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Der Altvogel wartet gespannt

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Für die Beringung der Jungstörche begibt sich Klaus Hillerich in luftige Höhe.
Für die Beringung der Jungstörche begibt sich Klaus Hillerich in luftige Höhe. © Manuela Wittkamp

Im Stadtteil Bauschheim sind fünf kleine Störche beringt worden. inige Menschen sind gegen das Beringen der Störche, denn sie vermuten, dass die Prozedur für die Vögel traumatisch ist. Das sei jedoch nicht der Fall, beteuern die Vogelexperten.

Seit vielen Jahren kommt Familie Adebar nach Bauschheim, um im Nest auf einem ehemaligen Strommast ihre Jungen aufzuziehen. Kürzlich war es Zeit, die fünf kleinen Störche zu beringen. Der Storchenvater schien schon zu warten auf den „Herrn der Ringe“. Klaus Hillerich kam zusammen mit dem Ortsbeauftragten der staatlichen Vogelschutzwarte Helmut Meixner und der Rüsselsheimer Feuerwehr mit Drehleiter, im Schlepptau noch drei zweite Klassen aus Ginsheim. Jedes Jahr sind Störche hier, um im Nest – von der Insel Langenau kommend – zu brüten. Und jedes Jahr werden die Bauschheimer Jungstörche beringt.

Während sich die Männer an seinen Jungen zu schaffen machten, zog der Storch seine Kreise, um das Nest aus sicherer Entfernung zu beobachten und sicherzugehen, dass seinen Jungen nichts passiert. Klaus Hillerich, der im Auftrag der Vogelwarte Wilhelmshaven auf Helgoland über 140 Ringe an Jungstörche der Region verteilt, wusste von einem anderen Fall zu erzählen: Da rückte der Altvogel an den äußersten Rand des Nests und wartete, bis die Ringe angelegt waren, um sich dann sofort wieder mitten auf das Nest zu setzen. Dabei befanden sich die Jungstörche in „Akinese“ – einer Bewegungslosigkeit, die möglichen Räubern vorgaukelt, dass sie tot seien. Jedes andere Verhalten wäre in der Höhe eines Storchennests auch lebensgefährlich, meint Hillerich, denn die Kleinen können noch nicht fliegen.

Kurs für Beringer

Das glückliche Bauschheimer Brutpaar hat fünf Junge erfolgreich aufgezogen, die nun auf Wanderung gehen, um dann ihrerseits zu brüten und Jungstörche aufzuziehen. Die Nachbarn von der Insel Langenau haben in diesem Jahr zwei Jungvögel großgezogen. Da deren Nest nicht so gut zugänglich ist, wurden die Vögel nicht beringt.

Einige Menschen sind gegen das Beringen der Störche, denn sie vermuten, dass die Prozedur für die Vögel traumatisch ist. Das sei jedoch nicht der Fall, beteuern die Vogelexperten: Alles verläuft in vollkommener Ruhe, und die Beringer nehmen verpflichtend an einem Kurs teil, sodass sie genau wissen, was sie tun.

Durch die gewonnenen Daten können die Beobachter mit Sicherheit sagen, dass es immer derselbe Storch ist, der seit mehr als zehn Jahren in Bauschheim brütet. Man weiß, wo die Vögel überwintern, kann feststellen, wenn sich Zugrouten verändern und Schwankungen in der Population erklären. Auch lässt sich sagen, dass der älteste bekannte Storch in Biebesheim wohnt – er ist stolze 33 Jahre alt. Klaus Hillerich erklärte, dass 1990 lediglich ein Storchenbrutpaar in Hessen gemeldet wurde, während im vergangenen Jahr 380 Brutpaare mit etwa 850 Jungstörchen gezählt wurden. Auch haben die Experten herausgefunden, dass die Brutpaare teils verschiedene Methoden zum Überwintern haben und häufig am Nest mit demselben Partner die nächste Brut beginnen.

Solche Geschichten hörten auch die Mädchen und Jungen der Klassen aus Ginsheim, die extra gekommen waren, mit Spannung und großen Augen. (eda)

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