ansieht, weiß man schon, wer da parkt.“ Wie zum Beweis entsteigen drei junge Frauen einem Auto und marschieren Richtung TU. Die Stadt macht geplagten Anwohnern wenig Hoffnung. Nach Auskunft des Bürger- und Ordnungsamts wurde seit Mitte Oktober im Bereich der Lichtwiese mit Handzetteln darüber informiert, dass dort jetzt eine Parkscheinpflicht bestehe. Seit Anfang November gebe es gebührenpflichtige Verwarnungen.

Die Kommunalpolizei kontrolliere verstärkt im Umfeld der Lichtwiese, aber, so teilt die Behörde mit: „Solange das Parkverhalten StVO-konform (Straßenverkehrsordnung, d. Red.) erfolgt, gibt es für das Bürger- und Ordnungsamt keinen Anlass, auf eine Änderung der Situation zu drängen.“ Der Magistrat, sagt die städtische Pressesprecherin Eva Bredow-Cordier, werde die Auswirkungen der TU-Parkraumbewirtschaftung auf andere Stadtquartiere in den nächsten Monaten genau beobachten und gegebenenfalls dort Zonen für Anwohnerparken einrichten. (ryp)

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