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Angeklagte äußern Reue

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Die Angeklagten jungen Männer sollen ihr Opfer stundenlang traktiert haben.
Die Angeklagten jungen Männer sollen ihr Opfer stundenlang traktiert haben. © Hans Dieter Erlenbach

Der Prozess um einen brutalen Überfall in Mühltal wird vor dem Darmstädter Landgericht fortgesetzt. Das heute 93 Jahre alte Opfer sagt vor Gericht aus. Der Prozess wird fortgesetzt.

Mit der Befragung der Angeklagten und des Hauptopfers ist am Dienstag am Darmstädter Landgericht der Prozess gegen fünf junge Männer fortgesetzt worden, die mehrere Raubüberfälle verübt haben sollen und dabei teilweise äußerst brutal vorgegangen sind.

Das heute 93 Jahre alte Opfer Albert P. schilderte vor Gericht, dass er am 2. Januar 2014 im Krankenhaus war, um eine Wunde versorgen zu lassen. Währenddessen drangen vier junge Leute in sein Haus in Mühltal ein, überwältigten seine Frau und verlangten den Tresorschlüssel. Den habe ihr Mann, sagte die Frau. Die Täter durchsuchten das Haus und rafften Wertgegenstände ein. Dann saßen sie stundenlang mit der Frau auf der Couch und warteten auf den Mann. Kaum hatte er das Haus betreten, wurde er niedergerungen und von da an stundenlang brutal gequält.

Haupttäter, so hat es die Vernehmung ergeben, war offenbar Vladimir R., ein kräftiger Typ, der mit dem alten Mann leichtes Spiel hatte. Zumindest körperlich. Denn Albert P. sagte nicht, wo der Tresorschlüssel ist, obwohl ihm R. mehrfach die Daumen nach hinten bog und drohte, sie zu brechen. Er gab nicht nach, als R. ihm sagte, er werde ihm die Finger abschneiden und auch nicht, als R. die Ehefrau fragt, welchen Finger ihres Mannes sie zuerst haben wolle.

Und er bleibt standhaft, als er mit einem Elektroschocker traktiert wird. Zwei der Männer schlagen ihm auf den Kopf, zertrümmern ein Zimmerthermometer auf seinem Schädel. Das Martyrium geht stundenlang. Schließlich geben die Täter auf und fliehen mit etwas Schmuck.

Ein Teil der angeklagten jungen Männer kommt aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, andere sind in Deutschland geboren. Sie eint, dass sie auf Schule kaum Bock hatten, oft schwänzten und keinen Abschluss schafften. Stattdessen finanzierten sie sich ihre Drogensucht mit Diebstählen und Einbrüchen.

Drogensucht und Diebstähle

Vladimir R. scheint bei alldem die Hauptrolle zu spielen und so etwas wie ein Anführer gewesen zu sein. „Wir treffen uns bei der Garage“, ist der Standardspruch bei telefonischen Verabredungen. In Hochheim (Main-Taunus-Kreis) haben sie sich eine Garage zu einem Treffpunkt ausgebaut. Dort werden Joints geraucht und Einbrüche besprochen.

R. lebt mit seiner Mutter alleine in Mainz-Kostheim, der Vater ist in Russland geblieben. Er sei Spätentwickler, habe erst mit fünf Jahren gesprochen, in der Schule nur schlechte Noten gehabt. Er klaut, landet auf einer Schule für Schwererziehbare, muss 2012 für sechs Monate wegen diverser Straftaten in Haft. Eine Lehre bricht er ab, weil er mit dem Chef Zoff hat. „Ich habe viel Scheiß gebaut“, gibt er zu. Er ist grundsätzlich geständig, bestreitet aber, dass er Albert P., um den Tresorschlüssel zu erpressen, mit einem Küchenmesser die Haut der linken Hand regelrecht abgeschält hat. P. habe sich stattdessen während eines Sturzes am Kamin in seinem Wohnzimmer verletzt.

Die Vita von Eduard P., Jason M. und Jurig S. liest sich ähnlich. Nur Philipp T. scheint eine Ausnahme. Er ist der einzige, der wieder auf freiem Fuß ist, eine Ausbildung macht, aber eine Fußfessel tragen muss. Er schildert, wie er als Einzelkind aufwuchs und darunter litt, keine Freunde zu haben. Bis er dann auf die anderen trifft, mit ihnen Rauschgift konsumiert. „Plötzlich gehörte ich dazu“. Bei den Taten spielt er eher eine untergeordnete Rolle. Er habe eigentlich gar nicht mitmachen wollen, es aber getan, um nicht aus der Clique ausgestoßen zu werden. Inzwischen habe er zu den anderen keinen Kontakt mehr und wolle sein Leben auf die Reihe bringen.

Einige der Angeklagten wiegeln ab, wollen nur so reingerutscht sein und das alles gar nicht gewollt haben. Einige haben Entschuldigungsbriefe an Albert P. geschrieben. Alle sagen, sie bereuten die Taten. Der nächste Prozess-Termin ist am 28. Januar, das Urteil wird für den 5. März erwartet. (hde)

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