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Akuter Katzenjammer

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Peter und Paul haben Glück: Sie sind gesund. Die Kater suchen gemeinsam ein neues Zuhause.
Peter und Paul haben Glück: Sie sind gesund. Die Kater suchen gemeinsam ein neues Zuhause. © André Hirtz

Das Katzenhaus des Darmstädter Tierheims platzt aus allen Nähten. Täglich werden neue Katzenbabys gebracht. Einige müssen schon an private Pflegestellen abgegeben werden.

„Hilfe, wir haben keinen Platz mehr im Katzenhaus“, sagt Tierheim-Mitarbeiterin Stefanie Fleu. In den vergangenen Tagen sind 22 Katzenbabys in der Darmstädter Einrichtung abgegeben worden. Einige mussten bereits an private Pflegestellen übergeben werden, da die Tierheim-Mitarbeiter völlig ausgelastet sind. Täglich kommen neue Tiere hinzu. „Es handelt sich dabei hauptsächlich um verwilderte Hauskatzen“, erklärt Stefanie Fleu.

Können verwilderte Katzen denn nicht für sich selbst sorgen? „Können sie nicht“, sagt Fleu. Die Tiere stammten von Katzen ab, um die sich einmal Menschen gekümmert haben – und die dann nichts mehr von ihnen wissen wollten. „Immer wieder gibt es Fälle, wo Leute umgezogen sind und ihre Katzen einfach zurückgelassen haben“, erzählt sie. Viele dieser Tiere lebten zurückgezogen und versteckt in Hinterhöfen, Parkanlagen oder auf dem Gelände von Reiterhöfen. Sie seien in der Regel weder kastriert noch geimpft.

Katzen können zweimal im Jahr bis zu sechs Nachkommen gebären. Verwilderte Katzen leiden oft unter ansteckenden Krankheiten. Erst kürzlich, so die Tierheim-Mitarbeiterin, seien drei kleine Tiere abgegeben worden, die Katzenschnupfen hatten und sehr geschwächt waren. Zwei von ihnen haben es nicht geschafft, sie sind verendet.

Die Fundtiere belasten das Budget des Tierheims, da zusätzlich zu Kosten für Impfungen, Futter und Kastration auch noch Medikamente besorgt werden müssen. Die nur wenige Wochen alten Katzenbabys brauchen eine Betreuung rund um die Uhr – und dabei haben die Pfleger schon mit den 60 ausgewachsenen Katzen genug zu tun, die ebenfalls darauf warten, vermittelt zu werden. „Es wäre ein Traum, wenn sich Menschen finden würden, die den Katzen ein neues Zuhause bieten“, sagt Anja Pöllner, Katzenpflegerin des Tierheims. Einige der Kleinen seien zusammen mit den Muttertieren eingefangen worden. „Meist sind die älteren Katzen aber so sehr an die Freiheit gewöhnt, dass wir sie kastrieren, impfen und dann wieder dorthin zurückbringen, wo sie eingefangen wurden.“

Kastrationspflicht gefordert

Auch manche der Katzenbabys sind noch etwas scheu. Anja Pöllner ist zuversichtlich, dass sie sich mit der Zeit an Menschen gewöhnen werden. „Man sollte sie erstmal in der neuen Umgebung in Ruhe lassen und sich dann viel mit ihnen beschäftigen.“ Unter keinen Umständen würde sie die Katzenbabys an Berufstätige vermitteln: „Die sind zeitintensiv.“ Die beiden handzahmen „Wonneproppen“ Peter und Paul brauchen noch viel Zuwendung. Die sechs Wochen alten Kater sind rundum gesund und können „sofort in gute Hände abgegeben werden“, erzählt die Pflegerin. Am liebsten wäre es ihr, wenn sie gemeinsam vermittelt würden.

Anja Pöllner ist empört, wenn sie daran denkt, wie viele Menschen ihre Katzen nicht kastrieren und impfen und sie trotzdem als Freigänger auf die Straße lassen. „Das ist verantwortungslos“, heißt es auch beim Tierschutzverein.

Tierheimleiter Christian Zentgraf und die ehrenamtliche Mitarbeiterin Carmen Schell haben deshalb ein Konzept zur Einführung einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht freilaufender Katzen in und um Darmstadt entwickelt. Es ist an das Paderborner Modell angelehnt. Dort müssen seit 1997 alle Halter ihre Tiere ab dem fünften Monat kastrieren und per Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen lassen.

„Damit könnte man das Problem deutlich eindämmen“, sagt Zentgraf. Mithilfe der Kennzeichnungspflicht könnten Fundtiere direkt ihren Haltern übergeben oder aber ohne Wartezeit weitervermittelt werden. Dies entlaste nicht nur die Tierheime, sondern reduziere auch die Kosten.

Erste Gespräche mit dem Veterinäramt hat es bereits gegeben. Die Tierschützer hoffen nun auf die Hilfe der Stadt. hin

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