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Alpakas aus Darmstadt: Tiere machen auch vor Aufzug nicht Halt

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Seniorenheim-Bewohnerin Ines John stürmt aus dem Gebäude, um Samuel zu begrüßen.
Seniorenheim-Bewohnerin Ines John stürmt aus dem Gebäude, um Samuel zu begrüßen. © May-Britt Winkler

Mit ihren Alpakas besucht Tiertrainerin Petra Nothnagel-Kölsch Pflegeheime und Hospize. Wegen der Corona-Pandemie fielen die Visiten in letzter Zeit aus.

Das sind die tollsten Männer der Welt“, schwärmt Tiertrainerin Petra Nothnagel-Kölsch von ihren beiden Alpaka-Herren Samuel und Shorty, und so manche Dame wird ihr, ohne zu zögern, recht geben. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Michaela Jakobi-Huthmann besucht sie mit den „Luna Alpakas“ aus Darmstadt-Arheilgen Pflegeheime und Hospize.

An diesem Tag geht es in die Pflegeeinrichtung Agaplesion Haus Bickenbach. Bereits am Eingang wartet Ines John, die Shorty und Samuel schon von früheren Besuchen vor der Pandemie kennt, bevor die Heime so gut wie von der Außenwelt abgeschnitten waren. Fast vergisst sie ihren Rollator und stürmt hinaus, als sie die Tiere entdeckt. Die beiden lassen sich kuscheln und küssen und zaubern der 74-Jährigen ein breites Lächeln ins Gesicht. „Endlich ist das wieder möglich.“

Darmstadt: Alpakas zu Besuch in Pflegeheimen und Hospizen

Die zwei Besucherinnen müssen sich – im Gegensatz zu ihren Alpakas, die kein Corona bekommen können – noch rasch testen lassen; dann geht es in den Aufenthaltsraum. Walter Rieber rollt in seinem Rollstuhl auf die beiden kleinen Kamele zu und empfängt sie mit ausgebreiteten Armen. „Stundenlang kann man die knutschen“, freut er sich, muss Samuel und Shorty aber unglücklicherweise mit den anderen Bewohner:innen teilen.

Jeder, der noch irgendwie mobil ist, kommt dazu oder wird gebracht. Alle wollen Teil sein oder streicheln, und alle schwärmen von den warmen weichen Schnauzen ebenso wie vom kuscheligen Fell. Lisa Wittemann ist anfangs sehr zurückhaltend, will eigentlich nur mal schauen. Nach ein paar Berührungen jedoch kann sie sich gar nicht wieder von Shorty losreißen.

Ein paar innige Momente mit den Alpakas aus Darmstadt

Es herrscht reges, fröhliches Treiben, und wo man hinschaut, sieht man glückliche, aufgeregte, wild durcheinanderplappernde Menschen. Nur die Falten in den Gesichtern und eine eingeschränkte Mobilität verraten, dass diese Leute alt und meist pflegebedürftig sind. Ansonsten könnte sich die Szene in einem Kindergarten kaum ausgelassener abspielen. Die Bewohner:innen scheinen um Jahre verjüngt, die therapeutische Wirkung zeigt sich im selben Moment.

„Es ist unglaublich, wie aktiv alle plötzlich werden, und wie sie noch Tage später von den Tieren schwärmen“, freut sich Irene Opfer, die Sozialdienstleiterin des Hauses, und sorgt dafür, dass wirklich jeder ein paar innige Momente mit einem der Alpakas bekommt.

Lisa Wittemann spitzt die Lippen. Shorty will ein Küsschen.
Lisa Wittemann spitzt die Lippen. Shorty will ein Küsschen. © May-Britt Winkler

Treffen mit Alpakas aus Darmstadt bauen Seele und Körper auf

Pflegedienstleitung Angelika Netzer fügt hinzu, dass dieses Aufeinandertreffen von Tier und Mensch nicht nur der Seele, sondern auch dem Körper Gutes tut: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass einige demenzkranke Bewohner, die fast gar nicht mehr reagieren und reden, bei den Alpakas strahlen, lachen, streicheln und sogar versuchen zu sprechen.“

Zwei bettlägerige Patientinnen warten nun noch in der ersten Etage. Shorty und Samuel nehmen kurzerhand den Fahrstuhl. Immer dabei: ihre beiden geduldigen Trainerinnen, die mehr als Freude bei ihrer Arbeit empfinden.

Tiertrainerinnen aus Darmstadt: „Hier werden wir innerlich reich“

So mancher Millionär könnte neidisch werden: „Hier werden wir innerlich reich“, sagt Petra Nothnagel-Kölsch, und Michaela Jakobi-Huthmann fügt hinzu: „Es ist immer wieder unbeschreiblich bewegend, diese Freude bei den Menschen zu sehen.“

Freude und Glück kennen an diesem Tag weder Alter noch Einschränkung. Das Glück ist hier und heute tatsächlich zum Greifen nah. (VON MAY-BRITT WINKLER)

Infos: www.luna-alpakas-darmstadt.de

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