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Amtsgericht Darmstadt verurteilt Lilien-Fan nach Prügelei am Bahnhof Messel

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Von: Annette Schlegl

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Wegen Landfriedensbruch werden wohl noch mehr Anhänger des SV Darmstadt 98 angeklagt.
Wegen Landfriedensbruch werden wohl noch weitere Anhänger des SV Darmstadt 98 angeklagt. © Renate Hoyer

Fast drei Jahre ist es her, dass Lilien- und Eintracht-Fußballfans eine blutige Schlägerei geplant hatten. Ein Darmstadt-Anhänger stand jetzt vor Gericht. Weitere Anklagen laufen.

Landfriedensbruch - so heißt im Gerichtsdeutsch das, was sich am Abend des 2. November 2019 am Bahnhof in Messel im Landkreis Darmstadt-Dieburg ereignet hat. Der Volksmund würde das wohl eher als ausgewachsene Schlägerei bezeichnen.

Die Kontrahenten: Fangruppen des SV Darmstadt 98 und der Frankfurter Eintracht, die just an jenem Bahnhof gezielt aufeinandertrafen und nicht weniger gezielt aufeinander losgingen. Einer der damaligen Kampfhähne musste sich am gestrigen Mittwoch vor dem Darmstädter Amtsgericht verantworten.

Wilde Schlägerei am Bahnhof Messel mit krankenhausreif geprügelten Verletzten

Es ging an jenem Novembersamstag vor fast drei Jahren nicht um Sieg oder Niederlage. Die Lilien spielten nach ihrem Abstieg aus der 1. Bundesliga im Jahr 2017 schon lange wieder in der Zweitliga, hatten mit der SGE in der 1. Bundesliga eigentlich nichts mehr zu schaffen. Trotzdem war die Rivalität zwischen den beiden Fanlagern groß.

Wie groß, zeigte sich, als rund 150 Darmstädter Fans am 2. November 2019 mit dem Zug von einem Auswärtsspiel gegen Greuther Fürth zurückfuhren. Am Bahnhof Messel entwickelte sich eine wilde Schlägerei mit mehreren Verletzten, die krankenhausreif geprügelt wurden.

Knüppel und Schlagstöcke im Regionalexpress nach Darmstadt

Die Auseinandersetzung zwischen Eintracht- und Lilien-Hooligans war geplant. Das machten Zeugenaussagen in der gestrigen Verhandlung gegen einen 28-jährigen Darmstädter Fan klar. Mehrere Zugkameras waren abgeklebt worden, schon drei bis vier Haltestellen vor der Schlägerei seien einige Darmstädter von ihren Wortführern jeweils nach draußen dirigiert worden, um wohl nach den Frankfurtern Ausschau zu halten, sagte ein Zeuge aus. Er hatte auch Knüppel und Schlagstöcke bemerkt, die die Fans aus ihren Jacken zogen. Dunkle Masken seien aufgezogen worden, an der Haltestelle Messel hieß es: „Raus, raus, raus“, erinnerte er sich. „Dann begann die Schlägerei.“

Gewaltbereite Eintracht-Fans warteten im Gebüsch am Bahnhof Messel

Die Frankfurter hatten sich an dem dunklen Bahnhof, an dem es keine Kameraüberwachung gibt, im Gebüsch und hinter den Erdhaufen einer Baustelle versteckt. Rauchbomben wurden neben dem Regionalexpress gezündet, die Waggons mit Steinen und Baustellen-Paletten beworfen. Rund 40 bis 50 gewaltbereite Frankfurt-Anhänger drangen in den Zug ein, Fäuste flogen im und am Zug hin und her. „Die einen haben gestürmt, die anderen verteidigt“, sagte ein Zugbegleiter aus. Der Teppich im Zug sei voller Blutflecken gewesen, erinnerte sich der Lokführer. Ein Bundespolizist, der die Darmstadt-Anhänger schon im Fürther Stadion begleitet hatte, machte die Brutalität klar: „Ich bin im Frankfurter Bahnhofsviertel eingesetzt, habe dort viel Action. Aber das hier war was anderes.“

Verurteilter Darmstadt-Fan muss 6500 Euro Geldstrafe zahlen

Der stark alkoholisierte 28-jährige Darmstädter war der Erste aus der Lilien-Fangruppe, der sich nun vor den Schranken des Gerichts wiederfand. Er wurde wegen Landfriedensbruchs zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 65 Euro verurteilt – obwohl er beteuerte, dass er sich nicht an der Schlägerei beteiligt hatte. Er sei neugierig gewesen, weil im Regionalexpress drei bis vier Türen weiter vorne „rumgeschrien“ worden sei. Er habe selbst „eine kassiert“, als er den Zug verließ. Sein Pech, dass Videokameras im Zug ein anderes Bild von ihm vermittelten: Er sei als einer der Ersten aus dem Zug gestürmt, habe später Kameraden seine Verletzungen gezeigt, die Faust geballt und dabei gelacht, stellte Richter Stephan Böttiger fest. „Das Billigen der Straftat und das Solidarisieren ist für den Tatbestand ausreichend“, erklärte er.

Der 28-Jährige ist nicht der Einzige, der sich wegen der Vorfälle an jenem 2. November 2019 verantworten muss. Weitere Anklagen laufen, hieß es auf Nachfrage aus der Pressestelle der Staatsanwaltschaft Darmstadt. Eine genaue Anzahl könne aber noch nicht genannt werden. Vor einigen Wochen war noch von rund 30 Anklagen die Rede gewesen.

Darmstadt: Lilien-Fans in weitere strafrechtliche Aktionen verstrickt

Übrigens kam es im August 2020 erneut zu einer blutigen Massenschlägerei zwischen Eintracht- und Lilien-Hooligans. Rund 240 gewaltbereite Fans hatten sich nachts in einem Gewerbegebiet in Weiterstadt zu einer Prügelei verabredet.

Am vergangenen Samstag meldeten Zeugen schließlich gegen 5.30 Uhr bis zu 50 Darmstadt-Fans, die Häuser besprühten sowie Pyrotechnik abbrannten. Die Polizei stellte fest, dass zahlreiche Anwesen an der Landwehrstraße mit schwarzer und silberner Farbe beschmiert worden waren. Sie stellte die Fans in einer Tiefgarage unterhalb des Karolinenplatzes und musste, so wurde verlautbart, „vereinzelt Pfefferspray und Schlagstock einsetzen“.

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