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Almaz Böhm setzt sich zur Wehr

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Almaz und Karlheinz Böhm im Jahr 2009.
Almaz und Karlheinz Böhm im Jahr 2009. © dpa

Leiterin der Stiftung „Menschen für Menschen“ widerspricht Vorwürfen ehemaliger Großspender.

Ist Karlheinz Böhms Lebenswerk, die Stiftung „Menschen für Menschen“, in Gefahr? Zwei ehemalige Großspender werfen der von Almaz Böhm geleiteten Organisation mangelnde Transparenz und Geldverschwendung vor. Das berichtete die Bild-Zeitung in ihrer gestrigen Ausgabe.

Der frühere Schauspieler Karlheinz Böhm (85), zwar in Darmstadt geboren, aber sein Leben lang österreichischer Staatsbürger, ist seit der Gründung von „Menschen für Menschen“ 1981 immer wieder nach Darmstadt gekommen. Er hat die Herzen vieler Menschen für sein Projekt gewonnen und stets Rechenschaft über die Verwendung der Spenden abgelegt. Darmstadt wurde 1983 das erste kooperative Mitglied von „Menschen für Menschen“.

„Die Behauptungen der Spender haben mich enttäuscht“, sagte Almaz Böhm (48) gestern am Telefon. „Ich weiß nicht, was sie damit erreichen wollen.“ Als Böhms Kräfte nachließen, übertrug er seiner Frau die Verantwortung für die Stiftung, die in Äthiopien Schulen (bisher 310), Krankenhäuser und Modellfarmen baut, Brunnen bohren lässt und Ausbildungsstätten finanziert. Almaz war Karlheinz Böhms Beraterin und Übersetzerin. Auch sie hat Darmstadt schon häufig besucht, um über die neuesten Entwicklungsmaßnahmen in ihrem Heimatland zu informieren.

Die jetzt publizierten Vorwürfe der Großspender, die sie für nicht gerechtfertigt hält, sind ihr seit dem letzten Jahr bekannt. Vorwurf eins: Die Stiftung wolle in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, einen zu großen und teuren Büro-Neubau errichten. Er soll die logistische Drehscheibe für alle Projektgebiete werden.

Lob vom Zentralinstitut

Almaz Böhm erläutert, dass die äthiopische Regierung Auflagen gemacht habe. Deren Einhaltung hätte Baukosten in Höhe von 2,1 Millionen Euro nach sich gezogen. Durch Verhandlungen sei es gelungen, die Kosten auf 1,1 Millionen Euro zu reduzieren. In Addis Abeba arbeiten 66 Mitarbeiter, die für landesweit über 4,6 Millionen Menschen verantwortlich sind. Sie sind zur Zeit in Container-Büros untergebracht.

Vorwurf zwei: Die mit Spenden finanzierten Schulbauten würden dem äthiopischen Staat übergeben und seien teilweise in einem schlechten Zustand. Almaz Böhm erinnert an den Grundsatz ihres Mannes, Hilfe zur Selbstentwicklung zu geben: „Nach Übergabe der Infrastruktur kontrollieren wir nach, was daraus geworden ist und wenden uns an die verantwortlichen Personen“, versichert sie. Eine Studie des TÜV Rheinlands von 2012 bewertet den Zustand der Schulen mit der Note 1,6. Der dritte Vorwurf trifft Almaz Böhm besonders hart: Ihr wird unterstellt, sich nicht um ihren Mann zu kümmern. „Ich musste meinem Mann versprechen, dass ich ihn schütze, wenn er alt, krank oder gebrechlich ist. An dieses Versprechen halte ich mich. Die Menschen sollen Karl so in Erinnerung behalten, wie sie ihn von früher kennen.“

Unterstützung bekommt sie von Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DIZ), das das Deutsche Spendensiegel vergibt. Das hat „Menschen für Menschen“ ununterbrochen seit 1992 bekommen. Wilke nennt die Organisation „nachweisbar gut aufgestellt“. Der Kostenanteil für Werbung und Verwaltung sei niedrig, das heißt unter zehn Prozent. Auch das Bauprojekt sei mit Verantwortung geplant worden. Wilke wundert sich, dass die beiden ehemaligen Großspender ihre Vorwürfe öffentlich erhoben haben, ohne das DIZ zu kontaktieren. (pyp.)

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