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Ärger hinter der Fassade

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Der gläserne Aufzug bleibt immer wieder stecken – er soll nun repariert werden.
Der gläserne Aufzug bleibt immer wieder stecken – er soll nun repariert werden. © Guido Schiek

Die Darmstädter Postsiedlung ist eigentlich ein ambitioniertes Bauprojekt. Die Bewohner der Postsiedlung werfen dem Bauverein allerdings seit ihrem Einzug 2012 zahlreiche Mängel vor - trotzdem hat sich bis heute nichts Maßgebliches getan.

Die Darmstädter Postsiedlung ist ein ambitioniertes Bauprojekt. Seit mehr als fünf Jahren lässt die Bauverein AG das 50er-Jahre-Quartier zwischen Bessunger Straße und Moltkestraße modernisieren. Die Blöcke werden saniert und aufgestockt, es entsteht mehr Wohnraum mit weniger Energieverbrauch, und die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen.

Doch hinter den Kulissen der schmucken neuen Fassaden rumort es: Wohnungseigentümer aus der Binger Straße beklagen Pfusch am Bau. Unabhängig von den Wohnungen geht es vor allem um das Gemeinschaftseigentum: Aufzug-Störungen, undichte Dachentwässerung, feuchte Keller, Probleme mit der Heizanlage oder nicht schließende Türen.

Doch obwohl die Käufer die Mängel recht schnell nach ihrem Einzug Anfang 2012 angezeigt haben, hat sich bis heute nichts Maßgebliches getan. Dieter Schüll, der mit seiner Frau eine Wohnung in der Binger Straße gekauft hat, ist enttäuscht. Mittlerweile sei der Bauverein seit mehr als zwei Jahren im Verzug, die Gebäude ohne Mängel zu übergeben, betont der 73 Jahre alte Physiker im Ruhestand. Man werde nur vertröstet.

Vergebliche Reklamationen

Diese Erfahrung hat auch Nachbar Hans Leuschner gemacht. Bei ihm war die Balkontür undicht, sodass bei starkem Regen das Parkett nass wurde. Auch zog es im Eingangsbereich wegen eines unebenen Bodens und einer verzogenen Tür. Nachdem der 72-Jährige mehrfach vergeblich reklamiert und Fristen gesetzt hatte, schaltete er Ende 2013 einen Anwalt ein. „Dann ging es.“

Die Eigentümergemeinschaft aber hängt weiter in der Luft – wortwörtlich dann, wenn der gläserne Außenaufzug mal wieder stecken bleibt. Dieter Schüll führt längst ein Protokoll über die Liftstörungen und teils tagelangen Ausfälle. „Die Aufzugsanlage war von Anbeginn Quelle von Ärgernis“, schrieb der herzkranke Senior im Januar 2013 an den Bauverein-Vorstandsvorsitzenden Hans-Jürgen Braun. Dies bedeute eine erhebliche Einschränkung. „Schließlich wurden die Wohnungen als senioren- und behindertengerecht beworben.“

Ein halbes Jahr später sei die Heizungsanlage umgebaut worden. Doch der Aufzug fällt bis heute immer wieder aus. Und erst wenn alle Mängel beseitigt sind, kann das Gemeinschaftseigentum abgenommen und der Kauf abgeschlossen werden. Bei einer Versammlung im Dezember 2013 wurde beschlossen, dass der Bauverein die Mängel bis Ende März ausräumen müsse. Auch diese Frist ist ohne Ergebnis verstrichen.

„Die Bauverein AG steht uneingeschränkt für die Beseitigung der vorhandenen Mängel ein“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. In einigen Fällen gebe es berechtigte Beanstandungen. Man habe den TÜV Süd mit einer Begutachtung beauftragt, deren Ergebnis noch ausstehe. „Zwischenzeitlich wurden jedoch bereits Maßnahmen, zum Beispiel an der Heizung, durchgeführt.“

Aufzugsfirma insolvent

In der Stellungnahme räumt der Bauverein ein, dass die Zusammenarbeit mit dem Generalunternehmer (GU) „bis zum heutigen Tage nicht optimal funktioniert“. Regressansprüche könnten nur von der Bauverein AG an den GU gestellt werden. In der Konsequenz könne der Bauverein Mängel nicht selbst beseitigen, ohne dadurch Ansprüche gegenüber dem GU zu verlieren.

Beim Problempunkt Aufzug habe man sich mit Rücksicht auf die Bewohner entschieden, die Mängel ohne den GU zu beheben. Die Aufzugsfirma, die dieser beauftragt habe, sei möglicherweise insolvent. Man habe bereits eine alternative Fachfirma angefragt, die Schäden beheben und die Betreuung übernehmen soll. Wie der Bauverein unterstreicht, habe man sowohl mit dem GU als auch mit der Aufzugsfirma bei anderen Vorhaben bislang gute Erfahrungen gemacht. Die Kommunikation mit Kunden und Käufern wolle man verbessern. (aw)

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