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Ein 42 Jahre alter Lastwagenfahrer ist vom Amtsgericht Darmstadt wegen einer Fahrt im Vollrausch zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden.

Darmstadt

Amtsgericht Darmstadt verurteilt Brummifahrer

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Betrunkener Fahrer prallt mit Sattelzug gegen Streufahrzeug und Polizeistreife.

Nach einer spektakulären und teilweise dramatischen Verfolgungsjagd auf der Autobahn 5 in Baden-Württemberg und Südhessen im vergangenen Dezember ist am Donnerstag ein 42 Jahre alter Lastwagenfahrer vom Amtsgericht Darmstadt wegen einer Fahrt im Vollrausch zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Der nicht vorbestrafte Mann war Mitte Dezember stark betrunken und unter dem Einfluss von Drogen mit einem Sattelzug rund 75 Kilometer von Bruchsal bis nach Darmstadt-Eberstadt gefahren und auf das Ende eines Staus zugerast, der sich zwischen dem Darmstädter Kreuz und Weiterstadt gebildet hatte. 

Erst ein Streufahrzeug der Autobahnmeisterei Darmstadt, dass die Polizei mit einem Streifenwagen quer auf die Autobahn in Fahrtrichtung Norden gestellt hatten, brachte den Sattelzug letztlich zum Stehen. Der Fahrer des Lastwagens fuhr nahezu ungebremst gegen die beiden Fahrzeuge. Der Streuwagen kippte um. Bei dem Aufprall wurde der Mann, der während der Fahrt bis zu 3,2 Promille Alkohol im Blut hatte, im Führerhaus eingeklemmt und leicht verletzt. Die an den drei Fahrzeugen entstandenen Schäden bezifferte die Polizei auf 300 000 Euro. Dass sonst niemand zu Schaden gekommen sei, sei auch der Umsichtigkeit und Reaktionsschnelligkeit der eingesetzten Polizeibeamten zu verdanken, sagte Richterin Ute Trautmann in ihrer Urteilsbegründung.

Während Oberstaatsanwältin Susanne Spandau eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Polizeibeamte gefordert hatte, sprach sich Hans Georg Kaschel, der Pflichtverteidiger des 42-Jährigen, für eine Bewährungsstrafe aus. Die ganze Fahrt sei „völlig sinnlos gewesen“, sagte Anwalt Kaschel, zumal sich der Angeklagte selbst in Lebensgefahr gebracht habe.

Der frühere ukrainische Polizist, der nach eigenen Angaben im Krieg in der Ostukraine auch als Scharfschütze abkommandiert war, beteuerte vor Gericht, er bereue die Tat „zutiefst“, könne sich aber nicht mehr an die Fahrt erinnern. Er sei erst wieder im Krankenhaus zur Besinnung gekommen.

Mehrere Polizeibeamten und ein Autofahrer schilderten als Zeugen dem Gericht, wie der Sattelzug über die Autobahn in Richtung Norden „in Schlangenlinien“ unterwegs gewesen sei. Bisweilen habe der Lastwagen gedroht, umzukippen. Polizisten, die an den Streifenwagen Blaulicht, Martinshorn und warnende Stopp-Hinweise angeschaltet hatten, ignorierte der Mann. Mehrfach fuhr er auf der Autobahn sowie auf einem Parkplatz bei Ladenburg auf die Beamten zu oder versuchte, Streifenwagen zu rammen. Allerdings reagierten die Polizisten geistesgegenwärtig und konnten die Streifenwagen entweder rechtzeitig stark beschleunigen oder abrupt abbremsen.

Nach der Urteilsverkündung rief die Frau des Angeklagten unter Tränen erleichtert „Nach Hause fahren“ aus. Einige noch im Gerichtssaal anwesende Polizisten nahmen das Urteil indes konsterniert zur Kenntnis.

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