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Angst vor Insektenplage

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Die Westwald-Allianz befürchtet, dass die Baumfällarbeiten vor allem Vögel verscheucht haben.
Die Westwald-Allianz befürchtet, dass die Baumfällarbeiten vor allem Vögel verscheucht haben. © Hirtz

Naturschützer kritisieren den späten Holzeinschlag im Darmstädter Westwald. Sie befürchten, Schädlinge wie der Borkenkäfer könnten sich im Holz einnisten und Bäume schädigen. Das Forstamt beschwichtigt.

Naturschützer kritisieren den späten Holzeinschlag im Darmstädter Westwald. Sie befürchten, Schädlinge wie der Borkenkäfer könnten sich im Holz einnisten und Bäume schädigen. Das Forstamt beschwichtigt.

Im Bezirk Maitanne im Darmstädter Westwald, an der Kreuzung von Mühlweg und Forstschneise, ist das Rauschen der nahen Autobahn deutlich zu hören. Beschirmt durch einzelne mächtige Kiefern stehen dort überwiegend Buchen, die allerdings kein übermäßig eindrucksvolles Bild abgeben. Das Problem der Wasserversorgung angesichts des abgesunkenen Grundwasserspiegels ist ihnen anzusehen.

Mehr Sorgen machen den Vertretern der Westwald-Allianz aktuell die Folgen des Holzeinschlags: Er ist in diesem Abschnitt erst vor wenigen Tagen beendet worden – also lange nach Beginn der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere, während der Privatleute in ihren Gärten keine Bäume mehr fällen dürfen.

Harzgeruch als Lockstoff

Nicht nur der Holzeinschlag selbst, auch der damit verbundene Lärm schade der Tierwelt, erklärt Michael Weintke von der Allianz. „Die Vögel hören mit dem Nestbau auf oder verlassen ihre fertigen Nester, dann geht die Brut kaputt.“ Durch den Rückzug ihrer natürlichen Feinde vermehrten sich wiederum verstärkt Insekten.

Dafür sorge noch ein weiterer Faktor, warnt Weintke: Der Harzgeruch, der von den Schnittstellen der gefällten Bäume und von den Schadstellen, die sie beim Stürzen an benachbarten Bäumen verursacht haben, ausgeht.

Tonnenweise Kiefernholz ruht zersägt und entastet entlang der Waldwege gestapelt. Aber viele Stämme liegen noch kreuz und quer dort, wo sie gefällt wurden. „Alles kleine Insektenhotels. Holzbrütende Schädlinge wie der Große und Kleine Waldgärtner, Angehörige der Borkenkäfer-Familie, lassen sich vom Harz anlocken“, sagt Weintke. „Beide neigen zur Massenvermehrung.“

Droht also im Sommer eine Schädlingsplage im Westwald? Aus Sicht der Allianz-Mitglieder wurden gesunde Bäume aus wirtschaftlichen Erwägungen geschlagen. Norbert Schneider betont den Wert des Westwalds als Schutzwall der Stadt vor Staub und Luftschadstoffen, die der vorherrschende Westwind aus dem Ried und von den Autobahnen heranträgt. Die Waldschützer möchten wissen, ob die gefällten Bäume liegenbleiben und ob vorbeugend Schädlingsfallen aufgestellt werden.

Dazu sehe er keinen Anlass, erklärt auf Anfrage der Leiter des Darmstädter Forstamts, Hartmut Müller. „Es gibt keine Anzeichen für eine Massenvermehrung des Borkenkäfers.“ Es stimme auch nicht, dass die Schädlinge durch Harzgeruch angelockt würden.

Nach Müllers Darstellung waren die Baumfällarbeiten – erfolgt im Auftrag des Waldeigentümers, nämlich der Stadt Darmstadt – „ganz normale, sehr sanft ausgeführte Durchforstungsmaßnahmen. Wir haben absterbende Kiefern entnommen, um die vitalsten Bestände zu schonen und durch Wegnahme von Konkurrenz zu fördern“.

Die liegenden Stämme sähen zwar recht gesund aus, doch die Kronen seien abgestorben gewesen. Die verbliebenen Bäume könnten nun ein größeres Wurzelsystem ausbilden und seien dadurch widerstandsfähiger gegen Schädlingsbefall. Die geschlagenen Stämme würden noch aus dem Wald geholt, wenn der Boden getrocknet sei, kündigt Müller an. Alle seien bereits verkauft, die Einnahmen im Wirtschaftsplan der Stadt vermerkt.

Was den späten Zeitpunkt des Einschlags betrifft, verweist der Forstamtsleiter auf das Bundesnaturschutzgesetz: Die zeitliche Begrenzung solcher Arbeiten gelte nicht für die professionelle Forstwirtschaft. Man versuche, Fällarbeiten auf die Wintermonate zu beschränken, das sei aber wegen der Witterung in diesem Jahr nicht ganz einzuhalten gewesen. Immerhin: „Die Erntemaßnahmen im Westwald sind jetzt abgeschlossen.“ (bad.)

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