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Absage an die Rotznasen

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Die private Krippenplatzinitiative "Rotznasen" droht an dem für 2010 fehlenden Haushalt der Stadt zu scheitern.

Familie Maecker-Urdze ist vor vier Jahren mit zwei Kindern nach Darmstadt gezogen. Hier kam das dritte Kind zur Welt. Als Sigita Urdze und ihr Mann Hauke Maecker-Urdze, beide berufstätig, sich nach Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder erkundigten, stießen sie direkt auf die städtische Internetseite familien-willkommen.de. "Boah", hätten sie damals gedacht, erinnert sich Maecker-Urdze, "wenn eine Stadt so daherkommt, muss da ja ein Schwerpunkt gesetzt sein." Und so suchten sie nach einem Hortplatz für die Tochter und einem Krippenplatz für den Kleinsten.

"Wir haben alle Einrichtungen abgeklappert, aber es kamen nur negative Rückmeldungen", sagt Hauke Maecker-Urdze. "Langsam kamen wir in Panik." Die Berufstätigkeit beider Eltern sei "nicht nur Erfüllung, sondern auch Existenzsicherung", sagt der dreifache Vater. "Die einzigen Konsequenzen wären gewesen, die Elternzeit zu verlängern oder einen Job aufzugeben und Hartz IV zu beantragen."

Also gründete die Familie mit anderen die Initiative "Ein Kind - Ein Platz". Ihre Erfahrung mit der Stadt: "Es gibt nur Bewegung mit langem Atem und dauerhaftem Druck", sagt Maecker-Urdze. Irgendwann sei dann ein Anruf vom Oberbürgermeister persönlich gekommen: Er biete Tochter und jüngstem Sohn Plätze in einer Einrichtung - "ob wir dann unser öffentliches Engagement aufgeben würden?"

Die Maecker-Urdzes lehnten ab. Es war eine Frage des Prinzips. "Uns geht's um die Verbesserung der Situation, und wir wollen die Stadt wirklich an ihrem Auftritt und ihrem formulierten Anspruch messen", sagt Maecker-Urdze. Und weil der, der fordert und kritisiert, seiner Ansicht nach auch selbst aktiv sein muss, gründeten die Eltern im vergangenen Jahr die "Zwergnasen". Eine private, ehrenamtlich verwaltete Kinderkrippe, die seit Dezember in der Moosbergstraße zehn Kindern unter drei Jahren einen Betreuungsplatz bietet. Mit einer Warteliste von 40 Kindern.

Die war so lang, dass die Maecker-Urdzes gleich noch einen Verein hinterher gründeten: die "Rotznasen". Das Konzept steht, den Mietvertragsentwurf für Räume in der Nieder-Ramstädter Straße gibt es, zehn Kinder sind ausgewählt. Alles schien klar. Die Zusammenarbeit mit dem Familienamt hatte beim ersten Mal gut funktioniert. Vor knapp einem Monat wurde der Antrag gestellt. Doch dieses Mal klappte gar nichts. Denn die Stadt hat für 2010 noch keinen gültigen Haushalt. Kein Haushalt - kein Geld.

Andere Projekte haben Vorrang

Deswegen sei "zum jetzigen Zeitpunkt eine Umsetzung des Antrags nicht möglich", teilt die städtische Pressestelle auf Anfrage mit. Obwohl der Ausbau der U 3-Betreuung "natürlich wünschenswert" sei. Erst nach der Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung und nach der Genehmigung durch den Regierungspräsidenten könne wieder gehandelt werden.

Zunächst müssten aber die Projekte finanziell abgesichert werden, die im aktuellen Haushaltsjahr umgesetzt würden, heißt es weiter - das seien die Kitas von Paul-Gerhardt- und Petrusgemeinde sowie das Mehrgenerationenhaus und die Internationale Kita auf dem Campus Lichtwiese.

Für die Rotznasen ist das bitter: Keinem Vermieter könne zugemutet werden, monatelang Räume freizuhalten, sagt der bald vierfache Vater Maecker-Urdze. Deswegen erwarten die Rotznasen von der Stadt "wenigstens eine Minimalleistung": die Übernahme von monatlich 5500 Euro Betriebskosten oder zumindest des Mietvertrags. "Die Stadt muss begreifen, dass Kinderbetreuung eine Pflichtaufgabe ist", bilanziert Maecker-Urdze. "Daraus ergibt sich, dass sie uns zu unterstützen hat." Notfalls werde man in den Kommunal- und OB-Wahlkampf eingreifen. "Wenn die Stadt zustimmt, können wir morgen anfangen umzubauen und Erzieherinnen zu suchen", sagt er, die Rotznasen sind startbereit." (rwb)

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