Vorfälle in Darmstadt

"Antiziganismus reicht weit in die Gesellschaft hinein"

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Die Stadt Darmstadt reagiert mit einer Stellungnahme auf rassistische Vorfälle an der Gutenbergschule im Stadtteil Eberstadt. Der Schulleiter geht derzeit entsprechenden Hinweisen nach.

Die Darmstädter Stadtverwaltung hat auf den Vorwurf antiziganistischer Vorfälle an der Gutenbergschule im Stadtteil Eberstadt reagiert. Stadtsprecher Klaus Honold teilte auf Anfrage mit, rassistische Vorurteile, Stigmatisierungen oder Benachteiligungen seien „leider trotz unserer weitreichenden Bemühungen auch in unserer vielfältigen und weltoffenen Stadt immer noch vorhanden“. Die Stadt sei sich ihrer Verantwortung „vollkommen bewusst“.

In der vorigen Woche hatte Schulleiter Andreas Stüber im Haus eine Ausstellung zum Thema Sinti und Roma eröffnet. Dabei hatte er durch die FR davon erfahren, dass es offenbar im Lehrerkollegium der Schule Ressentiments gegenüber Sinti und Roma gibt. Ein ehemaliger Schüler hatte ihm daraufhin am Rande der Veranstaltung berichtet, dass er vor Jahren von einem Lehrer als Strafe für ein Fehlverhalten gedrängt worden sei, die Schultoilette zu putzen. Er vermutet, dass die Strafe mit seiner Sinti-Zugehörigkeit zusammenhing. Die Mutter des Ex-Schülers ergänzte, sie sei damals von einem Lehrer stets mit dem Nachnamen einer anderen Familie aus Eberstadt angesprochen worden, obwohl sie den Mann auf ihren richtigen Namen hingewiesen habe.

Schulleiter Stüber geht diesen Vorwürfen derzeit nach. Stadtsprecher Honold erinnert derweil daran, dass es in Darmstadt auch positive Entwicklungen gebe: So sei die Verfolgung und der Völkermord an Sinti und Roma in der NS-Zeit „Teil der Erinnerungsarbeit und des Gedenkens“. Die Mahnmale in der Stadt seien „ein öffentlich sichtbares Zeichen hierfür“. Hier habe der Landesverband der deutschen Sinti und Roma „Pionierarbeit geleistet“, mit dem die Stadt seit mehr als zwei Jahrzehnten „eine verlässliche und ausgezeichnete Partnerschaft“ habe. Andererseits, so Honold, sei Antiziganismus als besondere Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nicht nur in rechtsextremistischen Kreisen zu beobachten, sondern reiche weit in die Gesellschaft hinein. Dies sei auch im Rahmen der Vernissage vergangene Woche an der Gutenbergschule thematisiert worden.

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