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Alice-Frauenverein besteht seit 150 Jahren

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Von: Claudia Kabel

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Das Emblem des Roten Kreuzes unterscheidet die Alice-Schwestern von anderen Krankenschwestern.
Das Emblem des Roten Kreuzes unterscheidet die Alice-Schwestern von anderen Krankenschwestern. © Monika Müller

Vieles hat sich seit der Gründung durch Alice Prinzessin von Hessen und bei Rhein geändert.

Den silbernen Kerzenleuchter musste Heike Schylla als 17-jährige Vorschülerin der Schwesternschule immer putzen. Jetzt steht er vergessen da, als eines der letzten Relikte im Altenwohnheim, das die Alice-Schwesternschaft betreibt. Die heutige Fachbereichsleiterin OP des Alice-Hospitals erinnert sich, wie sie mit „blau-weißem Kleidchen“ die Hauswirtschaftsschule besuchte, was Pflicht für Anwärterinnen war. „Man merkt, dass es heute keine Vorschülerinnen mehr gibt“, sagt Schylla lachend mit Blick auf das angelaufene Silber.

Seit 150 Jahren besteht die Alice-Schwesternschaft. Vieles hat sich seit ihrer Gründung durch Alice Prinzessin von Hessen und bei Rhein geändert. Manches ist gleich geblieben, etwa, dass nur Frauen Mitglied werden dürfen. Dass das Modell heute noch tragbar ist, glaubt die Vorstandsvorsitzende Barbara Schmidt durchaus. Vor allem, da sie seit April dieses Jahres einen Arbeitnehmerstatus haben wie andere Angestellte von Krankenhäusern auch. Zwar gelten sie als Leiharbeiter, da sie von der Schwesternschaft an die Krankenhäuser ausgeliehen werden, dies geschehe aber unbefristet. „Alles andere würde das Konstrukt der Schwesternschaft infrage stellen“, sagt Barbara Schmidt. Mutter Oberin, die sie qua Amt ist, möchte sie aber nicht mehr genannt werden.

1867 als Frauenverein ins Leben gerufen, hatte die Schwesternschaft das Ziel, die Krankenpflege zu verbessern und die Ausbildung von Pflegerinnen zu fördern. Bis heute dürfen nur Frauen aus dem Pflegebereich Mitglied werden. Etwa 600 Frauen zählt der Verein, 450 davon aktiv, die anderen sind Schülerinnen und Rentnerinnen. Früher stellte der Verein die Frauen, die nicht heirateten, unter Schutz. Sie lebten in einem Schwesternhaus und widmeten ihren gesamten Tag der Pflege von Kranken. „Dies wäre mit der Gründung einer Familie gar nicht vereinbar gewesen“, sagt Elisabeth Weiss, Krankenschwester und Pflegepädagogin am Bildungszentrum für Gesundheit Mathildenhöhe.

Die Schwesternschaft bot die Alternative, einen Beruf auszuüben, ohne einem religiösen Orden beitreten zu müssen. Anfangs taten sie ihren Dienst für ein Taschengeld, Kost und Logis. Etwa seit etwa Ende der 1960er Jahre durften die Schwestern heiraten. Heute gibt es keinen Unterschied mehr zwischen der Ausbildung zur Krankenschwester innerhalb oder außerhalb der Schwesternschaft. Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Dennoch ist die Mehrheit der Krankenschwestern am Alice-Hospital und den Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret dem Verein beigetreten. Erkennbar für Patienten allein am Aufnäher mit dem Roten Kreuz. 1895 schloss sich der Alice-Frauenverein dem „Verband deutscher Krankenpflegeanstalten vom Roten Kreuz“ an. Seitdem tragen die Pflegerinnen das Rote Kreuz.

An die Schwesternschaft zahlen Mitglieder 0,75 Prozent ihres Nettolohns. Dafür haben sie Einfluss auf die Organisationsstrukturen, können etwa den Vorstand abwählen und nehmen Einfluss auf die Satzung. „Man wird angehört und Veränderungen sind möglich“, sagt Angelika Schmidt, die seit 19 Jahren der Schwesternschaft angehört. Die gesamte Führungsriege ist ebenfalls weiblich besetzt. Dies könnte der Grund dafür sein, dass die Arbeitszeiten der Schwestern sehr individuell geregelt werden. Es bestehe ein Gemeinschaftsgefühl. Geburten, Todesfälle oder Geburtstage werden gewürdigt. „Zufriedenheit ist der Schlüssel, der die Schwesternschaft ausmacht, gerade im stressigen, schwierigen Pflegeberuf macht sie einen stressresistenter“, sagt Elisabeth Weiss.

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