1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Ackern für den nächsten Einsatz

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Großbrand am 22. Juni hatte viel Aufsehen erregt.
Der Großbrand am 22. Juni hatte viel Aufsehen erregt. © dpa

Nach dem Großbrand im Juni muss die Feuerwehr aufräumen und rechnen. Alles ist mit viel Mühe für den nächsten Einsatz vorzubereiten.

Der „heiße“ Einsatz ist zwar schon lange vorbei, die Arbeit aber noch lange nicht. Noch immer beschäftigt sich die Rüsselsheimer Feuerwehr mit dem Großbrand des Sportsclubs an der Karlsbader Straße, der am 22. Juni und den Tagen danach die Aufmerksamkeit der ganzen Region erregte.

„Von außen betrachtet ist es ja immer so: Der Brand ist gelöscht, die Kräfte sind abgezogen, also lässt auch die Aufmerksamkeit nach. Dann geht hier im Haus aber die Arbeit erst richtig los“, erklärt Thomas Meudt, Leiter des Rüsselsheimer Amtes für Brandschutz, der am Unglückstag als Einsatzleiter fungierte. Bis der Einsatz als Vorgang tatsächlich ganz ad acta gelegt werden kann, wird aus seiner Sicht auch noch einige Zeit vergehen.

Alleine die Aufbereitung der Ausrüstung ist nach einem Einsatz mit solchen Dimensionen für die Feuerwehren eine mühevolle und langwierige Angelegenheit. Nur in Rüsselsheim habe man bisher bereits 200 Schläuche gereinigt, dazu kommen etliche Atemschutz-Einheiten, die gewartet werden müssen und viele andere Tätigkeiten, um die komplexe Ausrüstung für die nächsten Einsätze wieder fit zu machen. „Das Ganze findet bei den anderen Wehren im Umkreis ja auch noch einmal statt“, berichtet Meudt.

Nachbarschaftliche Hilfe

Anders als bei Kooperationen zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft, etwa zwischen Rüsselsheim und der Wehr in Ginsheim-Gustavsburg, findet in Fällen wie dem Großeinsatz an der Karlsbader Straße kein Kostenausgleich zwischen den unterschiedlichen Einheiten statt. „In solchen Fällen greift die nachbarschaftliche Hilfe. Kosten werden da keine geltend gemacht“, sagt der Amtsleiter. Die Rüsselsheimer Wehren dürften diese Solidarität auch guten Gewissens annehmen, immerhin rücke man auch regelmäßig zu Einsätzen ins Umland aus. Ein nicht zu vernachlässigender Kostenfaktor ist ein Großeinsatz wie der am Sportsclub natürlich trotz allem.

Und weil, wie die Kriminalpolizei festgestellt hatte, weder beim Betreiber noch den Nutzern des Sportsclub ein Verschulden vorlag, trägt die Allgemeinheit die Kosten – im Rüsselsheimer Fall werden diese über den Etat des Amtes für Brandschutz abgewickelt.

Ausgleich für Arbeitgeber

„Eine eigene Kasse oder einen Fonds für solche Fälle gibt es nicht“, berichtet Meudt, der zunächst versuchen muss, durch Umschichtungen eine Deckung der Kosten zu erreichen. Einer der Kostenpunkte ist beispielsweise die Ausgleichszahlung, die Arbeitgeber für die Freistellung der Einsatzkräfte geltend machen können. Denn ein Großteil der Feuerwehrleute war zwar als Freiwillige an dem Einsatz beteiligt gewesen, für die Dauer des Einsatzes fällt deren Arbeitskraft für die Arbeitgeber aber natürlich aus.

„Das ist ein rechtmäßiger Anspruch, der ja auch in Ordnung geht. Die Kollegen waren ja nicht nur abends aktiv im Einsatz, sondern sind für die Betriebe ja auch am nächsten Tag ausgefallen. Nach einer ganzen Nacht im Löscheinsatz muss man einfach auch mal regenerieren“, erläutert Meudt.

Es gebe aber auch Betriebe, die auf die Abrechnung verzichteten und damit der Feuerwehr eine große finanzielle Last nehmen. Wie hoch die Summe für Ausgleichszahlungen letztendlich wird, könne man jetzt noch nicht sagen, so Thomas Meudt. Die Abrechnung für den Großeinsatz in diesem Bereich habe gerade erst begonnen. (ers)

Auch interessant

Kommentare