Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Lange Nacht der Kirchen

Ansturm auf die Gotteshäuser

Mit fast 14 000 Menschen stellt die vierte Lange Nacht der Kirchen einen Besucherrekord auf. An 41 Orten gab es Konzerte, Lesungen, Führungen, Theaterstücke, Andachten, Gottesdienst und Abendmahl.

Von Sebastian Weissgerber

Aus der Südostgemeinde dringt lautes Klatschen auf die Straße. "Zugabe, Zugabe, Zugabe", brüllen junge Stimmen hinterher. Dann setzen Schlagzeug, Gitarre, Trompete und Saxophon ein. "Ska, Ska, Ska - all we need is Ska", rockt ein junger Mann auf der Bühne. Vor der achtköpfigen Formation springen ein Dutzend Teenager auf und ab.

In dem Gemeindesaal haben sich noch etwa 50 Erwachsene auf die Stuhlreihen verteilt, manche Wippen mit, einige schauen amüsiert, oder vielleicht auch befremdet auf die Szene am Freitagabend um 23 Uhr in einem Haus Gottes.

Die Hausherrin bewegt sich in der Ecke zum Rhythmus. Renate Kluck trägt Jeans und lila Bluse, nur ein Kreuz um ihren Hals deutet darauf hin, dass sie die Gemeindepfarrerin ist. "Die Dienstkleidung brauche ich heute nicht, das ist ein Konzert und kein Gottesdienst", sagt Kluck. Die Kirche sei "ein Ort, der für viele Veranstaltungen geeignet ist, und dafür wollen wir ihn auch öffnen". Ein gewisser Missionsgedanke steht natürlich auch dahinter: "Viele von den jungen Leuten sieht man ja im Gottesdienst nicht, aber zum Konzert kommen sie und das freut uns", sagt Kluck.

Aber dass man dann gleich laute Rockmusik in eigentlich heiligen, spirituellen Räumen dröhnen lassen muss? Nein, sagt Kluck, ihre Seele würde sie natürlich nicht verkaufen, nur um ein paar Schäfchen dazu zu gewinnen. "Aber die Musik gefällt uns, und da haben wir uns das einfach gegönnt."

In der Ska-Band "Skaya" spielen nämlich die beiden Söhne des Pfarrerehepaares, Florian und Jan Phillip, mit, erklärt Thomas Kluck. Und vielleicht kommen die auch nicht immer zum Gottesdienst, ihre Mutter findet es jedenfalls in Ordnung, wenn junge Menschen der Kirche sonntags fern bleiben, aber Freitagnacht dort feiern gehen.

"Der traditionelle Gottesdienst ist halt nicht an Jugendliche gerichtet, aber dass muss ja auch nicht sein, die Zielgruppe ist eben eine andere", sagt Renate Kluck. Wichtiger sei, "dass die Leute das Gefühl haben, die Kirche ist offen für viele Stimmen". Thomas Kluck fügt hinzu: "Die Nacht der Kirchen ist ein Geschenk der Kirchen an die Stadt."

Das Präsent haben am Freitagabend von 19 bis 1 Uhr knapp 14 000 Besucher angenommen. In Darmstadt, Nieder-Beerbach und Malchen boten in dieser Zeit 41 evangelische, katholische, freikirchliche, ökumenische und orthodoxe Kirchen Konzerte, Lesungen, Führungen, Theaterstücke, aber auch das Kerngeschäft mit Andachten, Gottesdienst und Abendmahl an.

Bei der ersten Nacht der Kirchen im Jahr 2006 kamen noch etwa halb soviel Besucher, aber auch im Vergleich zum Vorjahr kam ein knappes Drittel mehr Menschen. "Das stetige Wachstum zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und den Menschen etwas bieten, was sie suchen und was ihnen gut tut", teilte der Projektleiter Bernd Lülsdorf von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Darmstadt (ACK). Am meisten Besucher verzeichnete übrigens die Ludwigskirche auf dem Wilhelminenhügel mit 1700 Menschen.

Und die Ska-Fans in der Südostgemeinde liegen auch nicht alle am Sonntagmorgen im Bett. "Wir gehen jeden Sonntag in die Kirche, freiwillig", erklären Jessica (16) und Yordi (15) aus der Freien evangelischen Gemeinde. Und auch deutlich älteren Besuchern gefällt die schnelle Ska-Musik. Gitta Emrich ist sogar extra dafür hergekommen. "Ich mag das, trotz meines Alters von 61."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare