1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Zum Abschied ein Film

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Kurzfilm "Ein Tag und eine Ewigkeit" erzählt aus dem Leben der 93-jährigen Dorothea Hepp.
Der Kurzfilm "Ein Tag und eine Ewigkeit" erzählt aus dem Leben der 93-jährigen Dorothea Hepp. © claus völker

Die Filmemacherin Anna Hepp macht ihre Großmutter zur Hauptdarstellerin in ihrem neuen Film. Der läuft jetzt beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt.

Die Filmemacherin und Fotografin Anna Hepp (33) lebt und arbeitet in Köln. Als Kind war sie oft in Darmstadt, fühlt sich auch hier zu Hause. Mit ihren Cousinen hat sie im Paulusviertel gespielt. Dort wohnte auch ihre Großmutter Dorothea Hepp. Sie ist die Hauptfigur des Kurzfilms „Ein Tag und eine Ewigkeit“, der beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt läuft.

Der Film zeigt Ausschnitte aus dem Alltag der 93 Jahre alten Frau. Jeden Morgen macht sie Gymnastik im Bett und nimmt danach den Gang zum Briefkasten in Angriff. Das Alter, so Dorothea Hepp, bestehe aus Disziplin, Mut, Kraftanstrengung und Schmerzen. Anna Hepp hat den Alltag ihrer Oma an drei Drehtagen als Abschlussarbeit an der Kölner Medienkunsthochschule auf einem 16-Millimeter-Film festgehalten. Eine Woche nach den Dreharbeiten ist Dorothea Hepp gestorben. „Ich war gerade im Schnittraum, als die Nachricht kam“, erzählt die Filmemacherin. Rückblickend seien die Drehtage ein „aktives Abschiednehmen“ gewesen.

Die Enkelin hatte erst in den letzen sechs Jahren eine enge Beziehung zu Dorothea Hepp aufgebaut. „Sie war als Kind nicht die liebe Oma wie aus dem Bilderbuch“, erinnert sich die junge Frau. Dazu sei sie viel zu streng gewesen. „Zum Schluss war sie jedoch meine beste Freundin.“ Fit im Kopf sei sie gewesen und sehr offen für ihr Alter: „Es gab keine Tabu-Themen.“ Aufgeschlossen war Dorothea Hepp auch für die Pläne ihrer Enkelin, als die sich vornahm, 2003 an ihre Ausbildung als Fotografin noch ein Studium an der Kunsthochschule anzuschließen.

„Als alter Mensch hat meine Oma mir viel gegeben“, so die Regisseurin. Die beiden sprachen über traurige und lustige Dinge, auch übers Sterben. „Sie war nicht depressiv“, sagt Anna Hepp. Sie war vielmehr der Meinung, dass sie ihr Leben gelebt habe und es „jetzt doch mal gut sei“.

Der Dreh war eine emotionale Herausforderung für die Filmemacherin. Die Nähe zur Protagonistin war groß. Diese Nähe, so Anna Hepp, sei vielleicht auch der Grund, warum ihr Kurzfilm bereits fünfmal ausgezeichnet wurde, etwa beim Internationalen Film- und Videofestival in Peking oder beim Kurzfilm-Festival in Hamburg.

Die Reaktionen des Publikums auf die Dokumentation sind unterschiedlich: Jüngere Menschen, so Anna Hepp, seien oftmals von den langen Kameraeinstellungen irritiert. „In der heutigen Zeit sind unsere Sehgewohnheiten an schnelle Schnitte und viele Bilderabfolgen gewöhnt. Ich zwinge die Zuschauer zur Geduld.“ Viele Reaktionen seien voller Emotionen. „So funktioniert der Film ja schließlich auch“, sagt sie. Auf dem Kurzfilm-Festival in Hamburg sei daher „viel geschnäuzt“ worden. Auch Anna Hepp selbst nehmen die Erinnerungen an ihre Oma mit. Auf dem Weiterstädter Filmfest will sie sich die Dokumentation deshalb nicht nochmal anschauen. „Der Film verlangt mir viel ab.“ ( hin)

Auch interessant

Kommentare