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Angst vor steigenden Mieten

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Die Stadt will 700 Wohnungen an den Bauverein verkaufen. Die Bewohner sind verunsichert: Sie klagen über mangelnde Information und Beteiligung und fürchten höhere Mieten.

Edith Humeau ist beunruhigt, und ihre Befürchtungen konnten mit der Zeit nicht zerstreut werden. Seit 35 Jahren lebt die Martinsviertlerin in einem städtischen Altbau in der Eckhardtstraße. Sie lebt dort gerne, gut und günstig, wie sie findet. Umso mehr bangt sie um ihre Zukunft, denn ihre Wohnung gehört zu den 700 in Darmstadt, die an den Bauverein verkauft werden sollen. Und Humeau weiß immer noch nicht genau, was das für Mieter wie sie nach sich zieht.

Mieter fordern Mitsprache

„Die Stadt ist eine gute und faire Vermieterin“, lobte sie bereits im März in einem Schreiben an den Magistrat, in dem sie im Namen aller Hausbewohner ihre Verunsicherung ausdrückte. Erst aus der Zeitung habe man von den Verkaufsplänen erfahren und seither nichts weiter gehört. „Wir wünschen uns mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung.“

Neun Monate später ist die Enttäuschung im Hause Humeau größer geworden. „Das ist nicht die Bürgerbeteiligung, die ich mir vorstelle“, klagt Humeau. Seit März hätten sie auf vier Anfragen zu einer Informationsveranstaltung nur eine für sie unbefriedigende Antwort von Baudezernentin Brigitte Lindscheid (Grüne) erhalten.

Auch ein Gespräch beim Bauverein, zu dem Vorstandsvorsitzender Hans-Jürgen Braun sie eingeladen habe, sei wenig ertragreich gewesen. „Es sagte, ,Sie müssen mit der Stadt als Eigentümer sprechen’“, berichtet Humeau. Wenn der Bauverein erst gekauft habe, sei es mit der Aushandlung vorbei.

„Uns ist klar, dass wir gegen den Verkauf nichts machen können“, sagt Humeau, die mit „wir“ die von ihr gegründete Mieterinitiative meint. Aber sie forderten, dass Bewohner ihre Vorstellungen in die Verhandlungen einbringen können und beispielsweise auch ein Mitspracherecht über mögliche Sanierungen erhalten.

100 Quadratmeter für 625 Euro

„Die beste Sanierung nützt nichts, wenn man danach nicht mehr darin wohnen kann“, findet Humeau, die für 100 Quadratmeter derzeit 625 Euro plus Strom und Heizung zahlt. Sie hat Angst, dass die Mieten steigen und für manche nicht mehr bezahlbar sind. Schließlich habe die städtische Tochter auch andernorts schon nach Übernahme von Wohnungen Preise angepasst und somit erhöht. Oder an Dritte weiterverkauft. Auch seien die Betriebskosten in Bauvereinswohnungen teurer als in städtischen. Und nicht zuletzt stehe auch der Kundenservice stets in der Kritik.

„Es gibt viele Fragen und Gerüchte“, wirft eine Nachbarin und Mitstreiterin ein. Aber die Stadt reagiere nicht. „Als wäre es ihr egal, dass die Menschen Sorgen haben.“ Nicht hinnehmbar von einer Stadtregierung, die sich mehr Transparenz auf die Fahnen geschrieben habe. „Das ist ein Thema, das die ganze Stadt betrifft.“ (aw.)

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