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Angriff auf die Männerdomäne

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Julia Blome und Lina Hofmann (von links) sind eingefleischte Motorradfahrerinnen.
Julia Blome und Lina Hofmann (von links) sind eingefleischte Motorradfahrerinnen. © Hans Dieter Erlenbach

Die Hochschule Darmstadt will Frauen in technische Berufe bringen und macht ihnen deshalb gemeinsam mit Unternehmen aus Südhessen ein besonderes Angebot.

Julia Blome aus Nieder-Beerbach ist ein Mathe-Genie. Der Umgang mit Zahlen macht ihr Spaß. Doch wie kann sie ihr Talent zum Beruf machen? Mit Mathematik alleine, das weiß die Abiturientin aus dem Schuldorf Bergstraße, ist beruflich kaum ein Blumentopf zu gewinnen. Da muss noch irgend etwas anderes dazu. Doch was? Diese Frage hat sich die begeisterte Motorradfahrerin immer wieder gestellt.

Die Antwort könnte sie ab Oktober finden. Denn sie gehört zu jenen Bewerberinnen, die ein in Hessen bisher einmaliges Angebot der Hochschule Darmstadt nutzen wollen. Gemeinsam mit Unternehmen aus Südhessen will die Hochschule mithelfen, den Frauenmangel in technischen Berufen zu beseitigen. Sie bietet deshalb sieben jungen Frauen die Chance, ein halbes Jahr lang an vier Tagen in der Woche in zwei Firmen (jeweils drei Monate pro Firma) in technische Berufe hineinzuschnuppern und jeweils mittwochs den Studienalltag für technische Berufe in der Hochschule kennenzulernen.

Auch Lina Hofmann aus Seeheim-Jugenheim, die ebenfalls das Schuldorf Bergstraße besuchte, will diese Orientierungsmöglichkeit nutzen. „In der Schule lernt man die Grundkenntnisse, aber es fehlen Einblicke in die Berufspraxis.“

Eines der beteiligten Unternehmen ist Opel. Stephan Menke, Leiter der zentralen Berufsausbildung des Unternehmens, sieht die Aktion positiv. Lina Hofmann wird demnächst Einblicke in den Arbeitsalltag bei Opel erhalten. „Wir müssen den jungen Frauen die Angst vor vermeintlich reinen Männerberufen nehmen“, sagte Menke am Mittwoch während einer Pressekonferenz in Darmstadt. Im technischen Bereich betrage der Frauenanteil bei der Ausbildung bei Opel gerade mal zehn Prozent. Diesen Anteil will Menke in den kommenden Jahren mindestens verdoppeln.

Menke will den jungen Frauen Angst und Vorbehalte vor der Männerdomäne nehmen und hat gute Argumente. In mehreren technischen Bereichen bei Opel seien Frauen in Führungspositionen gekommen. Auch Ute Wolf, Personalreferentin der Darmstädter Software AG, strebt in den IT-Berufen einen höheren Frauenanteil an.

Hoher Frauenanteil in Biotechnologie

Sie versteht die Zurückhaltung des weiblichen Geschlechtes in diesem interessanten Berufsfeld nicht. „Wir machen mehr, als nur Bits und Bytes hin- und herzuschieben. Viele junge Frauen haben falsche Vorstellungen von einer dominierten Männerwelt“, sagt sie. Lina Hofmann will auch dort ein Praktikum machen, während Julia Blome bei den Firma Sirona und ITK-Engineering in der Berufswelt erste Erfahrungen sammeln möchte.

Auf jeden Fall sei das neue Angebot eine tolle Sache für den Berufseinstieg, sind sich die beiden Mädchen einig. Dass es nicht mehr Plätze sind, liegt derzeit noch am Mangel interessierter Unternehmen. Viele Firmen hätten mit dem Hinweis auf den hohen Frauenanteil in der Biotechnologie abgelehnt und kein Interesse an dem Projekt, bedauern die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Claudia Herrlich und Lena Loge von der Hochschule.

Dennoch hofft die Hochschule, dass sich in den kommenden Jahren, wenn sich das Projekt erst einmal herumgesprochen habe, noch mehr Firmen entschließen, bei der Aktion mitzumachen. Dass das Modell Erfolg haben kann, zeigen die Erfahrungen aus Niedersachsen, wo 85 Prozent der Teilnehmerinnen nach einem halben Jahr neuer Erfahrungen tatsächlich einen technischen Beruf ergreifen. (hde)

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