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In diesem Flüchtlingswohnheim in Darmstadt sprang ein 35-Jähriger aus dem Fenster und verletzte sich schwer.
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In diesem Flüchtlingswohnheim in Darmstadt sprang ein 35-Jähriger aus dem Fenster und verletzte sich schwer.

Darmstadt

Abschiebung in Darmstadt: Geflüchteter springt aus dem Fenster

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Aus Angst vor Abschiebung springt ein 35-jähriger Pakistani aus dem ersten Stock. Darmstadts Bürgermeisterin Akdeniz spricht von unerträglichen Umständen und fordert von der Bundesregierung klare Aufenthaltsbedingungen.

Darmstadt – Aus Panik, abgeschoben zu werden, ist ein 35 Jahre alter Mann aus Pakistan aus dem Fenster einer Darmstädter Flüchtlingsunterkunft gesprungen. Bei dem Sturz aus dem ersten Stock habe er sich so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, sagte Samar Khan vom Hilfsverein „Wir sind Pakistan“ der Frankfurter Rundschau. Der Mann soll stundenlang hinter dem Haus gelegen haben, bis eine Securitymitarbeiterin ihn entdeckte. „Er hatte totale Angst, als die Polizei kam, weil er dachte, sie wolle ihn abholen“, sagte Khan. Dabei habe der 35-Jährige eine Duldung. Die Polizei sei wegen eines anderen Pakistanis gekommen, den sie in die Abschiebehafteinrichtung in Darmstadt-Eberstadt bringen wollte.

Das Polizeipräsidium Südhessen bestätigte auf Anfrage, es sei am Dienstag damit beauftragt gewesen, einen Bewohner in der Unterkunft aufzusuchen und festzunehmen. Dem Betroffenen sei aber die Flucht aus dem Gebäude gelungen. Die Fahndung nach ihm laufe. Ein weiterer Bewohner, den die Polizisten nicht gesucht hätten, sei „aus bisher nicht nachvollziehbaren Gründen beim Erblicken der Polizeibeamten unvermittelt aus einem Fenster des ersten Obergeschosses“ gesprungen, erläuterte so Polizeisprecherin Andrea Löb.

Darmstadt: Geflüchteter springt aus dem Fenster

Der Vorfall im Flüchtlingswohnheim in der Otto-Röhm-Straße sei „äußerst tragisch“, sagte Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) der FR. Es sei wichtig, dass die Leute, die zum Teil seit 2015 ihren Lebensmittelpunkt hier hätten, „endlich sichere Aufenthaltsbedingungen bekommen“. Diese Menschen lebten unter angsteinflößenden Umständen. „Für den Einzelnen ist es unerträglich, wenn er dauernd Angst haben muss, abgeschoben zu werden.“ Akdeniz fordert, die Bundesregierung solle endlich klare Bedingungen schaffen.

Auch Khan berichtet, in jüngster Zeit werde regelrecht Jagd auf Pakistanis gemacht. Bei diesen herrsche große Panik. Inzwischen fänden monatlich Sammelabschiebungen statt. Die nächste solle am 21. September vom Frankfurter Flughafen aus erfolgen.

GEDULDET

In der Flüchtlingsunterkunft Otto-Röhm-Straße in Darmstadt leben derzeit 700 Personen. Viele von ihnen sind als Asylberechtigte anerkannt, finden aber keine Wohnung.

Im Erstwohnhaus in der Jeffersonsiedlung leben aktuell 80 Geflüchtete. Ursprünglich waren es 800.

Als Duldung wird die Bescheinigung über die „vorübergehende Aussetzung der Abschiebung“ ausreisepflichtiger Ausländer:innen bezeichnet. Sie gibt den Betroffenen keinen rechtmäßigen Aufenthalt in Deutschland.

Wer seit drei Monaten eine Duldung besitzt, kann eine Beschäftigung aufnehmen. cka

Laut dem hessischen Flüchtlingsrat stellen Menschen aus Pakistan die drittgrößte Gruppe der Ausreisepflichtigen in Hessen, wobei Abschiebungen bei den anderen großen Gruppen wie Menschen aus Afghanistan und Irak sehr viel schwieriger umzusetzen seien. „Daher konzentrieren sich die Abschiebungsbehörden anscheinend auf die Pakistanis, wobei es regelmäßig zu skandalösen Fällen kommt“, kritisiert der Flüchtlingsrat. Derzeit befinden sich laut Khan zehn ihrer Landsleute in Abschiebehaft. Einer von ihnen sei Usman S. aus Grevenstein, für den sie eine Petition im Hessischen Landtag eingereicht habe – „leider zu spät“, wie sie sagt.

S. arbeite seit fünf Jahren bei McDonalds und habe eine Beschäftigungsduldung gehabt. Doch nun solle er abgeschoben werden, weil er kein Sprachzertifikat vorweisen könne, erläutert Samar Khan. Dieses habe er bisher jedoch nicht machen können, weil die Sprachschulen pandemiebedingt lange Zeit geschlossen waren. (Claudia Kabel)

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