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Anti-Werbung im Wald

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Das rote S auf weißem Grund wird künftig weniger nach dem Sparkassen-Logo aussehen.
Das rote S auf weißem Grund wird künftig weniger nach dem Sparkassen-Logo aussehen. © Claus Völker

Förster Müller ist sauer: Ein unbekannter Aktivist stört sich am Sparkassen-Sponsoring und übermalt deshalb im Darmstädter Wald reihenweise Wanderweg-Symbole.

Rosenhöhe, Dachsberg, Dommerberg, Herrgottsberg, Ludwigshöhe, Marienhöhe, Prinzenberg: Darmstadt hat eine stattliche Zahl an Hügeln zu bieten, was auch Wanderer schätzen. Besonders beliebt ist der Sieben-Hügel-Steig, ein gut zwölf Kilometer langer Wanderweg vom Ostbahnhof bis zur Wartehalle in Eberstadt.

Seit Monaten aber häufen sich Beschwerden beim Forstamt und beim Odenwaldklub: Die Schilder mit dem roten Sparkassen-Logo als Erkennungszeichen sind unleserlich, mal mit schwarzer Farbe übermalt oder an Laternenpfählen übersprüht. „Das ist unglaublich ärgerlich“, sagt Hartmut Müller, Leiter des Forstamts Darmstadt, das den Weg pflegt.

Auch Fritz E. Müller, langjähriger Wegewart des Odenwaldklubs und derzeit zuständig für die Beschilderung des Sieben-Hügel-Steigs, ist sauer: „Es ist eine Wahnsinns-Arbeit, das wieder in Ordnung zu bringen.“ Immerhin gibt es 220 Markierungen auf dem gut zwölf Kilometer langen Weg, die dem Wanderer zeigen, wo es langgeht. „Das kostet einen Haufen Geld“, sagt Fritz E. Müller. „Und es ist nicht der einzige Wanderweg, um den wir uns kümmern.“ Rund 15?000 Kilometer Wanderwege hält der Odenwaldklub in Ordnung. Ohne Ehrenamt und Sponsoren, betont Müller, „läuft das nicht“.

Der unbekannte Täter ist seit längerer Zeit aktiv, und Wegewart Müller hat mit Unterstützung seiner Frau schon diverse Male Markierungen ausgebessert. „Jetzt aber müssen alle Zeichen komplett erneuert werden“, sagt er. Finanziert wird die Aktion von der Sparkasse Darmstadt, die sich laut Peter Lehr „dem Vandalismus beugt“. Es sei das erste Mal, dass auf Sponsoring so reagiert werde. „Das Zusammenspiel von Wald und Werbung ist jemandem wohl ziemlich aufgestoßen.“ Die Sparkasse zahlt auch den Druck der rund 10?000 Flyer als Routeninfo. „Diese Tour ist unser Spitzenreiter“, sagt Müller.

220 Markierungen übersprüht

Auch künftig soll der Weg an einem roten „S“ auf weißem Hintergrund zu erkennen sein; darunter steht der Schriftzug des Odenwaldklubs. Allerdings fehlt den neuen Symbolen der ansonsten übliche Sparkassen-Punkt auf dem „S“. Hätte man darauf nicht schon bei der ersten Beschilderung verzichten können? „Nein“, sagt Fachmann Fritz E. Müller. Das einfache „S“ sei bereits belegt gewesen und habe den Alemannenweg bezeichnet. Dieser ist Teil des Odenwald-Schmetterlings – einer 120 Kilometer lange Wanderschleife im nordwestlichen Odenwald. Da dieser nun eine neue Markierung bekomme, kann der Odenwaldklub auf das schlichte „S“ zurückgreifen. „Das stört den Täter hoffentlich nicht,“ sagt Forstamtsleiter Müller.

Sein Amt hat inzwischen Anzeige gegen unbekannt erstattet, schließlich seien die Bäume beschädigt und deren Rinde zerkratzt. Auch werden die Wege stärker überwacht und Spaziergänger aufgefordert, sich sofort beim Forstamt zu melden, wenn ihnen etwas auffällt.

Vor knapp vier Jahren haben das Forstamt, der Odenwaldklub und die Sparkasse den Weg eingeweiht. Die sieben Hügel erschließen drei Naturräume: das wiesenreiche Messeler Hügelland, die Vorberge des Odenwalds und die Vordere Bergstraße. Den Weg muss Fritz E. Müller nun Stück für Stück langsam abmarschieren. Am Mittwoch legt er los, im Werkzeugkasten hat er Pinsel, Aufkleber, Schablonen, Drahtbürsten, Schaber und Farbe. ( an)

Einen Flyer mit Karte und Infos zum Sieben-Hügel-Steig gibt es beim Forstamt, Ohlystraße 75, Telefon 06151/40910.

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