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Architekt Udo Nieper ist mit dem Entwurf beauftragt.
Architekt Udo Nieper ist mit dem Entwurf beauftragt. © Bauverein

Wie kann sichergestellt werden, dass das gegenüber dem Schloss geplante Hotel in einer Gestalt entsteht, die sich seiner Umgebung würdig erweist?

Wie kann sichergestellt werden, dass das gegenüber dem Schloss geplante Hotel in einer Gestalt entsteht, die sich seiner Umgebung würdig erweist? Darüber diskutierte der Bauausschuss des Stadtparlaments in seiner jüngsten Sitzung. Einigkeit wurde nicht erzielt - doch die Haltung des Bauvereins, auf einen Architekturwettbewerb zu verzichten, stieß auch auf Verständnis. Das Verlangen von FDP, Uffbasse und Alternative Darmstadt, die Gestaltungsfragen mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu regeln, wurden dagegen von SPD und CDU zurückgewiesen.

Zuvor hatte Bauvereinsdirektor Hans-Jürgen Braun noch einmal - und für die Parlamentarier zum ersten Mal - erläutert, wie das Projekt entstanden war. Ursprünglich sei das Interesse des Bauvereins gewesen, "eine gediegene Entwicklung des ganzen Karrees hinzukriegen". Deswegen habe man die Saladin-Ruine und das Haus Marktplatz 14 gekauft. Die Goldene Krone sollte ebenfalls erworben werden, was im letzten Augenblick scheiterte.

Im vergangenen Jahr hatte dann, so Braun, Oberbürgermeister Walter Hoffmann den Bauverein "aufgefordert, eine Hotelplanung zu realisieren, um die Zimmerkapazität in der Nähe des Kongresszentrums zu erhöhen". Dieser Maßgabe folgte die weitere Planung. Um künftigen Betreibern ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept vorlegen zu können, sollte der Architekt Udo Nieper, der bereits das Welcome-Hotel entworfen hatte, das Projekt "von innen nach außen" entwickeln.

Politiker uneins

Rechtlich stützt sich der Investor dabei auf Paragraf 34 des Baugesetzes, der lediglich verlangt, dass ein Neubau sich in die Nachbarschaft einfügt. In welcher Weise, das soll mit Planungsamt und Denkmalschutz geklärt werden. Aus Sicht von Georg Hang (Alternative Darmstadt) ist das, wenn auch rechtmäßig, "kein ordentliches Verfahren". Im Hinblick auf das prominente Grundstück verlangte Hang, dass so ein Projekt "nicht einfach zwischen Bauherr und Verwaltung besprochen und dann abgesegnet wird. Nein, das muss unter Einbeziehung des Stadtparlaments laufen" - also über die Erstellung eines Bebauungsplans. Das wiederum fand Braun "relativ ungewöhnlich".

Hang wurde von Jörg Dillmann (Uffbasse) und Gert Mittmann (FDP) unterstützt. "Wir haben das Recht auf Mitsprache, und das sollten wir uns erhalten", sagte Dillmann. Doris Fröhlich (Grüne) fragte, warum sich der Bauverein denn nicht wenigstens auf einen Architekturwettbewerb mit drei eingeladenen Büros einlasse? "Das gibt doch mehr Qualität, als wenn ein Büro mehrere Vorschläge macht."

Braun verneinte. Die Innenplanung sei ja bereits festgelegt. Also gehe es nur noch um die Fassade. Die mache höchstens fünf Prozent der Bausumme, folglich des Architektenhonorars aus - so lasse sich kein Wettbewerb durchführen. Außerdem seien dann jede Menge Konflikte zwischen dem Architekten der Innenplanung (Nieper) und dem Fassadenplaner vorherzusehen. Bliebe also nur, den vergebenen Architektenauftrag zu kündigen und das Projekt neu aufzuziehen. Das aber, so Braun, "macht keinen Sinn".

Dem pflichtete die CDU bei. "Weder Bebauungsplan noch Architektenwettbewerb werden uns weiterbringen. Das Projekt hat so viele Knackpunkte, die Verwaltung wird das schon zu einer verträglichen Lösung führen", machte Hans Wegel deutlich. Und sein Kollege Helmut Schmidt ergänzte knapp: "Architektenwettbewerb - das ist doch rausgeschmissenes Geld." (ers)

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