1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Aleviten eröffnen Gemeindehaus

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die Alevitische Gemeinde Darmstadt und Umgebung hat sich auf halbem Weg zwischen Hauptbahnhof und Steubenplatz ein eigenes Gemeindehaus gebaut. Am Freitagabend ist es feierlich eingeweiht worden.

Die alevitische Glaubenslehre, der viele Millionen Türken anhängen, hat ihre Wurzeln in der frühen islamischen Geschichte. Ob sie selbst zum Islam gehört, ist allerdings umstritten. Die Haltungen und Glaubenssätze der Aleviten weichen nämlich in vielerlei Hinsicht von den sunnitischen und schiitischen Hauptströmungen ab.

Frauen tragen kein Kopftuch

Das äußert sich auch darin, dass mit größter Selbstverständlichkeit zahlreiche Sektgläser bereitstehen, als sich die Alevitische Gemeinde Darmstadt und Umgebung in der Straße Im Niederfeld, schräg gegenüber der Kittlerschule, zu einem großen Fest trifft. Alkohol ist bei einer islamischen Feier eigentlich undenkbar. Die Aleviten freuen sich über die Einweihung ihres neuen Gemeindehauses, das sie „aus eigener Kraft“, so der Vorsitzende Murat Kaya, gebaut haben – überwiegend mit Spendengeldern der 500 Vereinsmitglieder. „Darauf sind wir stolz.“

Gemeindemitglied Hidir Karademir erklärt: „Das ist eine lebenswichtige Sache für die Alevitische Gemeinde. Damit können wir uns identifizieren. Wenn eine Gruppe in Deutschland baut, zeigt das: Wir wollen hier bleiben, wir haben hier Wurzeln geschlagen.“

So wie Bahar-Sultan Kaya. Sie engagiert sich seit vielen Jahren als Leiterin der alevitischen Frauengruppe in Darmstadt. „Meine Gemeinde ist mir sehr, sehr wichtig“, sagt sie. „Ich will auch meinen drei Töchtern meine Religion zeigen.“ Keine der Frauen bei der Eröffnungsfeier hat ihre Haare bedeckt. „Wir respektieren es, wenn islamische Frauen Kopftuch tragen“, sagt dazu Rechtsanwältin Zuhal Devrim. „Aber wir wollen es nicht für uns.“

„Die Alevitische Gemeinde setzt sich für eine bessere Gesellschaft ein“, erklärt Murat Kaya in seiner Eröffnungsansprache, nachdem Dede Gülüm ein Gülbenk gesprochen hat, ein kurzes Gebet. „Wir wollen Impulse geben, um die Demokratie zu festigen und die Gemeinschaft unter den Menschen zu stärken.“ Die Gemeinde sei eine offene Gemeinschaft, betont der Vorsitzende: Besucher seien willkommen, und das Gemeindehaus könne auch von anderen Vereinen genutzt werden. Die Aleviten achteten die religiösen Bekenntnisse Anderer.

Die Darmstädter Gemeinde ist auch politisch bestens vernetzt, wie sich bei der Eröffnungsfeier zeigte. Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) und die Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries (SPD) sprachen Grußworte, auch andere Magistratsmitglieder und Stadtverordnete waren erschienen. Mehrere Aleviten sind ihrerseits in Parteien engagiert.

„Sie kümmern sich nicht nur um ihre Gemeinde“, lobte Partsch, „sondern wirken als einer der aktivsten Vereine auch in die Stadt hinein“. (bad)

Auch interessant

Kommentare