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Joachim Hecker und Loris bilden einen menschlichen Stromkreis.

Darmstadt

Wissenschaft kann verzaubern

Joachim Hecker vermittelt bei „Wissen ist cool“ Spaß an der Physik.Joachim Hecker und Loris bilden einen menschlichen Stromkreis.

Darmstadt als Wissenschaftsstadt ist nicht gerade als Hochburg für das Mystische und Okkulte bekannt. Kein Wunder also, dass die „Hexenküche“ von WDR-Redakteur und Autor Joachim Hecker nur scheinbar Alchemistisches zutage fördert. Tatsächlich wurde vielen Kindern in der Centralstation am Samstag Wissenschaft unterhaltsam näher gebracht.

Schon der Schauplatz des Geschehens deutet darauf hin, dass bei der „Hexenküche“ statt Hokuspokus eher Forschen und Wissen im Vordergrund stehen. Modelle von Satelliten, der Ariane-5-Rakete und einem Apollo-Mondvehikel bilden die Kulisse für den ersten Höhepunkt der Reihe „Wissen ist cool“.

Folglich greift Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) die Raumfahrt auch auf, um seine Eröffnungsrede zu gestalten. So habe der deutsche Geophysiker und Astronaut Alexander Gerst gesagt, von oben sehe der blaue Planet „ziemlich zerbrechlich“ aus. Als Fingerzeig versteht Partsch daher das Ferienprogramm: „Wir müssen darauf achten, dass unsere Erde erhalten bleibt, für alle, die noch kommen. Um das zu schaffen, muss man etwas wissen!“ Den gespannt auf dem Hallenboden wartenden Zuschauern gibt er mit auf den Weg: „Kluge Kinder tragen dazu bei, dass unsere Wissenschaftsstadt eine Wissenschaftsstadt bleibt.“

Informativ und unterhaltsam

In diesem Sinne will auch Joachim Hecker seine Vorstellung „Heckers Hexenküche“ verstanden wissen. „Wir machen Experimente, denn da kann man was anfassen. Und wenn man was anfassen kann, kann man auch was begreifen“, erklärt er dem jungen Publikum. Dementsprechend gestaltet Hecker die Show sehr interaktiv, fragt Kinder nach möglichen Erklärungen auf seine Vorführungen oder bittet sich immer wieder Assistenten und Assistentinnen auf die Bühne.

Mit Patricia setzt Hecker zuerst einen weißen Styroporfrosch in einen wassergefüllten Schnellkochtopf und dann den Herd in Gang. Was aus dem Frosch werde, frohlockt Hecker, könne man später sehen.

Bis dahin streift Hecker – in sonnengelbem Hemd und giftgrünem Jacket – Kernthemen der Physik wie Akustik, Elektrizität oder Wärmelehre, ohne, dass es sich jemals nach Unterricht oder Vortrag anfühlt. Die Fragen sind schließlich ganz alltäglich, wie etwa: Warum hört sich die eigene Stimme auf einer Audioaufnahme so fremd an?

Durch ein Stethoskop mit Lautsprecher kommt man der Antwort auf die Spur – die eigenen Kieferknochen leiten Schallwellen des Gesagten ebenso zum Ohr wie die Luft. Die aufgenommene Stimme klingt heller, weil man nur noch mit den Ohren höre und nicht mehr „mit dem Kopf.“

Auch die weiteren Experimente Heckers sind informativ und spaßig zugleich. Mit einem Jungen bildet Hecker einen menschlichen Stromkreis, höchstens die Haare taugen da als Isolierung. Beim 50-jährigen Hecker selbst funktioniert dies angesichts der schon lichteren Frisur natürlich nicht.
Dafür zeigt er, dass sogar ein dünner Wasserstrahl Strom leiten kann. Da bei geschlossenem Stromkreis ein Piepton ertönt, kann Hecker den Strahl als „Wasserorgel“ benutzen und eine simple Melodie spielen.

Was aber war nun eigentlich aus dem weißen Frosch aus Styropor geworden? Hecker lüftet den Topfdeckel und damit das Geheimnis: Der große, weiche Hüpfer wurde in einen kleineren und harten verwandelt. Magie ist auch hier nicht die Erklärung, sondern Hitze und Druck. Die wichtigste Erkenntnis des Tages: Wissenschaft kann verzaubern, ist aber kein Hexenwerk. (eda)

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