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Anhaltende Hitze und Wassermangel wird zum Problem für Fische

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Von: Claudia Kabel

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Klaus Gallin, ein Mitarbeiter der Deichmeisterei Biebesheim, kontrolliert eine solarbetriebene Umwälzanlage auf dem Lampertheimer Altrhein.
Klaus Gallin, ein Mitarbeiter der Deichmeisterei Biebesheim, kontrolliert eine solarbetriebene Umwälzanlage auf dem Lampertheimer Altrhein. © Markus Feil/RP Darmstadt

Die Lebewesen im Lampertheimer Altrhein leiden unter Sauerstoffmangel. Grund sind hohe Temperaturen und ein niedriger Rheinpegel. Die Umwälzanlagen schaffen kaum noch Abhilfe.

Weil der Pegel des Rheins derzeit mit 1,44 Meter sehr niedrig ist und die Lufttemperaturen anhaltend hoch sind, bekommen Fische und andere Flusslebewesen in den Altrheinarmen Sauerstoffprobleme. Vor allem betroffen ist der Lampertheimer Altrhein – ein Nebenfluss des Rheins im Kreis Bergstraße. Durch den niedrigen Wasserstand fließt kein Frischwasser aus dem Rhein mehr zu – das Wasser steht wie in einem See. Dadurch bilden sich Algen und Faulschlamm, was zu extremem Sauerstoffmangel führt.

„Man riecht schon die aufsteigenden Faulgase“, sagt Manfred Feil, Projektleiter Unterhaltungsmaßnahmen an den hessischen Altrheinarmen vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt im Telefonat mit der Frankfurter Rundschau. Er ist am Donnerstag mit seinem Kollegen Klaus Gallin von der zum RP gehörenden Deichmeisterei aus Biebesheim (Kreis Groß-Gerau) im Schlauchbot hinaus gefahren, um Wasserproben zu nehmen. Nach acht Messungen auf eineinhalb Kilometern kann er für den Moment Entwarnung geben: Der Sauerstoffgehalt liegt bei sechs Milligramm pro Liter Wasser. „Wenn er unter vier fällt, wird es kritisch.“ Bei unter zwei Milligramm sterben Fische, Krebse und Muscheln. Optimal wäre ein Gehalt von acht Milligramm pro Liter.

Dass es im Augenblick ganz gut aussehe, liege daran, dass die beiden vergangenen Tage etwas kühler gewesen seien und dass es windig war. Nächste Woche jedoch, wenn Temperaturen von 35 bis 40 Grad angekündigt seien, könne sich die Situation wieder verschlechtern.

2018 hatten die Anglerinnen und Angler am Lampertheimer Altrhein frühzeitig Alarm geschlagen, weil Fische an die Oberfläche kamen, um nach Luft zu schnappen, berichtet Feil. Das RP habe mit dieselbetriebenen Wassersprudlern interveniert und ein Fischsterben verhindert. 2019 jedoch sei man zu spät gewesen. Zudem sei der Betrieb von Dieselmotoren wegen des Gestanks und Geräuschs in einem Naturschutzgebiet nicht sinnvoll und auch zu teuer.

Deshalb hat das RP 2020 vier solar betriebene Zirkulationsanlagen angeschafft. Diese schwimmen auf der Oberfläche, saugen Wasser an und geben es angereichert mit Sauerstoff wieder hinein. Über Solarzellen laden sie ihre Batterie tagsüber auf und können rund um die Uhr eingesetzt werden. Langfristig werde es jedoch immer wieder zu Fischsterben kommen, sagt Feil. „Es fehlt einfach Wasser.“ Früher seien Hitzeperioden nicht so lange gewesen. Man habe Sprudelanlagen nur wenige Wochen einsetzen müssen. „Auch die Temperatur im Fluss mit derzeit 24,6 Grad Celicius belastet zusätzlich“, so Feil. Die „wirklich kritische Phase“ erwartet er im August. Wenn die Außentemperaturen vier Wochen lang über 30 Grad lägen, könne sich das Wasser nicht mehr abkühlen, Algen würden dann absterben und zu weiterem Sauerstoffmangel führen. Während Fische an die Oberfläche zum Luftschnappen schwimmen könnten, sei dies für weniger mobile Lebewesen wie Krebse, Muscheln oder Insekten am Grund nicht möglich.

Gegensteuern könne man dann aber auch nicht mehr mit den Umwälzanlagen, da sie bereits auf 90 Prozent laufen würden, sagt Feil. Bei 100 Prozent Leistung müsste man täglich zur Steuerung hinausfahren, um ein Leerlaufen der Akkus zu verhindern.

Insgesamt gibt es sechs Altrheinarme im Zuständigkeitsbereich des RP Darmstadt: Bei Stockstadt und Erfelden am Kühkopf, bei Ginsheim und Trebur (alle Kreis Groß-Gerau) sowie bei Lampertheim und Groß-Rohrheim (Kreis Bergstraße). Das Naturschutzgebiet Lampertheimer Althrein ist mit einer Fläche von 525 Hektar eines der größten in Hessen.

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