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Abriss des Stolze-Hauses

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1961 sah der Gebäuderiegel besser aus.
1961 sah der Gebäuderiegel besser aus. © Roman Grösser

Nach 51 Jahren kommt nun Ende Oktober die Abrissbirne: Das Stolze-Haus an der Neckarstraße muss zwei neuen Gebäuderiegeln mit 214 Einzimmer-Appartements weichen. Für die, die nur Darmstädter auf Zeit sind.

Seit fünf Jahrzehnten prägt es die Ostseite der Neckarstraße: das Stolze-Haus. Nun wird es abgerissen – und macht Platz für einen Appartement-Komplex, der in zwei Riegeln diesem Ort eine neue Dimension geben wird. Derzeit ist eine Fahrspur stadteinwärts gesperrt, Zäune und Gerüste künden von Veränderungen. Nächste Woche beginnt der Abriss des Stolze-Hauses.

Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird dann anstelle des langen Traktes ein Doppelgebäude entstehen. Zwei Riegel, einer entlang der Neckarstraße, der zweite in einigem Abstand östlich davon, bieten Platz für 214 Ein-Zimmer-Appartements in Größen von 23 bis 37 Quadratmeter. Obenauf ein Staffelgeschoss mit Dachterrassen, Fernsicht zum Odenwald und an die Bergstraße garantiert. Schon wieder Studentenwohnungen? „Nicht unbedingt“, sagt Lorenz Stolze, Eigentümer, Investor und Bauherr. Die Appartements sind jedenfalls nicht für eine einseitige Nutzung konzipiert. Zumal es ja auch einen erkennbaren Bedarf an Wohnraum für nur vorübergehend in Darmstadt Arbeitende gibt, Wissenschaftler und Ingenieure zum Beispiel.

Deshalb erwägt Stolze auch, die Wohnungen möbliert und komplett ausgestattet zu vermieten – wobei die Miete dann nach Art einer sogenannten Flatrate alle Verbrauchskosten enthält. „Aber“, so Stolze, „das ist noch nicht ganz entschieden.“

Wohnungen mit Fernsicht

Entschieden ist, wer den Neubau entwirft: das Darmstädter Ingenieurbüro IHT, dessen Architekten Referenzen im Studentenwohnheimbau ebenso wie im Gewerbebau aufzuweisen haben. In Darmstadt kann man ihre Handschrift an dem Wohnblock studieren, der gerade an der Ecke Heidelberger Straße und Moosbergstraße fertig wird – früher die Esso-Tankstelle. Stolzes Projekt fällt ins Sanierungsgebiet Mollerstadt. Deshalb galt es, städtische Wünsche zu beachten. Etwa, Freiflächen anspruchsvoller zu gestalten als bisher. So hat sich Stolze entschieden, Parkplätze in eine Tiefgarage zu verlegen und den Platz zwischen den Blocks in einen kleinen Park zu verwandeln.

Langfristig soll die Mollerstadt für Fußgänger durchlässiger werden. Passagen könnten die heutigen Gewerbehöfe verbinden, neue Wegeverbindungen ermöglichen. „Wir werden deshalb den hinteren, zur Innenstadt gelegenen Riegel mit einem Durchlass versehen, an den sich später mal eine Passage zur Saalbaustraße anschließen könnte.“

Dass die Mollerstadt offiziell zum Sanierungsgebiet erklärt wurde, mag Stolzes Pläne beflügelt haben. Ursprünglich stand kein Neubau auf der Agenda. Doch alle Versuche, die Laden- und Büroräume des 1961 errichteten Gebäudes erneut zu vermieten, „sind gescheitert“.

Keine spontanen Feten mehr

Erster Nutzer des markanten Blocks war die Firma Stolze selbst, ein auf den Großhandel mit Glas, Porzellan, Küchenbedarf und Gartengeräten spezialisiertes Unternehmen, das bis 1998 bestand. Danach war an der Neckarstraße für lange Zeit Möbel-Mann zu Hause; die Büros darüber waren ans Land Hessen vermietet. Nach dem Auszug von Möbel-Mann verkaufte dort die Firma Nachthimmel noch eine Weile Betten und Matratzen. Zuletzt hatten periodisch Künstler Gelegenheit, in der zunehmend schäbiger erscheinenden Immobilie ihre Werke zu zeigen und spontane Feste zu feiern.

Mit der Sperrung einer Fahrspur der Neckarstraße und dem dadurch erzeugten Stau Richtung Rheinstraße werden die Darmstädter längere Zeit leben müssen – je nachdem, wann die Baugenehmigung erteilt wird, rechnet Stolze mit der Fertigstellung des Appartement-Komplexes Mitte oder Ende 2014. (ers.)

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