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Ansturm auf Weihnachtsbäume

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Gesucht: der perfekte Baum.
Gesucht: der perfekte Baum. © Claus Völker

Das Forstamt Darmstadt hat die Zahl der Verkaufsstellen von Weihnachtsbäumen verringert. Am Samstag waren viele Kunden sauer.

Sabine Waldmann stapft am Samstagmorgen zielstrebig durch den Matschboden. Am Ziel angekommen setzt kurz Ernüchterung ein: „Ist ja nicht mehr viel da“, stellt sie mit Blick auf ein äußerst spärliches Weihnachtsbaumangebot am Forsthaus Hirschköpfe in Darmstadt fest. Gerade mal ein Dutzend Fichten oder Tannen lehnt noch an den Geländerreihen, die sich sonst um diese Zeit noch voll präsentierten.

Wie das kommt? „Wie blöde verkauft“, habe man schon am Freitag, sagt Revierförster Peter Fischer. „Der Run war noch nie so groß.“ Der Grund: „Es gibt nur noch eine Verkaufsstelle.“ Das Pendant am Böllenfalltor, das Forsthaus des Bessunger Reviers, ist verkauft worden und somit geschlossen. Peter Fischer ist dieses Jahr hierher ins Kranichsteiner Forstrevier umgezogen.

Das gefällt nicht jedem: „Da sind wir vom Böllenfalltor anderes gewöhnt, als die drei Bäume“, schimpft ein Seniorenpaar im Vorbeigehen. „Das erste Mal seit Jahren müssen wir unseren Baum mit dem Auto holen!“

Transport im Bus

Sabine Waldmanns Baumkauflaune aber kann das nicht trüben. Schnell hat sie sich eine mittelgroße Fichte ausgesucht. „Ich finde das schön, Bäume aus dem heimischen Forst zu haben“, sagt die Darmstädterin, die Weihnachten im Kreise der Großfamilie mit vielen Kindern feiert. „Das Schmücken des Baums am 24. gehört für mich einfach zum Ritual.“ Und zwar unbedingt mit richtigen Kerzen.

Familie Obst greift da lieber auf Lichterketten zurück. Aber ein Baum vom Förster muss es auch bei ihnen sein. „Hier, der ist gut“, findet Merlin (7). „Der ist zu hoch, der passt ja gar nicht bei uns rein“, winkt Vater Michael ab und schlägt einen niedrigeren vor. Merlin ist einverstanden. „Ja, den nehmen wir.“

Peter Fischer wirft die Kettensäge an und macht sich damit am Stamm des Familie-Obst-Baums zu schaffen. Es knattert und die Äste, die den Vater eben noch gestört haben, sind weg.

„Gut so?“, fragt der Förster, als er wieder absetzt. „Ja, so ist er ganz toll.“ Und jetzt passe er auch besser ins Auto rein – ein Kriterium, das der kapitale Kandidat der nächsten Kundin nicht erfüllen muss: Sie nimmt den Bus und trägt die frisch erstandene Tanne ganz locker zur Bushaltestelle vorne an der Dieburger Straße.

Viele Sturmschäden

Der Baumbestand ist mittlerweile auf unter zehn Stück zusammengeschrumpft, und es kommen weiterhin Kaufwillige. „Es heißt nicht, dass das so bleibt“, kommentiert Peter Fischer das reduzierte Angebot. Von ursprünglich vier Verkaufsstellen ist nur noch diese eine übrig. Denn es sei viel Personal abgebaut worden, „und es ist nun mal ein Tag mehr, den wir arbeiten müssen“. Zudem hätten sie sich in der jüngeren Vergangenheit erst einmal um die schweren Sturmschäden kümmern müssen. Und ein Baum brauche nun mal sieben, acht Jahre, bis er so weit sei. Doch künftig wolle er sich wieder verstärkt der Weihnachtsbaumerzeugung widmen.

Die Nachfrage werde nämlich nicht weniger. Das stellt sich für Dieter Olt einige Kilometer durch die Stadt auf dem Marienplatz anders dar. Seine Familie verkaufe schon seit 40 Jahren Weihnachtsbäume an dieser Stelle, erzählt der 71 Jahre alte Breitenbrunner, doch von ursprünglich zehn Anbietern auf dem Platz gegenüber des Staatstheaters sei mittlerweile nur noch er übrig. „Es wird immer weniger.“ Die Bau- und Supermärkte machten ihnen Konkurrenz – trotz seiner großen Auswahl an Hunderten Bäumen aus dem Odenwald, Spessart und Sauerland von der Fünfmeterfichte bis zur Mini-Tanne. (aw)

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