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Anwohner in Nieder-Ramstadt fürchten mehr Verkehr

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Von: Claudia Kabel

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Das Haus Arche soll weichen - seine Bewohner dürfen in schönere Kleinwohnungen umziehen.
Das Haus Arche soll weichen - seine Bewohner dürfen in schönere Kleinwohnungen umziehen. © Michael Schick

Die Nieder-Ramstädter Diakonie regionalisiert ihre Wohnangebot für Menschen mit Behinderung. Doch das stößt auf Gegenwind bei den Anwohnern.

Es hat was von Anstalts-Ambiente: lange Flure, an denen sich Einzelzimmer aufreihen. Dunkle Gemeinschaftssanitärräume, die kaum Intimsphäre bieten. Ein gemeinsamer Essraum, in dem einige Bewohner gerade ihren Kaffee einnehmen. 80 Menschen mit Behinderung leben im mehrstöckigen Haus Arche auf dem Zentralgelände der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD). Wenn es nach dem Willen der NRD geht, soll das Gebäude aus den 80er Jahren, als eines von mehreren in der Mühltal-Kommune Nieder-Ramstadt (Kreis Darmstadt-Dieburg), in den nächsten Jahren verschwinden. Denn die NRD hat sich im Rahmen der Inklusion zum Ziel gesetzt, die Unterbringung in Wohnheimen bis in 20 Jahren zu beenden, wie der geschäftsführende Vorstand Christian Fuhrmann der FR sagte.

Im Zuge der Regionalisierung der Wohnangebote werden kleine dezentrale Wohngemeinschaften aufgebaut und Single- bis Vierer-Wohnungen angeboten. „Man hat beobachtet, dass Menschen mit Handicap selbstständiger werden, wenn sie nicht mehr unter Vollversorgung leben“, so Fuhrmann. 50 solche Standorte in 17 Kommunen im Rhein-Main-Gebiet und Südhessen betreibt die NRD bereits. Von den einst 600 Bewohnern der „Heime“, die bis in die 70er Jahre noch von Mauern und Zäunen abgegrenzt lebten, sind noch 200 übrig. Auch sie sollen in den kommenden zehn Jahren sukzessive umziehen.

Doch um das dadurch frei werdende 7,7 Hektar große Gelände tobt seit Monaten ein Streit. Die NRD plant ein Wohngebiet mit Reihenhäusern, Doppelhäusern, Wohnhöfen und Einfamilienhäusern für insgesamt 600 Einwohner. Auch ein Kindergarten und Spielplätze sind vorgesehen. Die Gemeinde Mühltal steht hinter den Plänen für das Wohngebiet Dornberg. Die Kosten für die Umgestaltung trägt die Stiftung.

Kritik von Anwohnern

Doch manche Anwohner sehen das Projekt kritisch, weil sie fürchten, dass nicht-behinderte Einwohner mehr Verkehr verursachen als behinderte. Die Gemeinsame Initiative zur Vermeidung von Verkehr (GIVV) regte einen Bürgerentscheid dagegen an, der allerdings im Dezember wegen Formfehlern abgelehnt wurde. Dagegen hat die Initiative jetzt Einspruch eingelegt. Die Anwohner fürchten auch, dass durch Baufahrzeuge Straßen zerstört werden, und fordern eine Entlastungsstraße auf Kosten der NRD. Außerdem kritisieren sie, dass sich die Stiftung, der das Gelände gehört, am Grundstücksverkauf bereichern könnte, weil durch neues Baurecht die Preise steigen würden. Dagegen setzt der externe Projektplaner Martin Bullermann: Von klassischem Planungsgewinn könne man nicht reden. „Wenn am Ende Geld übrig bleibt, braucht die NRD es, um ihr Regionalisierungsprojekt umzusetzen.“

Fuhrmann betonte, dass auch Menschen mit Behinderung Verkehr erzeugen. Ein Gutachten zeige, dass man weit unter der Belastungsgrenze bleibe. Aber man nehme die Kritik ernst und wolle die Bürger weiter informieren. Eine Arbeitsgruppe beschäftige sich zudem derzeit mit der Frage, ob die Einrichtung einer Baustellenstraße sinnvoll wäre. Derzeit läuft das Bauleitplanverfahren.

Am Sonntag sind in Mühltal Bürgermeisterwahlen, und es wird spannend, ob sich der Konflikt dabei auswirken wird. Der einzige von fünf Kandidaten, der sich gegen das Vorhaben wendet, ist Christoph Zwickler von der Wählergemeinschaft Fuchs. Thomas Hölscher (CDU), Katharina Ebert (SPD), Willi Muth (FDP) und Falko-Holger Ostertag (Die Mühltaler) sind für die Pläne.

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