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Affen am Touchscreen

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Die Schopfmakaken im Vivarium können nicht nur gut klettern, sondern auch Computer bedienen.
Die Schopfmakaken im Vivarium können nicht nur gut klettern, sondern auch Computer bedienen. © andré hirtz

Das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) aus Göttingen untersucht im Darmstädter Zoo unter anderem die kognitiven Fähigkeiten der Affen.

Mit drei Fingern tatscht Tanisho auf den Bildschirm. Immer wieder. Es folgt ein Piepton und zur Belohnung ein Stückchen Cornflakes. Die Darbietung ist Teil eines Forschungsprojekts bei den Schopfmakaken im Vivarium. Mit einem Computerspiel untersucht das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) aus Göttingen im Darmstädter Zoo unter anderem die kognitiven Fähigkeiten der Affen.

„Ich bin erstaunt, wie schnell die lernen“, stellt die Göttinger Biologiestudentin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ihren neun Versuchstieren ein gutes Zeugnis aus. Dass dies berechtigt ist, beweist Tanisho prompt. Ungeduldig wartet der elf Jahre alte Makake am Gitter in einem Raum des Affengeheges. Die Nachwuchswissenschaftlerin stellt ein Regal mit einem daran befestigten Touchscreen davor. Darauf wird drei Mal hintereinander das Konterfei eines Artgenossen gezeigt.

Jedes Mal muss Tanisho durch die Gitterstäbe das Bild durch Drauftasten bestätigen. Dann folgt die kognitive Leistung: Er bekommt verschiedene Affenköpfe gezeigt, darunter das zuvor gezeigte Porträt. Das muss er wiedererkennen und per Druck auswählen. Erst dann gibt es die Belohnung – operante Konditionierung nennen dies Wissenschaftler. Tanisho ist das egal, er will nur seine Cornflakes.

Das Makaken-Männchen ist flink. Tanisho hat auch die meiste Erfahrung in dem Spiel. Denn er ist das Alpha-Männchen in der Gruppe und hat damit den ersten Zugriff. „Die anderen kommen erst dran, wenn er keine Lust mehr hat“, sagt die Studentin. Aber auch dann gibt es eine klare Rangfolge. Erst das Alpha-Weibchen Tuyet und dann das Beta-Männchen Takuya. „Die haben noch eine höhere Fehlerquote“, sagt die angehende Biologin. Die Routine ist also auch vom sozialen Status in der Horde abhängig.

Projekt geht über sexuelle Auswahl

Das soll nicht die letzte Erkenntnis in dem in Deutschland einzigartigen Projekt bleiben. Die Makaken sollen noch mehr lernen und dabei über ihr Verhalten preisgeben. In dem Projekt gehe es langfristig auch um die sexuelle Auswahl. „Wir wollen herausfinden, was Männchen bei Weibchen und was Weibchen bei Männchen vorziehen“, sagt die Studentin.

Bislang erfolgt das Projekt, an dem die britische Universität Portsmouth beteiligt ist, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das soll sich ändern. Sabine Kleindiek, als Geschäftsführerin des Eigenbetriebs für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD) auch für den Zoo verantwortlich, denkt darüber nach, die Besucher per Liveübertragung über einen Monitor an den Versuchen teilhaben zu lassen.

Die Zusammenarbeit mit dem Primatenzentrum ist auf Dauer angelegt. Nach Angaben der wissenschaftlichen Leiterin des Projekts, Antje Engelhardt, soll die Touchscreen-Anlage künftig dazu dienen, Studenten und Doktoranden des DPZ Versuche mit den Schopfmakaken zu ermöglichen. Für Kämmerer André Schellenberg ist die Kooperation mit dem Primatenzentrum konsequent: „Das Vivarium hat den Auftrag, sich auch der Wissenschaft zu widmen.“ (rf)

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