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Abkehr vom Turbo-Abitur

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Die Griesheimer Gerhart-Hauptmann-Schule ist eine von drei Schulen im Westkreis, die nächstes Jahr wieder G9 einführen.
Die Griesheimer Gerhart-Hauptmann-Schule ist eine von drei Schulen im Westkreis, die nächstes Jahr wieder G9 einführen. © dpa

Auch drei Schulen im Westkreis planen nun die Rückkehr zu G9

Die Gerhart-Hauptmann-Schule (1200 Schüler) in Griesheim sowie in Weiterstadt die Albrecht-Dürer-Schule (1260) und die Hessenwaldschule (700) kehren nach den Sommerferien 2014 dem Turbo-Abitur den Rücken und wechseln zum neunjährigen Weg zum Abitur. Damit setzt sich der Ruck durch die Schullandschaft nun mit mehr als einjähriger Verspätung auch in der Westhälfte Darmstadt-Dieburgs fort. Im Ostkreis sind bereits alle weiterführenden Schulen zu G 9 zurückgekehrt.

„Noch im Frühjahr gab es elternseits keinen erkennbaren Wunsch nach G 9. Doch in den letzten Monaten hat sich das geändert“, sagt Schulleiterin Brunhilde Muthmann in Griesheim. Fast wortgleich schildert Direktor Knut Hahn die Eindrücke aus Sicht der Dürerschule in Weiterstadt. „Wir waren überrascht vom Meinungsumschwung. Noch im Frühjahr haben uns die Grundschulelternbeiräte aus Weiterstadt ein anderes Bild vermittelt.“

Kein Widerstand der Lehrer

Zudem zeigten die Erfahrungen der ersten G 8-Abiturienten, dass sich manche Befürchtungen nicht bestätigt hätten: Der Notendurchschnitt sei besser als der bei G 9. Und die Zahl der Sitzenbleiber habe sich nicht erhöht. Dennoch: Vier von fünf Eltern lehnten G 9 für ihr Kind ab.

Durch den Wechsel zu G 9 sollen die Schüler „entspannter lernen, sich stärker kreativ entwickeln können, ganzheitlich gefördert und gefordert werden, intensiver auf den Übergang in die Oberstufe einer weiterführenden Schule oder eine Berufsausbildung vorbereitet werden“, nennt Schulleiterin Ute Simon-Nadler für die Hessenwaldschule Vorteile der Umstellung. Widerstand seitens der Lehrerschaft – wie vor einiger Zeit an der Goetheschule in Dieburg – ist an keiner der drei Schulen erkennbar.

„Durch die Rückkehr zu G 9 werden auch die Eltern von schulischen Angelegenheiten entlastet“, sagt Ute Simon-Nadler für die Hessenwaldschule. Nicht wenige G 8-Familien hatten den Eindruck, dass der Schulstress sich bis ins Wohnzimmer fortsetzte.

"G8 von Anfang an Fehler"

„Ich habe G 8, so wie es eingerichtet wurde, von Anfang an für einen Fehler gehalten. G 9 ist die bessere Alternative“, lobt Kreis-Schuldezernent Christel Fleischmann (Grüne) den Schulschwenk im Westen. Obwohl dadurch in spätestens fünf Jahren zusätzlicher Raumbedarf entsteht. Aber Schule solle, müsse und werde sich ohnehin erweitern, auch für Unterricht und Betreuung weit in den Nachmittag hinein, eben als Ganztagsschule, gibt Fleischmann die Linie für den Kreis vor. Ein Weg, den die Albrecht-Dürer-Schule in Weiterstadt – parallel zur G 9-Umstellung – mit Nachdruck weiter verfolge, wie deren Schulleiter Knut Hahn betont.

„Hier im Westkreis hatte sich ja in Sachen G 9 kaum eine Schule aus der Deckung getraut, wegen der Konkurrenzsituation zu Darmstadt“, ergänzt Brunhilde Muthmann aus Griesheim. Doch die Zeit des Abwartens ist vorbei – und das Vertrauen in den eigenen Weg sowie die Stärke schulischer Angebote gestiegen. piz

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