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Jürgen Keinz ist Büttenredner bei der TSG.

Ganz schön trocken

Vom Schreiben einer Büttenrede

Jürgen Keinz ist närrischer Protokoller bei der Karnevalsabteilung der TSG in Darmstadt - als Eckensteher "Heiner", dem nichts entgeht. Von Michael Grabenströer

Von MICHAEL GRABENSTRÖER

Keine richtige Karnevalssitzung ohne Protokoller, auch wenn die Fernsehfastnacht aus Mainz - die Mutter aller Narrensitzungen - schon einmal darauf verzichtet hat. Bei der Karnevalsabteilung der TSG in Darmstadt, die seit bereits über 130 Jahren aktiv ist, ist Jürgen Keinz, 44 Jahre, Berater bei easy credit, der Protokoller. Keinz fällt die Aufgabe zu, das Leben in Darmstadt und darüberhinaus unter die närrische Lupe zu nehmen und süffisant aufzuspießen. Als "Heiner", als ein Eckensteher, dem nichts entgeht.

Politik spielt dabei natürlich eine Rolle, auch für den Protokoller aus Darmstadt. "Aber es ist nicht immer einfach. Finden sie mal ein Reimwort auf Ypsilanti". Da helfe nur eines. "Ypsilanti wird nach vorn gestellt und hinten ergibt sich ein anderes, einfacheres Reimwort", verrät Keinz die Technik aus der Wort-Drechselstube.

Treffsicher müssen die Protokolle sein und aktuell. Deshalb werde es nach der Hessen-Wahl mit den zu erwartenden Folgen auch in Darmstadt mit Sicherheit eines neues Protokoll geben. "Für den 18. Januar, den Wahltag, habe ich mir schon ein weißes Blatt zurecht gelegt", gesteht Keinz, um noch bis zum Rosenmontag närrisch aktuell zu reagieren.

Ein weißes Blatt und was gibt es für anregende Getränke dazu? "Beim Schreiben trinke ich immer Wasser und dann und wann ein frisches Weizenbier". Denn Protokoll reden müssen treffsicher und pointenstark sein. Da brauche ein Autor seinen klaren Kopf. Schließlich sei manchmal auch die politische regionale und lokale Prominenz im Saal, die ein Protokoller närrisch vorführe. "Da müssen die Pointen stimmen."

Davor dürfe ein Vortragender jedoch nicht zurückschrecken. Närrische Kritik - der Blick in den Narrenspiegel, wie es karnevalistisch überhöht manchmal heißt - müsse sein und die Kritisierten müssten es aushalten.

Sich bei anderen Redner zu bedienen, also Texte zu kopieren und umzumodeln, das ist Keinz Sache nicht. "Ich arbeite an meinen Texten. Weihnachten fange ich damit an". Und manchmal gesteht er, sei nur der Papierkorb die Lösung, "Wenn ich in drei Stunden nichts Gescheites zustande gebracht habe, landet der Text dort."

Aber mit den Protokoller-Mühen ist Kainz närrische Arbeit noch nicht beendet. Daneben hält er auch noch Büttenreden, nicht unbedingt protokollarisch streng. Manchmal kommt einfach "Kokolores" heraus, wie die Karnevalisten ihre humoresken Auftritte auch manchmal nennen.

Streng ist Keinz trotzdem mit sich. Länger als eine Viertelstunde sollte eine Büttenrede nicht sein. Dabei kennt er auch Redner, die sich fast eine halbe Stunde lang ausreimen. "Für mich gilt aber: Maximal 15 Minuten sind genug!"

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