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Protest der Bürgerinitiative Büttelborn 21 vor dem stillgelegten Atomkraftwerk Biblis. BI Specherteam Bernd Petri, Armin Hanus Jörg Lowin.
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Protest der Bürgerinitiative Büttelborn 21 vor dem stillgelegten Atomkraftwerk Biblis. BI Specherteam Bernd Petri, Armin Hanus Jörg Lowin.

Darmstadt

AKW-Abriss: Keiner will den Biblis-Müll

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Eine bundesweite Anfrage des zuständigen Entsorgers aus dem Kreis Bergstraße bleibt ohne Ergebnis. Jetzt sucht das RP Darmstadt nach einer geeigneten Deponie.

In Büttelborn geht die Angst um, dass auf der örtlichen Mülldeponie irgendwann auch Abfall aus dem Atomkraftwerk Biblis landen könnte. Die Bürgerinitiative „Büttelborn 21“ und auch die Kommune haben bereits eine Gegenkampagne gestartet.

Das Szenario ist nicht unrealistisch. Für die Entsorgung zuständig ist zwar der Kreis Bergstraße beziehungsweise der Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB). Aber dieser verfügt nicht über eine entsprechende Deponie. Eine im Umland liegende Deponie befindet sich im 30 Kilometer entfernten Büttelborn im Kreis Groß-Gerau.

Harmloser Müll?

Beim Rückbau des AKW Biblis fällt nicht nur hochradioaktives Material wie Brennstäbe an, sondern auch Abfälle wie Bauschutt. Ein großer Teil ist nicht radioaktiv belastet und kann wieder in die Kreislaufwirtschaft überführt, recycelt und weiterverwendet werden.

Ein anderer Teil der Abfälle wird „freigemessen“ und kann im Anschluss auf eine geeignete Deponie gebracht werden. Eine Freimessung ist ein Nachweis, der zeigt, dass das Material so wenig Radioaktivität aufweist, dass es für Mensch und Umwelt ungefährlich ist.

Eine Freimessung erfolgt nach strengen, rechtlichen Vorgaben, sodass der Schutz der Bevölkerung sowie der Arbeitskräfte auf der Deponie gewährleistet sein soll. Die Grenzwerte hierfür werden jedoch von manchem als nicht ausreichend angesehen.

Der freigemessene Müll soll in den Wertstoffkreislauf wandern. cka

Das ZAKB hat laut Regierungspräsidium (RP) Darmstadt bundesweit Deponiebetreiber gefragt, ob sie spezifisch freigemessene Abfälle aus dem Rückbau des Kernkraftwerks Biblis annähmen. Leider habe es „nur Absagen gegeben“. Daraufhin habe der Zweckverband einen Antrag an das RP gestellt, einen entsprechenden Deponieraum für spezifisch freigemessene, nicht gefährliche mineralische Abfälle zur Verfügung zu bekommen, teilte das RP auf FR-Anfrage mit.

Wo eine solche Deponie liegen könnte, ist derzeit ungewiss. „Dieser Antrag ist unspezifisch“, so das RP. Er beziehe sich nicht auf eine bestimmte Anlage. Derzeit werde geprüft, „ob eine geeignete Deponie vorhanden ist und ob und unter welchen Voraussetzungen eine Anordnung verhältnismäßig wäre“. Zunächst müsse aber geprüft werden, ob die vorliegenden Informationen zur Beurteilung dieser Frage ausreichend seien oder ob weitere Informationen benötigt würden, so dass RP weiter.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Gerald Kummer hat zum Biblis-Rückbau mehrere kleine Anfragen an die schwarz-grüne Landesregierung gestellt. Seine jüngste Anfrage vom 18. November dreht sich darum, welche Deponien mit welchen Deponieklassen in Hessen geeignet zur Aufnahme wären. Auch will er wissen, für welche Deponien überhaupt Einzelfallnachweise für die Aufnahme von freigegebenen (radioaktiven) Abfällen vorlägen. Eine Antwort der hessischen Landesregierung steht bislang noch aus.

Auch wenn es sich bei den Abfällen um freigemessene, also nur noch ganz schwach radioaktive Materialien handelt, ist man sich in Büttelborn bereits sicher: „Wir wollen keine Abbruchabfälle und Schrott aus dem ehemaligen Atomkraftwerk Biblis“, steht auf der Homepage der Gemeinde. Bürgermeister Marcus Merkel (SPD) schreibt, es gehe ihm in erster Linie um die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger und den Aspekt, dass rund um das Deponiegelände landwirtschaftlich gearbeitet werde. „Dies darf auf keinen Fall durch solche Abfälle gefährdet werden.“ Deswegen werde man sich als Gemeinde mit großer Unterstützung der Bürgerinitiative gegen die Ablagerung des radioaktiven Mülls aus dem AKW Biblis wehren.

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